Ennstal-Classic 2021

Die Ennstal-Classic ist schon ein echter Klassiker und absolutes Highlight im Rallyekalender! In seiner fast 30 jährigen Geschichte haben sie schon Walter Röhrl oder Rauno Aaltonen gewonnen.

227 Teams aus 15 Nationen sind am Start, eines ist sogar extra aus den USA für das mehrtägige Spektakel angereist. Das Wetter ist fantastisch und so sollte einer tollen Tour nichts im Wege stehen. 
Los geht es am Mittwoch mit der technischen Abnahme in Gröbming. Sie findet unter Aufsicht der ersten neugierigen Zuschauer im Ortszentrum statt. Die Fahrzeuge werden durch verschiedenen Zelte geschoben und von Damenhand mit den Sponsor- und Startnummer-Aufklebern versehen, dann kurz durchgecheckt und sind nun bereit für den ersten Renntag. Die Tribüne, Start und Ziel-Bogen und die Rampe sind auch schon aufgebaut, Oldtimer stehen in allen Straßen und überhaupt scheinen sich alle Dorfbewohner auf die Besucher zu freuen und haben sämtliche Schaufenster hübsch dekoriert, wie man es sonst nur von der Mille Miglia her kennt.

Donnerstag: Prolog

Großes Gewimmel am nächsten Morgen. Zuschauer, Film- und Fernsehteams und die Teilnehmer, die sich zum Start aufreihen. Manchmal wird es hektisch, wenn der Wagen nicht anspringt, und angeschoben werden muss. Es knattert und brummt an allen Ecken. Um 9 Uhr fährt der erste Renner über die Rampe, es ist ein riesiger American La France von 1918 und mit 14500ccm Hubraum. Dahinter folgen Lancia, Chevrolet, Sunbeam, MG, Alfa Romeo, Lagonda, Talbot, Ford, Alvis oder BMW 328. Die Bandbreite der Marken ist riesig und besonders die Epoche der 50er ist gut vertreten. Mehrere Mercedes-Benz 300 SL, Jaguar XK 140 oder Porsche 356 sind dabei. Von denen hat auch das Porsche Museum einige im Gepäck. Dazu noch den 550 Spyder von der Carrera Panamericana pilotiert von Mark Webber oder den „Dreikantschaber“ 356 B 2000 GS Carrera GT von dem nur zwei Stück gebaut wurden. 

Der erste Abschnitt der knapp 400 km langen Tagestour geht über den Sölkpass. Er ist schon ein Klassiker, denn zahlreiche Zuschauer versammeln sich in den Kurven und jubeln den Autos zu. Nur den verwirrten Kühen, die sich auf die Straße verirrt haben, hat wohl niemand Bescheid gesagt. Dass es nicht nur bei den Wertungsprüfungen, sondern auch auf der Strecke manchmal heiß her geht erleben wir hautnah bei der Abfahrt nach Sankt Peter. Als der Dreikantschaber von Timo Bernhard und Tim Schrick vom Porsche Team gefilmt wird und den Verkehr aufhällt, geht es einem Teilnehmer nicht schnell genug. Beim Überholversuch kommt es zu einem Auffahrunfall und der Porsche wird am Heck kaltverformt. Mit Hammer und Klebeband wird später alles notdürftig repariert. Ärgerlich. 

Weiter gehts durchs Lachtal und schließlich über Bad Ausee nach Bad Goisern am Hallstädter See zur späten Mittagspause. Der Magen hängt schon ziemlich tief und das Schnitzelbrötchen von einem der vorherigen Kontrollpunkte tut jetzt gute Dienste. Und einen Kaiserschmarren gibt es dann auch noch.  

Am Nachmittag wird die Strecke wegen der Überschwemmungen der letzten Tage etwas verkürzt, es geht direkt nach Abtenau, über Ramsau nach Schladming. In der Olympia-Stadt ist großer Bahnhof angesagt. Die Fußgängerzone ist vollgepackt mit Menschen die klatschen, rufen, fotografieren, essen oder sich am Champagner oder Eis festhalten. Es ist heiß und wir sind ziemlich geschafft. Unser Hotel ist gleich um die Ecke, deshalb sparen wir uns die Zieleinfahrt in Gröbming und gehen stattdessen eine Runde schwimmen und bereiten uns auf den nächsten Tag vor. Der nennt sich „Marathon“. 

Freitag: Marathon

Start ist heute schon um 8:30h, denn die Strecke ist ca 440 Kilometer lang. Kalkulierte Fahrzeit 10 Stunden und 15 Minuten! Wir fahren auf direktem Weg den ersten Fahrzeugen hinterher und holen sie nach einer Weile ein. In Mariazell ist Mittagsstopp und wieder Riesenspektakel auf dem Dorfplatz. Überall stehen die Oldtimer und versuchen sich irgendwie zum Restart einzureihen. Die Kapelle spielt zu Käsespätzle aus der Bude. Davor parkt ein Ferrari 250 GT SWB California Spyder, ein 275 GTB, Aston Martin DB4, Porsche 356 Carrera GTL Abarth,  BMW 507 oder ein Osca MT4. Rustikal deluxe also. Viel Zeit bleibt uns nicht. Alle 30 Sekunden restartet ein Teilnehmer und wir wollen nicht zu weit nach hinten fallen im Feld. Also gehts weiter. Die Sonne knallt und wir sind froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Die Strecke ist wirklich wunderschön, es gibt lange Passagen ohne viel Dorfgegurke. Man kann es mal richtig fliegen lassen kann. In den grünen Hügeln zwischen Ybbsitz und Waidhofen sieht es aus wie in der Toskana. Auf der gewundenen Straße reihen sich die Autos auf wie Perlen an der Kette. Was für ein Bild!

In Liezen ist dann ein weiterer Stopp. In einem Autohaus werden alle auf den Parkplatz gelotst und müssen in der Hitze auf den Restart warten. Alles ziemlich chaotisch hier, schnell einen Kaffee, aufs Klo und dann nichts wie weg. Das Highlight des Tages ist mit Sicherheit die Wertungsprüfung auf dem Flugplatz Niederöblarn. Der Parcours inklusive Start- und Landebahn ist zweimal in selbstgewähltem Tempo zu durchfahren. Das lässt sich so mancher Teilnehmer nicht entgehen und so blasen die Shelby Cobra, Porsche 911 oder der Maserati A6GCS mit Vollgas über die Strecke und werden mit Applaus belohnt. Es ist schon Abend und das Licht und die Stimmung sind einmalig schön. Mit diesen Bildern im Kopf klinken wir uns aus. Am Samstag ist Finale!


Samstag: Porsche Design Grand Prix von Gröbming

Für den frühen Morgen ist die Bergprüfung Stoderzinken angesagt. Die lassen wir aber aus und schlafen dafür etwas länger. Am Mittag gibt es dann einen Grand Prix auf der Strecke im Zentrum von Gröbming. Den ersten Teil bilden Rennwagen für einen fünfründigen Demolauf. Am Start sind Porsche 907 KH, Dino 206 SP oder mehrere Maserati A6GCS. Während diese die Motoren warmlaufen lassen, werden wir mehrmals von den Flying Bulls mit einer Lockheed P-38 „Lightning“ und einer Chance Vought F4U-4 „Corsair“ im wilden Manöver überflogen. Man weiss garnicht, wohin man schauen soll. Engine Noise Overdosis!

Nach dem Schaulauf dürfen die 227 Rallyeteams nochmal antreten und je eine Runde fahren, um eine Sonderprüfung mit sechs Zwischenzeiten zu absolvieren.

Die Erstplatzierten liegen nur 6 Hundertstel Sekunden oder 6 Wertungspunkte auseinander und somit entscheidet sich hier der Sieg. Am Ende geht er ganz knapp an Fritz Radinger und Thomas Wagner vor dem Ladies-Team Margarita und Magdalena Voglar.

Herzlichen Glückwunsch! 

Fotos: Markus Haub & Susana de Val

Motorworld Rüsselsheim Rhein Main

Es tut sich was in Rüsselsheim. Nachdem das Gelände der alten Opel-Fabrik lange brach lag, vor sich hin gammelte und und aus den vielen Versprechen und Ideen diverser Investoren nichts geworden ist, kommt nun Bewegung in die Bude. 

Im letzten Jahr schon ist das Classic Depot mit einem tollen Garagenkonzept in den Hallen hinter dem F40 Restaurant entstanden und wird derzeit erweitert. Nun legt die Motorworld-Gruppe los und will auf dem 60000qm großen Areal ein komplettes neues Stadtviertel entwickeln. Der industrielle Charm soll erhalten bleiben und Platz für Gewerbe, Gastronomie, Veranstaltungen und auch für ein Hotel bieten. Herzstück soll die „MOTORWELT Manufaktur Rüsselsheim Rhein-Main“ werden, ein Treffpunkt für Oldtimerfans.

Um einen Eindruck von der ganzen Sache zu bekommen, fand am letzten Samstag ein loses Treffen von Porsche Fans in der noch ursprünglich erhaltenen Haupthalle statt. Was für eine Kulisse!

Das Licht fällt diffus durch die Oberlichter ein. Die seitlichen Fenster sind mit Efeu bewachsen, der Holzboden aufgerissen, wellig und ölig und der die Stahlträger haben bald keinen Lack mehr. Patina deluxe also!

Foto: Markus Haub & Susana de Val

Sunset Drive 2021#1

Sunset Drive is back!

Und wie! 

Nachdem wir im letzten Jahr auf die Organisation einer Ausfahrt verzichtet haben, ging es nun wieder los. Die Lage im Land scheint sich stetig zu verbessern und mit Abstand und Respekt haben wir es gewagt, die Community aus dem Mainzer Umland zum Kommen zu bewegen. Und scheinbar war mächtig Druck im Kessel, denn über 20 Karren waren am Start! Sebastién kam mit seinem Lotus sogar extra aus dem Saarland angereist, Respekt!

Treffpunkt war auf dem Parkplatz beim Flugplatz Finthen, ab 18h füllte sich die Stellplätze vor der schäbigen Garage und wer früher kam, konnte länger quatschen. Schatten wurde bevorzugt, es war sommerlich warm! 

Los ging’s um 19h. Knapp zwei Stunden Fahrzeit und 110 Kilometer sollten vor uns liegen, um rechtzeitig zum Sonnenuntergang am Zielpunkt zu sein.

Die Strecke lehnte sich an die ersten beiden Sunset Drives an. Erstmal 30 Kilometer Autobahn Richtung Alzey. Hier konnten sich das durch die vorangegangenen Ampeln auseinandergerissen Feld wieder sammlen. Dann auf die Landstraße zum Kurvenräubern. In Weinheim wurde es schon pittoresk mit Landschaft im Toskana-Style. Der gelbe Raps, die grünen Felder… Mega!

Weitere Wegpunkte waren Oberwiesen, Kriegsfeld, und Gerbach. Dann zurück Richtung Kirchheimbolanden und ins Rheinhessische. In Westhofen ab nach Dittelsheim-Heßloch bis Weinolsheim, wo am Ortsausgang unser Ziel an einem dicken Baum war. 

Die Sonne tat sich etwas schwer, aber dramatische Wolkenformationen sollten uns dafür entschädigen. Das Wetter kann man halt nicht planen. Die Ausfahrt schon. Die nächste wird’s hoffentlich bald geben…Stay tuned!

Fotos: Markus Haub & Susana de Val

Turiner Autosalon 1996

April 1996. Autosalon Turin. Weltpremiere bei Mercedes-Benz. Zwei Jahre zuvor wurde die Studie zum SLK vorgestellt. Und die war ganz heiß. Nun sollte das Serienmodell den Augen der Welt gezeigt werden und dafür haben sich die Schwaben was besonderes einfallen lassen. Auf dem Messestand türmten sich mehrere Container übereinander, einer war mit einer dicken Kette verschlossen. Bei der Pressekonferenz war ganz schon was los und als der Countdown ablief, kam Bud Spencer auf die Bühne, brach die Ketten auf und heraus kam viel Rauch und der brandneue 230 SLK. Was für ein Auftritt! Was für ein Wagen. Er sieht heute noch klasse aus…


Turin war damals noch eine Reise wert und die Italiener trumpften immer fett auf! Zum einen fand sie Messe in Teilen der legendären Fiat Fabrik Lingotto statt, die damals von Renzo Piano aufwändig umbebaut wurde und neue Autos konnte man auf der Rennstrecke auf dem Dach testen. Steilkurve inklusive! Zum anderen gab es jede Menge Konzeptcars. 25 Stück an der Zahl! 

Fiat veranstaltete zum zweiten Mal einen Ideen-Wettbewerb unter den italienischen Carozzieri. Nach Punto 1994 stellte nun der neuvorgestellte Bravo/Brava das Thema. 17 Designvorschläge gab es zu sehen, zehn davon wurden offiziell von FIAT gesponsert.  Vom Centro Stile selber wurde in Zusammenarbeit mit Maggiora der Armadillo gebaut, eine Art vom Gürteltier inspirierter, superaerodynamischer Mini MPV mit 3+2er Sitzanordnung und flexiblem Interior (entworfen von Tancredi de Aguilar). 

Nicht alle kann man aus heutiger Sicht (und eigentlich auch schon damals) als gelungen bezeichnen. Grenzwertig waren sicherlich der ItalDesign Formula Hammer, eine Art offener Buggy. Auch der Pick-Up-Entwurf Bravo Sentiero von Coggiola , das Pininfarina Pärchen Sing e Song oder der Zagato Bravo Bis waren kein Augenschmaus. Interessanter waren da schon der Giannini Bravo Windsurf, der ItalDesign Bravo Legram, der Fioravanti Flair oder auch der Fiat Vuscia von I.DE.A. Institute. Mit Abstand hat mir der Bertone Entwurf am besten gefallen. Der Enduro war eine Kreuzung aus SUV und Coupe und stand in gelb und in einer Rallye-Version am Stand.  

Sehr gelungen war übrigens auch der Pininfarina Eta Beta. Der kleine Stadtwagen bestand aus recycelten Leichtbaumaterialien und hatte symmetrische Flügeltüren und ein ausfahrbares Heckteil zur Vergrößerung des Kofferraums. 

Ebenfalls symmetrische Türen hatte der Fioravanti Nyce auf Fiat Basis. Ein SUV-Pick-Up-Coupe-Mix im Zweiton-Look aus Kunststoff. Auf der Ladefläche haben Surfboards, Fahrräder oder anderes Sportgerät Platz.  

Ghia war damals auch noch da. Der kleine Roadster Saetta machte mit dem „New Edge Design“ den Weg frei für den revolutionären KA, der ein halbes Jahr später erschien. Ausserdem zu sehen gab es den Ghia Ford Alpe, einen 4-türigen Offroader. 

Bei Stola wollte man sich im Prototypenbau-Geschäft etablieren. Man heuerte dazu den sich schon im Ruhestand befundenen Aldo Brovarone an, der Designer, der bei Pininfarina in den 50ern und 60gern für zahlreiche Traumwagen verantwortlich war.  Sein Meisterstück war sicherlich der Ferrari Dino GT Speciale, aus welchem er später -zusammen mit Leonardo Fioravanti – den Dino 206/246 GT entwickelte. Für Stola nun schwang er den Stift, um den extrem gepimpten, um 16cm verbreiterten Barchetta Dedica zu schaffen. Das türkisfarbene Roadster-Modell war fahrbereit und hatte 262 PS unter der Haube. 

Auf der Messe habe ich wohl eher den Blick auf die süße Hostess gerichtet, wie man an dem Foto sieht. Aber Thomas hatte schon immer einen guten Draht zu den Italienern und so kamen sie mit dem Renner zu unserer Pforzheim-Semesterpräsentation im Sommer hochgefahren und haben für große Augen auf dem Parkplatz gesorgt… 

1996 standen einige Highlights der Show aber nicht in der Halle, sondern davor. In einem Zelt reihten sich dicht an dicht die unglaublichsten (italienischen) Concept Cars of all times! Die Turiner Designhäuser machten ihre Schatzkisten auf und heraus kam so Unglaubliches wie der Italdesign Maserati Boomerang (1971/72) oder der Bertone Lancia Statos Zero (1970). Ausserdem der Italdesign Megagamma (1978), Alfa Romeo New York Taxi, (1976), Capsula (1982), Together (1984), Asgard (1988), Columbus (1992), der Bertone Zabrus (1986), Bertone Nivola (1990), Chevrolet Corvair Testudo (1963), Fiat Spunto (1994) und der Lamborghini Marzal (1967). Oder der Pininfarina Jaguar XJS und ein Nash Healey

Ja, so war das damals in Turin. Und gefeiert wurde auch. Und zwar ausgiebig am Flussufer in den Katakomben von Murazzi, wo die Designers Party stattfand. Ziemlich rustikal und leger ging es zu. Legendär Chris Bangle in seine „Olympia Atlanta 1996“ Jogging Anzug oder  der Auftritt von Roberto Giolitos Jazz Band. Kein Auge blieb trocken und getanzt wurde bis spät in die Nacht. 

Fotos: Markus Haub

Autodromo Terramar

In den letzten Jahren wurde ich immer mal gefragt, wie die Fotos mit meinem 964er in der Steilkurve von Terramar zustande gekommen sind. 

Die Sache war so:

Ende der 90er Jahre arbeitete ich im Design Center Europe für den Volkswagen Konzern in Sitges bei Barcelona. Das Studio lag am Ortsrand und nur wenige hundert Meter entfernt von der Rennstrecke. An einen Besuch war aber nicht zu denken. Zum einen war das Gelände völlig verwildert, zum anderen schreckte der Bewohner nicht vor dem Gebrauch der Schusswaffe zurück, falls er Eindringlinge erwischte. Also blieb die Sache für mich ein Mysterium, welches sich erst viele Jahre später lüften sollte.

Das Autodromo Nacional Terramar wurde 1923 nach nur einjähriger Bauzeit eröffnet und war – neben Monza und Brooklands- die dritte permanente Rennstrecke Europas. Zur Premiere fand hier der „Gran Premio d’Espana“ statt und der spanische König Alfons der XIII. bejubelte mit zehntausenden Besuchern den Sieger Albert Diva auf seinem Sunbeam. Die 200 Runden fuhr er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von sagenhaften 155,89 km/h! 

Danach wurde es jedoch stiller und wirtschaftliche Probleme bremsten die Aktivitäten ein. Es fanden nur noch sporadische Rennen mit Motorrädern oder auch mal einem Flugzeug statt. Nach mehreren Besitzerwechseln und kleineren Veranstaltungen in den 50er Jahren wurde das Gelände als Hühnerfarm und für die Landwirtschaft genutzt und verfiel zunehmend in einen Dornröschenschlaf. 

2009 entschieden sich die Besitzer die zwei Kilometer lange Strecke vom Dreck der Jahre zu säubern und wieder befahrbar zu machen. Ein Freund vermittelte mir den Kontakt und ich arrangierte einen Termin. Das war im Juli 2009. Wir stellten und kurz bei der Señora vor, die im Landhaus an der Bahn wohnte und sie ließ und freie Hand. Den ganzen Nachmittag verbrachten wir auf der Strecke, drehten einige Runden und machten Fotos. 

Wie beschrieben ist es ein Oval, eher aber erinnert die Form aber an eine dicke Bohne. Zwei leicht geschwungene Geraden verbinden die Steilkurven. Und die sind richtig krass!  Weitaus steiler als Montlhéry, man kann zu Fuss nicht bis hinauf steigen, am oberen Rand sind es fast 90 Grad. Der größte Teil der Strecke ist noch sehr gut erhalten, aber auf dem flachen Stück gibt es ein paar böse Löcher, die man lieber umfahren sollte. Auf 140 Sachen komme ich am Scheitelpunkt der Kurve. Man hätte im Prinzip noch schneller fahren können, aber das Klackern beim Überfahren der Betonfugen mahnte mich, die Sache nicht zu übertreiben.

In den letzen Jahren gab es immer wieder Pläne, die Strecke zum Leben zu erwecken. Nun endlich sieht es aber aus, als ob dies tatsächlich gelingen könnte. Mit der Gemeinde wurde vor Kurzem ein Abkommen geschlossen, welches die Renovierung der ehemaligen Tribünen, Boxen und Zufahrtswege, sowie eine Begrünung der Innenfläche vorsieht und so zum 100 jährigen Jubiläum 2023 das Gelände wieder für Motorsportveranstaltungen geöffnet und für Besucher zugänglich gemacht werden könnte. 

Mehr Infos und ein paar wunderbare historische Fotos gibt es auf der Webseite von Autodrom-Terramar.

Fotos: Markus Haub und Thomas Sälzle

Den Rundenrekord hielt über 89 Jahre lang der englische Graf Louis Zborowski mit 45,8 Sekunden. Es gab einfach keine Gelegenheit, diesen in all den Jahren zu brechen. Erst 2012 gelang es Carlos Sainz auf einem Audi R8 LSM. Auf holpriger Strecke und spektakulären Sprüngen über einige Asphalterhebungen gelang ihm der Rekord. 42,6 Sekunden. Ein Video dazu gibts hier

TRAX Fahrertraining PEC Hockenheim

Viel ist ja nicht los in diesen Tagen in Sachen Oldtimer-Veranstaltungen. Aber es gibt Lichtblicke. Kerstin und Moritz (flat6high5) sind nicht müde die Porsche-Szene bei Laune zu halten und nach der legendären Fahrt im letzten Jahr zum Großglockner nun dem Wunsch nachzukommen, unsere alten Autos besser im Grenzbereich kennenzulernen. 

So geschehen am letzten Sonntag in Hockenheim. Auf dem Porsche Experience Center kann man schon seit Herbst 2019 auf 170000m2 seinen Porsche unter professioneller Anleitung erfahren. Auf verschiedenen Fahrdynamikflächen werden Übungen abgehalten oder man kann auf der 2,8 km langen Handlingstrecke ein paar Runden drehen. Kunden können hier ihren Neuwagen abholen und gleich mal ein paar Millimeter Gummi auf dem Asphalt liegen lassen. Und wer gerne im Dreck wühlt, kann sich auf den Hügeln der Offroadstrecke verdingen.

9 Uhr war Treffpunkt für den ersten Teil der Gruppe. Nach Kaffee, (Geburtstagskuchen) und Anmeldung bekamen wir im Ausstellungsraum durch die herumstehenden Le Mans Renner schonmal den nötige Respekt eingeflößt. Nicht genug, denn die Mitarbeiter reihten auch noch vor dem Kundenzentrum ihren gesamten Fuhrpark auf. Cayman GT4, 911 Turbo S, GT3 RS und auch noch einen Carrera GT und einen 918 Spyder. Dagegen sahen unsere Möhren recht schmalbrüstig aus.

Eingeteilt waren die 24 Teilnehmer in sechs 4er Gruppen mit je einem Instrukteur, der Anweisungen per Walkie-Talkie gab. Erste Übung: Slalom um die Piloten. Zum Reifen aufwärmen und Öl warmfahren. Weiter ging mit Vollbremsung und Ausweichmanöver. Hier stieg nicht nur einmal Rauch auf. Ohne ABS qualmts halt bissi. Danach konnte man die Pneu auf der Wasserfläche abkühlen.  Es galt ein  imaginäres Hindernis auf nasser Fahrbahn zu umschiffen. Der Spaß war garantiert und das Grinsen breit und die eine oder andere Pirouette inklusive. Nach einer kurzen Pause für Pipi, Kaffee und Austausch des Erlebten ging es an den zweiten Teil: Fahren auf dem Rundkurs. Der ist erstaunlich vielseitig. Zwei lange Geraden werden durch allerlei Kurvenkombinationen verbunden. Es gibt Kuppen und Senken, ein Kreisel ist dem Nürburgring Karussell mit geneigter Fahrbahn nachempfunden. Ein Riesenspaß. 

Nach einem kurzen Essen war für uns leider schon Feierabend, denn die zweite Gruppe durfte auf die Strecke. Gerne wäre ich noch ein paar Runden gefahren! Wir kommen wieder. Bestimmt.

Danke an @flat6high5 für die Organisation!

Danke an Porsche Experience Center für die Durchführung 

Fotos: Markus Haub & Susana de Val

IAA Frankfurt 1989

Die IAA in Frankfurt gab es fast schon ewig. Erst in Berlin oder Hannover, dann ab den 50ern regelmäßig in Frankfurt. 1989 fand sie zum letzten Mal als Messe für PKW und LKW gleichzeitig statt und erzielte einen Besucherrekord mit 1,23 Millionen Personen. 2019 war dann Schluss. Ab diesem Jahr soll sie in verändertem Format in München stattfinden. Wir sind gespannt.


1989 war ich 17 Jahre alt und schon schwer autobegeistert. Mit meinen Freunden Oli und Johannes stürzten wir uns ins Gewühl, stöberten wir die heißesten Sportwagen oder Concept-Cars auf und konnten uns an ihnen nicht satt sehen. Selbst vor fettem Luden-Tuning schreckten wir nicht zurück. Gemballas Porsche oder Koenig Specials Ferrari Testarossa wurden genauso bestaunt wie Lamborghini, De Tomaso oder Lotus.  

Schaue ich meine alten Fotos durch, kann ich an der Anzahl der Aufnahmen gut ablesen, für welche Modelle  ich mich besonders begeistern konnte. 

Ganz oben natürlich die Traumwagen jener Zeit. Der Lamborghini Countach in der letzten Evolutionsstufe „25 Anniversary“ oder der Isdera Imperator. Dodge Viper, Honda NSX, Nissan 300ZX oder der Alfa Romeo SZ .

Der Ferrari 348 hatte Weltpremiere und löste den 328er ab. Er war damals bei der Vorstellung bereits für 6 Jahre ausverkauft! 

Zender stellt nach dem Vision 1, 2 und 3 in diesem Jahr den Fact 4 vor, das erste straßenzugelassene Auto mit Kohlefaserkarosserie, angetrieben von einem V8 Audi Bi-Turbo Motor. 

Design-Studien gab es auch einige zu sehen. VW baute den „Futura“, ein viersitziger, minivanartiger Technologieträger, der schon eine Art Navigationssystem, Verkehrsleitsystem, selbstlenkende Einparkhilfe oder Panoramadach hatte. 

Knaller war jedoch der Porsche Panamericana. Auf Basis des 911 Carrera 4 baute Harm Lagaay und seine Designer einen froschartigen, türkisgrünen Roadster mit Reisverschluss-Verdeck. Auch war das Auto ein Geschenk an Ferry Porsche zum 80sten Geburtstag. Diese -so ist überliefert- war allerdings nicht begeistert und man sollte ihm das Ding schnell aus den Augen schaffen. 

Ein anderes Conceptcar sollte mich auch nachhaltig inspirieren. Der schon 1988 auf dem Turiner Salon vorgestellte Bertone Genesis mit 12-Zylinder Lamborghini Motor  stand nun nochmals in Frankfurt. Riesige Flügeltüren schwenkten mit der halben Windschutzscheibe nach oben. Man saß über dem Vorderrad, gleich neben dem riesigen Motor.

Ebenso stand der Prototyp Ghia Via in Frankfurt. Eine Art viertürige Sportwagen mit extrem kurzem Überhang. Bei SEAT konnte man den von Giugiaro gezeichneten „Proto T“ sehen, der einen Vorgeschmack auf den Toledo gab und Renault zeigte uns nochmal die bereits im Vorjahr präsentierte Allrad-Limousine „Megane” mit Schiebetüren und „Jet Feeling“ und viel Platz im Innenraum. Die Heckscheibe war schiebbar und verwandelte den dreivolumigen Körper so in einen Kombi. Es war Patrick Le Quements erster großer Auftritt als Design Chef und er sollte in den folgenden Jahren mit einer ganzen Reihe von aussergewöhnlichen Concept Cars für Aufregung sorgen und die Messlatte in Sachen Design ganz hoch legen.

Fotos: Markus Haub

Unterwegs im Schnee…

Der Winter hatte in diesen Tagen Deutschland fest im Griff. Es ist bitterkalt und der Schnee bleibt mal eine Weile länger liegen. Wir nutzen die kalten Tage für eine ganze Reihe Ausflüge in die Region.

Einer ging zur Geierlay Brücke in Wörsdorf im Hunsrück. Sie ist mit 360 Länge eine der längsten Hängebrücken in Europa. Ein anderer Ausflug ging zur Keltenwelt am Glauberg in der Nähe von Büdingen. Das Museum ist geschlossen, aber wir machen einen kleinen Spaziergang über die Felder.  Schloss Johannisberg ist auch immer ein schönes Ausflugsziel und bietet einen schönen Rundweg zwischen den Weinreben. Sich ein Highlight war der Besuch des Aussichtsturm Fünfseen bei Boppard am Rhein. Von der obersten Etage in 27,4 Metern Höhe hat man einen schönen Ausblick auf das Rheintal. Sich hier ist an diesem Tag fast niemand und wir können bis direkt zum Turm fahren und ein paar Fotos machen. 

Flashback 1988: Visit Ferrari at Maranello

Die 80er Jahre waren eine besondere Zeit für Ferrari. Die Popkultur liebte den 308, der 288 GTO setzte die Welt in Brand und der F40 hatte eine neue Generation von Superautos inspiriert. Als Kind war ich Mega-Fan der Marke  und die legendären Straßenautos hingen in Form von Postern an den Wänden meines Zimmers.


Im August 1988 starb Enzo Ferrari und im nur einen Monat später stießen Gerhard Berger und Michele Alboreto beim GP von Italien in Monza McLaren mit einem unerwarteten Doppelsieg vom Podium. Es war der einzige Sieg in jenem Jahr und erschien wie der letzte Gruß des Commendatore.

Nur wenige Wochen später war ich mit meinen Eltern in Österreich im Wanderurlaub und eines regnerischen Tages überzeugte ich sie, einen Tagesausflug Italien zu machen. Nicht irgendein Teil Italiens… Maranello! Es war mein größter Wunsch zu sehen, wo die Autos meiner Träume entstehen.

Es war wochentags, also wurde gearbeitet. Als wir das Ortsschild passierten, konnte man schon in der Ferne die Geräusche der F1-Renner hören, die auf der Fiorano-Strecke getestet wurden. Als Pilgerstätte diente das Tor vor der Fabrik. Ein Museum gab es damals noch nicht, nur einen kleinen Ausstellungsraum mit vier Exponaten im Gebäude des Haupteingangs. Davor parkte ein 288 GTO. Plötzlich hob sich die Schranke und ein F40-Testwagen parkte direkt neben mir. Als der Fahrer ausstieg, fragte ich irgendwie, ob ich mich mal reinsetzten darf. Er ließ mich gewähren und ich konnte mein Glück kaum fassen. Ein unbeschreibliches Gefühl, vorsichtig über den breiten Schweller in den Schalensitz zu gleiten und ehrfurchtsvoll das Lenkrad mit dem gelben Emblem zu ergreifen. 

Wir beobachteten noch eine Weile das Geschehen, bevor wir zu einem anderen Werkstor gingen. Hier konnte man etwas mehr auf das Gelände schauen und einige parkende Testarossa und 412er sehen. Die Produktion des F40 war angelaufen und die Wagen wurden vor Auslieferung auf den umliegenden Landstraßen getestet. Ebenso ein 328 GTS oder auch ein 2 Liter Turbo und auf dem Gelände erspähte ich sogar einen von nur zwei gebauten 408 4RM Prototypen, bei welchem damals ein Allradantrieb getestet wurde.

Zum Abschluss stand ein Besuch in einem der beiden riesigen Andenkenläden auf dem Plan. Hier gab es alles, was das Tifosi-Herz begehrte. Bücher, Poster, Modelle, originalen Rennwagenteile und signierten Fotos war dort zu finden. Ich hätte hier eine ganze Woche verbringen können. Das Budget war begrenzt, aber mein Vater kaufte mir einen Ferrari-Schlüsselanhänger, den ich viele Jahre wie einen Schatz in einer Schublade aufbewahrte.

Fast 23 Jahre später wurde einen Traum war, ich kaufte mir einen eigenen Ferrari, einen 308 GT4 von 1977. Und der Schlüsselanhänger hatte so nun endlich den passenden Schlüssel bekommen. 

Und mehr noch. 2018 ist ein weiterer Herzenswunsch in Erfüllung gegangen, an den ich schon nicht mehr geglaubt hatte. Zu unmöglich erschien er mir in all den Jahren. Ich hatte die Gelegenheit an der Feier zum 50 jährigen Jubiläum des Ferrari Dino in Maranello teilzunehmen. Wir konnten mit dem eigenen Wagen über die Rennstrecke von Fiorano fahren, vorbei an dem weissen Haus mit den roten Fensterläden, parkten dann zum Mittagessen im Werk, machten eine Besichtigung und wir konnten das Gelände durch jenes Tor verlassen, an welchem ich 30 Jahre zuvor mit meinen Eltern gestanden hatte, um diese Fotos zu machen.  Was für eine Geschichte! 

Flashback 1993: Pilgerfahrt nach Turin, Bologna und zur Bugatti Fabrik in Campogalliano

Wir werfen einen Blick zurück in die 90er Jahre. Anfang 1993 begann ich mit dem Auto-Design Studium in Pforzheim. Endlich traf ich Gleichgesinnte um meine Leidenschaft zu teilen und mit einigen von ihnen organisierten wir eine unserer ersten Fahrten nach Italien. Da ging es damals noch ab in Sachen Design. Bertone, Ghia, Pininfarina, Giugiaro, Gandini. Das waren die großen Namen! 

Also ab über die Alpen. Jenseits der Grenze wurden die Leitplanken rostig, das Radio empfing Gianna Nannini und den Kaffee musste man mit weichgewordener Lire bezahlen. Unsere Pilgerfahrt ging erst nach Turin, dann weiter nach Bologna zur Motor Show und das unvergessliche Highlight war die Besichtigung der Bugatti Fabrik in Campogalliano, die wir im Vorfeld organisiert hatten! 

Turin

Die Hauptstadt des Piemont ist nicht hübsch im klassischen Sinne und im Winter wirkte sie durch den Nebel noch dreckiger und morbider als sonst. Genau das machte aber auch ihren Charme aus und wir zogen uns die schwere Industrieluft wie Parfüm durch die Nase und ließen uns vom Kopfsteinpflaster in unserem dunkelblauen Uno Diesel auf unserer Stadtrundfahrt der etwas anderen Art ziemlich durchrütteln. Die Route führte uns vorbei am Lingotto-Werk nach Grugliasco, einem Industriegebiet im Westen von Turin.

Hier stand damals der Firmensitz von Carrozzeria Bertone und seiner Produktionsstätte, in welcher Teile oder ganze Autos gebaut wurden. Lancia Stratos, Alfa Romeo Montreal, Fiat 850 Spider, Volvo 780 oder Fiat X1/9. Des weiteren Cabrios für Fiat oder Opel (Kadett, Astra). Als letztes rollte 2005 eine Sonderserie des Mini Cooper vom Band, quasi als Kompensation für das frühzeitige Produktionsende des Motorrollers BMW C1. Fiat kaufte die Fabrik 2012, riss sie ab und baute ein neues Werk für Maserati. Übrig blieb nur ein Teil des Eingangsbereiches mit der Treppe und dem kleinen Vordach. 

Gleich um die Ecke war Pininfarina angesiedelt. Nicht die Designabteilung, sondern das Werk von 1958. Hier rollten einst die Spider Alfa Giulietta, Duetto oder Fiat 124 vom Band. Architektonisch interessanter war aber der Windkanal. Er entstand 1972 als erster in Italien und sollte das Designhaus zu zahlreichen aerodynamischen Prototypen inspirieren. 2009 wurde das Werk verkauft, der Windkanal blieb im Besitz von Pininfarina.

Letzte Station war Italdesign in Moncalieri. Auch hier musste uns das Werkstor als Kultstätte genügen und die Vorstellung, dass hier der Altmeister Giugiaro mit spitzem Bleistift Traumwagen wie den Maserati Bora, den Lotus Esprit oder den BMW M1 wie am Fließband zeichnete. Einige seiner neuesten Entwürfe sollten wir am nächsten Tag auf der Bologna Motorshow sehen können. 

Auf nach Bologna!

Die Messe bot damals jede Menge Renn-Spektakel auf den Freiflächen, sowie die eine oder andere zweitklassige Weltpremiere vom Format eines Citroen ZX Break oder Seat Cordoba. Aber auch das schon damals kontrovers diskutierte Coupé Fiat wurde hier 1993 der Welt gezeigt. Bei Italdesign staunten wir über die aktuellen Konzeptfahrzeuge wie das kleine Stadtauto Biga, den riesigen Columbus, den BMW Nazcar C2 Spider oder der Fiat Lucciola, den Giugiaro dann später als Daewoo Matiz nochmal verbraten hatte. Der Höhepunkt unserer Reise war jedoch Bugatti.

Der Stand auf der Messe mit drei Fahrzeugen (darunter der silberne SS Prototyp S5, der spätere Testwagen für die IMSA Rennserie) war schon der Knaller, aber die Werksbesichtigung am Folgetag sollte das alles noch toppen.

Besuch bei Bugatti

Und so tuckerten wir nach Campogalliano und parkten auf dem Besucherparkplatz. Von dort aus sah man schon den gläsernen Rundbau, in welchem die Büros und das Designstudio untergebracht waren. Im ersten Stock gab es einen offenen Ausstellungsraum für besondere Anlässe. 

Die Fabrik wurde Ende der 80er Jahre in direkter Nachbarschaft zu Lamborghini, Maserati und Ferrari an der Autobahn A22 aus dem Boden gestampft, nachdem Romano Artioli die Namensrechte gekauft und ein kompetentes Team von der Konkurrenz abgeworben hatte. Ab 1991 wurde hier dann der mit einem 3,5-Liter V12 Motor und 550 PS bestückte, 342 km/h schnelle Bugatti EB110 GT gebaut.

Andächtig traten wir ein in die mit weißem Marmor ausgeschlagene Eingangshalle und warteten bis ein Mitarbeiter uns freundlich empfing. Mit ihm starteten wir die Tour und gingen vorbei am Herz der Fabrik,  einem blaue Kubus mit einem riesigen Bugatti Logo und weißen Lüftungsrohren. Es war die Test- und Entwicklungsabteilung für Motoren und beherbergte einen damals einzigartigen Allrad-Rollenprüfstand. 

Weiter ging’s zur Montagehalle. In die Betonwände an den Außenmauern war überdimensional groß das „EB“ Logo eingelassen, die seitlichen Fenster gingen bis zum Boden und ließen Tageslicht ins Innere scheinen. Man spürte die Liebe zum Detail, die diese Fabrik zu einem Gesamtkunstwerk machte.

Im Inneren der ca 5000m2 großen Haupthalle bekamen wir einen Einblick in die Endmontage der Boliden. Man könnte hier vom Boden essen, dachte ich. Alles war blitzblank, total aufgeräumt und in Kisten geordnet. An der Decke hingen großformatige Seitenansichten alter Bugatti Modelle. Die fast fertig gebauten EB110 waren meist blau, silber oder schwarz. Wir bekamen auch einen gelben gezeigt. Ihn soll Michael Schumacher bestellt haben, der einzige „SS“ Supersport mit einem  luxuriöseren GT-Interior. Wahrscheinlicher ist es aber – wie ich vor ein paar Tagen in einem Gespräch mit dem Bugatti Experten Johann Petit erfahren habe – dass es sich auf dem Foto um den Produktionsstart der allerersten EB110 SS Modelle handelt. Die ersten drei davon gingen in silber, schwarz und gelb an den Sultan von Brunei. Der vierte in blau an einen Kunden in Spanien. Schumachers SS wurde erst Ende April 1994 feierlich übergeben. Nach einer Testfahrt für Auto Bild hatte er sich zum Kauf entschlossen und eine Bestellung aufgegeben.

Zwischen einigen Kohlefaser-Fahrgestellen und fertigen Autos stand zu unserer Verwunderung ein Suzuki Cappuccino, ein 3,3  Meter kurzer rechtsgesteuerter Kei-Car-Roadster aus Japan, der eigentlich erst im Folgejahr in einer sehr kleinen Anzahl nach Europa kam. Warum weiß ich nicht mehr, aber es hatte sicherlich damit zu tun, dass Romano Artioli seit den 80er Jahren Italiens größter Importeur für japanische Autos war, allen voran Suzuki. Auch betrieb er den größten Ferrari Händlerstützpunkt und bediente u.a. den norditalienischen und süddeutschen Markt. Im Prinzip finanzierte er mit diesem Handelsimperium die Ausgaben für Bugatti und auch den Kauf von Lotus. Doch das Kapital schmolz dahin, als sich die weltweite Finanzkrise ausbreitet und ihm auch intern einige Knüppel zwischen die Beine geschmissen wurden. Im September 1995 war Schluss und das Unternehmen meldete Konkurs an.

Insgesamt wurden 96 EB110 GT und 34 SS Versionen gebaut. Die bereits fertig entwickelte, von Giugiaro entworfene Limousine EB112, die in Genf 1993 als Prototyp gezeigt wurde, sah nie das Licht der Welt. 

Das 7 Hektar große Gelände ist seit dem verlassen, das Inventar wurde weitgehend versteigert. Zurückgeblieben ist, was scheinbar keinen Wert hatte oder nicht von den Wänden abmontierbar war. So zeugen heute noch zwei große Wandfresken in der Kantine von den glanzvollen Zeiten, als die 200 Mitarbeiter gemeinsam leckere Pasta von weißem Porzellan mit dem Firmenlogo aßen. 

Als der Volkswagen Konzern Bugatti 1998 kaufte, hatte man an der Fabrik kein Interesse, ja hat über lange Jahre hinweg diesen Teil der Geschichte sogar verschwiegen und nicht mal mit dem Arsch angeschaut. Kein Hinweis auf der Webseite, nichts. Erst in letzter Zeit wanzte man sich – wohl in Ermangelung an noch nicht besetzten Themen- an die Artioli-Zeit an und baute den Centodieci, eine Hommage an den EB110. Die verfallene Fabrik diente als morbide Fotokulisse. 

Fotos und Text: Markus Haub

Der Artikel ist ebenfalls auf deutsch und englisch bei den Kollegen von Classicdriver erschienen. Hier der link!

Das Mini Jahr 2020

2020 war ich richtig viel mit dem Mini unterwegs. Keine große Tour oder Rallye, aber viel im Alltag. Besorgungen, Baumarkt, einkaufen. Der Corona Sommer verlangte uns viel ab, aber verwöhnte uns mit tollem Wetter und kaum Regen. Beste Verhältnisse also für den kleinen Briten mit 34 PS…

Nachtflohmarkt

Ein Highlight war gleich im Februar die Teilnahme am Nachtflohmarkt im alten Postlager in Mainz gleich hinter dem Bahnhof. Wir karrten im Mini all unsere Kunst und Krempel direkt vor Ort und konnten ihn als Deko in der Halle stehen lassen. Das war ein Hingucker und wir hätten gerne an weiteren Ausgaben teilgenommen. Aber die Pandemie machte dem Plan einen Strich durch die Rechnung und die Folgeausgaben wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Vielleicht in diesem Jahr wieder…

Der neue Dachgepäckträger

Im März dann bekam 850er dann einen Dachgepäckträger. Ich hatte ihn in England bei Mister Bridger’s Retro Roof Racks bestellt und er wurde extra für den Mini angefertigt. Die Montage war ziemlich einfach und man kann ganz schön was draufpacken. Die erste Ausfahrt ging zu einem Spaziergang auf den rheinhessischen Petersberg. Im März war es dort noch ziemlich frisch.

Über den Sommer hinweg haben wir unser Haus zum Studio H49 umgebaut und auch den Garten auf Vordermann gebracht. Zigmalige Baumarkt-Besuche haben wir mit dem Mini erledigt und ihn manchmal tanzschön vollgepackt. Rindenmulch und Bambuspflanzen. Immer hat alles reingepasst. Und für dieganz langen Sachen hatten wir ja nun den Gepäckträger. So waren auch die Holzdielen für die neue Terrasse kein Problem.

An so manchem Wochenende waren wir in den Industriegebieten unterwegs und haben ein paar schicke Fotos gemacht. Überhaupt hat uns der Kleine Kastenwagen viel Freude gemacht. Irgendwann ist dann die Tachowelle gebrochen und auch die Ölwarndrucklampe ging immer an. Kleinkram, der mal wieder ein Grund war, in die Werkstatt zu Erik Schulte nach Rüsselsheim zu fahren. Der hat dann gleich eine Inspektion drausgemacht und jetzt ist der Flitzer schon fit für das neue Jahr. Wir freuen uns!

Jahresendhighlight war dann noch der Weihnachtsbaumkauf im Baumarkt. Ein extraschönes Exemplar von knapp 2,50 Meter länge war schnell ausgesucht und auf dem Dach verzurrt. Ab ging’s nach Hause.

Unterwegs im 964

Es ist Winter und da kommt eher mal der Carrera 4 zum Einsatz. Mein Zwillingsbruder hat auch einen und so haben wir uns mal in Mainz für ein paar Fotos getroffen. Erst ins neue Parkhaus am Zollhafen und dann noch nach Mombach ins Industriegebiet. Da ist am Sonntag niemand und es gibt ein paar schöne Motive…

Rückspiegel: Michalak Cilindro 1989 & Conciso 1993

1989 sorgte der Designer und Prototypenbauer Bernd Michalak auf der IAA in Frankfurt mit einem radikalen Roadster für Aufsehen.

Nur sechs Wochen vor Ausstellungsbeginn bekam er von der Messegesellschaft die Nachricht, eine größere Standfläche zur Verfügung zu haben und entschloss sich deshalb nicht nur den Strandwagen „Topino“ mit Anhänger auf Opel Corsa Basis zu zeigen, sondern auch einen lang gehegten Wunsch umzusetzen: einen puristischen Renner nach Vorbild des Lotus Super 7. Modern, minimal, flach, ohne Türen und mit teilweise freistehenden Rädern sollte er sein und auf einem Ferrari basieren. 

Michalak kommt heute noch ins schwärmen, wenn er von dem Projekt erzählt. „In Maßstabsmodellen haben wir verschiedenen Lösungen angedacht und ausprobiert. Irgendwann kam als Design-Idee ein durchgehender Zylinder ins Gespräch und wurde schnell mit einer Pappröhre umgesetzt. Wir sahen, daß sich damit lenken und auch einfedern ließ. Dann war klar, dass wir das so machen werden!“ Ein befreundeter Designer wurde damals zur Kritik eingeladen. Seiner Meinung nach war die Lösung formal nicht ideal, sie würde aber im Gedächtnis bleiben. Für die 3D-Visitenkarte eines Modellbaubetriebs also ideal! Die Fertigung des 1:1 Hartschaum-Modells erfolgte mit den damals verfügbaren Mitteln. Vom kleinen Modell wurden Schablonen abgenommen und auf 1:1 vergrößert. CAD und CNC Technologie gab es noch nicht. Für die Reifen wurde eigens ein Profil ausgedacht, welches von der Dunlop Rennabteilung umgesetzt wurde. Als technische Basis diente ein einfacher Rohrrahmen mit Querlenkern und einer Lenkung. Der Cilindro wurde mit großem Erfolg in Frankfurt und im darauf folgenden Jahr auf dem Genfer Autosalon gezeigt und Michalak konnte so seinen Modellbau Schwerpunkt in Richtung Exterior erweitern und internationalere Kunden gewinnen.

1993 folgt dann der Conciso

Doch das Modell des Cilindro war nicht fahrbereit und so wurde für die IAA 1993 eine Weiterentwicklung präsentiert: Der Conciso getaufte Wagen baute nun auf einem Ferrari 328 auf. Das Grundkonzept ist geblieben, aber die Idee der mitlenkenden Kotflügel mussten aufgegeben werden, da die Lösung nicht mit der Lenkgeometrie des Ferrari Chassis funktionierte.

Nach einem 1:5 Modell wurde in Italien die Aluminiumkarosserie geschneidert, das Interior wurde aus Fiberglas in den Werkstätten in Mainz gefertigt. Mit seinen 270 PS und einem Gewicht von nur 982kg  fing mit der nur 93cm hohen Flunder der Spaß dort an, wo er bei anderen Sportwagen aufhörte. Empfehlenswert war es, die Helme zu tragen, die in den extra in den Seitenverkleidungen integrierten Fächern verstaut waren.

Was der Prototyp zu leisten vermag, wurde noch vor der Messe bei Fahrtests auf dem Hockenheimring unter Beweis gestellt. Das Design wurde damals mit dem zweiten Platz bei den Eurosign Design Awards prämiert, hinter dem Bertone Blitz.

Testfahrt auf dem Hockenheimring

IAA Frankfurt 1993

Ich erinnere mich noch daran, den Conciso auf der IAA in Frankfurt gesehen zu haben und mich mit Bernd Michalak und seiner Frau unterhalten zu haben. Ich studierte damals schon in Pforzheim und war auf der Suche nach einem Praktikumsplatz im Designbereich. Freilich hätte ich mir damals nicht träumen lassen, dass sich durch einen Zufall 18 Jahre später unsere Wege wieder kreuzten. Ich konnte 2011 seinen privaten Ferrari 308 GT4 kaufen, den er 1988 erstand und von 1989 über fast zehn Jahre hinweg restauriert hatte und nun schweren Herzens abgab.

Der Conciso heute:

Nachdem der Conciso auch auf dem Genfer Autosalon 1994 gezeigt wurde, ist er nach Kanada verkauft worden, kam 1998 nach Europa zurück und wurde 2018 an einen Amerikaner versteigert. Zu großer Berühmtheit gelang er schließlich in einer Episode in „Jay Leno’s Garage“. Das Video gibts hier: Jay Leno’s Garage

Fotos: Bernd Michalak

Fotos IAA 1993: Markus Haub

Fotos mit Jay Leno: Jay Leno’s Garage

GT4 Fotoshooting in Frankfurt

Es ist November. Die Tage sind recht kurz, aber man kann doch noch die ein oder andere kleine Ausfahrt machen. An die Mosel oder durch Rheingau oder Rheinhessen zum Beispiel. Diesmal geht es aber in den Osten von Frankfurt auf der Suche nach einer coolen Location. Zwischen alten Lagerhallen haben wir einen tollen Spot gefunden. In der Dämmerung dann noch zur Osthafenbrücke und ne Runde um den Block. Das geht immer …

Fotos: Markus Haub & Susana de Val

911 Moselfahrt

Das Wetter zeigt sich in diesen Tagen von der allerschönsten Sorte und deshalb machen wir uns mal auf zur Mosel. Hier haben sich die Weinreben ihr Herbstkleid angezogen und leuchten in knalligem gelb. 

Wir fahren zunächst Richtung Bad Kreuznach, an der Nahe entlang Richtung Idar-Oberstein. Vorher biegen wir ab auf die Landstrasse Richtung Bernkastel-Kues, welches idyllisch an der Mosel liegt. Wir fahren durch die Weinbergwege bis nach oben zu einem Aussichtspunkt und genießen den Blick in die Kulturlandschaft und das prächtige Farbenspiel in der tief stehenden Sonne. 

Zum Kaffeetrinken machen wir einen kurzen Abstecher zum Zylinderhaus, ein Automuseum mit über 100 Exponaten und angrenzendem Restaurant. Der perfekter Zielpunkt für eine Oldieausfahrt. Hier kommen wir bestimmt demnächst mal wieder hin. 

Dino Register Deutschland Herbstausfahrt

Die Zeiten für Oldtimerveranstaltungen sind schwierig und nachdem schon das Dino Register Frühjahrstreffen abgesagt werden musste, war es lange gar nicht klar, ob eine Mitgliederversammlung im Herbst möglich sein würde. Diese werden von langer Hand geplant, mit viel Engagement und Akribie  vorbereitet. 

Aber es hat geklappt! Julia und Thomas Kraeker haben das Wochenende für uns vorbereitet und es sind bis auf einige wenige Absagen tatsächlich 24 Autos und knapp 50 Leute zusammen gekommen. Der schlechten Wettervorhersage zum trotz.  Freilich hat sie den einen oder anderen dazu bewogen, auf ein regensichereres, moderneres Fremdfabrikat auszuweichen. Das gibt natürlich krasse Abzüge auf dem Club-Mitgliedskonto. 

Treffen war auf der Achalm, hoch über Reutlingen gelegen. Am Freitag Abend begann das Beisammensein, wir kamen etwas verspätet, aber gerade noch rechtzeitig zum Essen. Die Anreise aus Südtirol , Staus und Schneegestöber auf dem Fernpass hatte uns in Zeitverzug gebracht. 

Der Abend verläuft unterhaltsam und es ist schön bekannte Gesichter wiederzusehen und neue Leute kennenzulernen. Irgendwann läutet die letzte Runde und am nächsten Morgen geht es früh raus. Also Batterien schonen und ab in die Heia.

Um 8:15h schon ist Begrüßung und kurze Einweisung in den bevorstehenden Tag. Fehler im Roadbook werden korrigiert, die 4 Etappen kurz beschrieben und uns auf knapp 300 Kilometer Strecke eingeschworen. Abfahrt 8:30 Uhr. Die Motoren starten, die Garage bebt. Es Wetter ist mäßig bis beschissen, es regnet, die Strecke dafür umso schöner. Wir fahren über die Schwäbische Alb Richtung Nord-Osten. Eningen, Metzingen, Erkenbrechtsweiler… hoch und runter bis zur Kaffeepause im Sulzburghof in Lenningen. 

Bis zur Mittagspause sind es weitere 61 Kilometer Richtung Süden. Am Großen Lauertal steht der „Hinweis leise und langsam“ zu fahren. Machen wir natürlich.

Ziel ist Zwiefalten, wo wir erst im Klosterbräu Restaurant bewirtet werden (lecker Maultaschen) und dann vom Pfarrer höchstpersönlich eine kurze Führung durch das barocke Münster bekommen. Er erzählt uns die über 1000 jahrige Geschichte und wie man in Corona Zeiten an Besucher kommen muss. Vom bayerischen Fernsehen und vier „Hochzeiten und eine Traumreise“, die hier gedreht wurde und  von Herrn Kretschmann, der mal zu Besuch war. Der Gottesmann ist kaum zu stoppen.

Aber die Zeit drängt und wir müssen weiter. Nun ins Donautal bis Beuron, wo eine weitere – dringend benötigte- Kaffeepause geplant ist. Mir stecken die letzten Tage noch in den Knochen und ein Koffein-Shot ist eine prima Idee. 

Im Cafe Drahtesel werden wir von einer Schar junger Damen umsorgt und auch mit lecker  Kuchen ausgestattet.

Der vierte Abschnitt geht 88 Kilometer über den Lochenpass. 888 m über dem Meer gelegen kann man es etwas fliegen lassen. Auf dem anschließenden Autobahnstück B27 sollte man aber auf die unzähligen Blitzern schauen, die alle im Roadbook verzeichnet waren. 

Geschafft vom Tag kommen wir im Hotel an und haben noch etwas Gelegenheit zum Ausspannen, bevor um 19:00h die Sektkorken für unseren Clubabend knallen. Leider nicht auf der Terrasse, sondern drinnen. Petrus ist kein Dinofahrer.

Eine schöne Tradition ist der Gabentisch mit Ersatzteilen, Zubehör oder Literatur. Hier kann man durchaus das eine oder andere Schnäppchen finden, um seinen Dino aufzuwerten oder zu reparieren. Auch werden die aktuellen Themen und Termine diskutiert. Die Frühjahrsausfahrt soll aufgrund der unvorhersehbaren Lage im nächsten Jahr ausfallen. Für die Herbstaufahrt 2021 dürfen wir aber hoffen. Es soll ins Elsass gehen. Das Technikseminar wird im November stattfinden. Es wird mal wieder spät, bei einigen anderen noch später. Aber das ist ja auch Sinn der Sache. So oft sieht man sich ja nicht. 

Sonntag

Am Sonntag lassen und Julia und Thomas uns eine Stunde länger schlafen. Einen halben Tag haben wir noch Programm. Die Sonne kommt aus raus und so steigt die Laune gleich mal auf 10! Die schöne Strecke geht zur Ritter Sport, dem quadratischen Schokoladenfabrikanten und Kunstsammler. 

Wir decken uns im Shop für ein ganzes Jahr mit Süßzeug ein. Dann trennen sich die Wege. Einige fahren noch zum gemeinsamen Mittagessen in die Motorworld nach Böblingen, wir fahren direkt nach Mainz und müssen erstmal Wäsche waschen. Die geht nach zwei Wochen dann doch zur Neige und mehr hat einfach nicht in den Kofferraum unseres GT4 gepasst. 

Dino Register Deutschland

Text und Fotos : Markus Haub & Susana de Val

Alpenfahrt 4.0

14 Tage, 16 Pässe und 3000 Kilometer durch die Alpen.

Der Spät-Sommer zeigte sich noch mal von der schönsten Seite, aber auch der Winter kam plötzlich hereingebrochen. Alles war dabei auf unserer Alpenfahrt 4.0. Zwei Wochen waren wir in der Schweiz und Italien unterwegs, 16 Pässe haben wir überquert und sind knapp 3000 Kilometer gefahren. 

Montag: von Mainz ins Emmental

Auf ins Emmental. Wir besuchen an ersten Tag unseren Freund Ufert von Gannetdesign im Tal mit dem Loch-Käse. Ein entspannter Abend und schöner Einstieg in unsere Alpen-Reise. Diesmal haben wir nicht ganz so stramme Touren geplant, wir wollen etwas relaxen nach den anstrengenden Sommermonaten.

Dienstag: Vom Emmental zum Grimsel

Über die Landstraße führt uns die Strecke in Richtung Luzern. Am Vierwaldstätter See entlang, hindurch durch endlose Tunnels, bis nach Altdorf, von wo ab man zum Klausenpass hochfährt. Hier fanden zwischen 1922 und 1936 Bergrennen für Autos und Motorräder statt, in den 90er Jahren wurde die Sache wiederbelebt und sporadisch als Memorial Veranstaltung bis 2013 weitergeführt. Wir wollten mal mit eigenen Augen sehen, wo einst Rudolf Caracciola 1934 mit seinem Mercedes W25 in einer Zeit von nur gut 15 Minuten den Streckenrekord für den 21,5 Kilometer langen Abschnitt bis zur Passhöhe aufstellte. 

Nach einer Mittagsrast geht es wieder ins Tal. Den selben Weg zurück, dann Richtung Gotthard. Vorher aber rechts ab auf den Furkapass. Diesen haben wir schon öfter befahren. Jedes mal ein Highlight. Auf den Spuren von James Bonds Goldfinger finden wir einen kleinen Parkplatz am Straßenrand. Hier steht tatsächlich ein Schild „James Bond Street“. Kurz darauf hällt  ein schwarzer Kleinbus neben uns aus dem eine Gruppe Vietnamesen aus Berlin sprang. Mit Freunden und Fotograf feiern sie eine bevorstehende Hochzeit und reisen durch die Schweiz. Unseren Ferrari finden sie prima und fragen, ob sie ihn als Fotomodell benutzen dürfen. Reinsetzen, draufsitzen, alles. Am Schluss wurden noch die Luis Vuitton Koffer und Handtaschen rausgeholt und perfekt fürs Foto drappiert. Sehr lustig das! 

Wir reißen uns los und fahren weiter der Sonne entgegen, machen am Belvedere Hotel noch ein Foto, dann den Pass hinunter und den benachbarten Grimselpass rauf. Es ist gegen 18h und schon weniger Verkehr. Die Strecke ist perfekt. Ankunft am Grimselhospiz, wo wir erstmal zwei Nächte bleiben. 

Mittwoch: Feuer, Eis und Dynamit 

Geweckt wird man hier oben mit einem Warnton und anschließender Sprengung. Am Grimsel wird nämlich heftig gebaut. Eine neue Ersatz-Staumauer ersetzt den Spitalldamm, der sanierungsbedürftig geworden ist. Im Jahr 2025 soll der Bau abgeschlossen sein. Derzeit wird tief unten im Loch der Fels für das Fundament abgetragen. Das alles kann man sich bei einer Führung erklären lassen und von der Aussichtsplattform besichtigen.

Gegen Mittag fahren wir los. Heute steht nur eine kleine Tour auf dem Programm. Den Grimselpass runter und den Furka wieder hoch. Für mich sind diese beiden Pässe in Kombination die fahrerisch schönste Strecke der Alpen überhaupt! Sanfte Kurven wechseln sich mit Haarnadeln ab. Immer ist der Blick fantastisch. Ziel ist das Hotel Belvedere.  Die Filmkulisse für James Bond und einstige Luxus-Absteige der Hotvolee ist seit ein paar Jahren geschlossen. 

Gegenüber ist der Einstieg zum Rhone-Gletscher. Reichte dieser noch im 19. und 20. Jahrhundert bis hinunter nach Gletsch und bescherte dem Tal reichen Touristenbesuch, ist er nun dank Klimawandel heftig auf dem Rückzug und bis 2100 ganz verschwunden. Wir lösen ein Ticket für die Eisgrotte, ein ca 200 Meter langer Tunnel in den Gletscher. Er wird mit weißen Tüchern abgedeckt, um die Schmelze zu verlangsamen. Im Innern ist man tatsächlich von blauem Eis umgeben und fühlt sich wie der Ötzi. 

Am Nachmittag fahren wir zurück ins Grimsel Hotel und nutzen den Tag zur Auffahrt mit der Sidelhornbahn. Sie wird im Eigenbetrieb bewegt. Das heißt, man setzt sich rein und startet sie per Knopfdruck. Ein kleines Abenteuer, welches mit atemberaubenden Blick über den See und die Passstraße belohnt wird. Sonnenuntergang inklusive.

Donnerstag: Vom Grimsel nach Sankt Moritz

Wir starten heute etwas früher, die Sonne scheint und es geht auf nach Sankt Moritz. Mehrere Routen stehen zur Auswahl. Wir entscheiden uns für die wohl schönste, aber nicht die schnellste. 

Über den Nufenen, der mit 2478m höchstgelegene komplett in der Schweiz gelegene Pass verbindet den Kanton Wallis mit dem Tessin und führt Richtung Ariolo. Hier fahren wir die alte Tremola Gotthard Straße hinauf. Als wir hier vor drei Jahren gewesen sind (link) versank alles im Nebel. Heute nicht so. Strahlend blauer Himmel begleitet uns. Es geht bergab nach Andermatt, dann weiter über den Oberalp-Pass nach Flims, dann ein Stück die Autobahn, nach Albula und hier auf den Julierpass. Vorbei am Theater, diesen unwirklichen Turm, der hier 2017 errichtet wurde und irgendwann wieder abgebaut werden soll. 

Hinab nach Sankt Moritz, wo an diesem Wochenende das Bernina Gran Turismo Bergrennen stattfindet, den wir fotografisch begleiten. Hierzu haben wir HIER einen extra Artikel veröffentlicht. 

Am Nachmittag fahren wir schon mal die Strecke ab und schauen, wo in den nächsten Tagen das Spektakel stattfinden wird. 

Am frühen Abend erreichen wir unser Hotel. Das Castell in Zuoz, in dem wir letztes Jahr nach unserer SICK ALPS Tour schon mal Rast gemacht haben und die Verbindung aus Kunst und Gastfreundschaft sehr geschätzt haben.

Für 19h haben wir uns das Saunahäuschen reserviert, welches hinter dem Hotel gelegen ist. Man kann es rund um die Uhr buchen. Der Bademeister hat es gut gemeint und es auf 130 Grad aufgeheizt! Also erstmal Türchen auf und entlüften. 

Sonntag: Auf nach Südtirol

Die beiden Tage Bernina Gran Turismo (link) waren schlicht fantastisch. Schweren Herzens verlassen das Engadin und das Hotel Castell. Zu schön war unser Aufenthalt, zu lecker das Essen…

Unser Ziel ist heute Südtirol. Highlight soll der Stelvio sein. Es geht Richtung Zernez, dann über den Ofenpass und schließlich den Umbrail Pass rauf. Dieser führt hin zum Stilfser Joch auf 2757 Meter. Das Wetter ist gemischt. Wolken, Nebel, Sonne. Wir warten auf ein paar Löcher in den Wolken, die den Blick auf die Kurven freigeben. Weiter unten beginnt es schließlich zu regnen. Uns ist’s egal, wir essen noch was lecker und fahren nach Meran.

Hier wird der Verkehr immer dichter. Fast jedes zweite Auto hat deutsches Kennzeichen. Gemischt mit den schmalen Deutz-Treckern, die die beginnende Apfelernte abtransportieren ansteht ein ellenlanger Stau. Erst auf der Autobahn Richtung Bozen läuft es wieder. Die Sonne scheint und wir erreichen die Landeshauptstadt im Nu. Wir müssen noch hinauf nach Jenesien. Man kann dahin in 8 Minuten mit einer Gondel gelangen. Besser ist aber die Straße. Sie ist spektakulär, führt steil an und auf halber Höhe über eine 360 Grad Kurve, gefolgt von einem 180 Grad Tunnel. Kurz darauf noch ein 270 Grad Tunnel. Sowas habe ich nicht nicht erlebt. 

Auf 1100 Meter Höhe erreichen wir unser Hotel SALTUS . Es hat erst letztes Jahr eröffnet und verschreibt sich dem langsamen und gesunden Genuss. Eigentlich ein Anbau des älteren Haupthauses hat man aus der Not eine Tugend gemacht und in den Wald gebaut. Das wurde zum Konzept und entstanden ist ein Ort der Ruhe und Entspannung mit viel Holz und möbliert mit nordischen und antikem Interieur.  

Montag: Sella-Runde

Heute steht die große Pässetour an. Wir fahren durchs Grödnertal zum Campolongopass (1875m), dann weiter nach Arabba, das Pordoijoch (2289m) hoch und dann zum Sellajaoch (2218m). Die Runde hatte ich ja letzten September schon mal mit dem Porsche gedreht (link) , aber in anderer Ausführung. Immer wieder ein Traum. Um nicht dieselbe Strecke zurückzufahren, wählen wir die Route über Canazei und den Nigerpass unterhalb des Rosengartenmassivs. Er ist mit 1690 Metern eher unspektakulär und bringt uns zurück nach Bozen. 

Dienstag: Wandertag

Um den Arsch mal hochzukriegen steht heute ein Wandertag an. Direkt vom Hotel geht ein Weg ab, der hinauf auf das größte Lärchenhochplateau Europas führt. Hier weiden bis in den Herbst Rinder und auch größere Gruppen von Haflinger-Pferden. 

Mittwoch: Nur ein Sprung zur Seiser Alm

Es regnet und wir lassen es dementsprechend ruhig angehen. Bis Mittag lungern wir im Hotel rum. Nicht schlimm, denn heute haben wir nur eine kurze Strecke zum nächsten Ziel zu fahren. Die Seiser Alm. Sie ist die größte Hochebene Europas und ist verkehrsberuhigt. D.h. man kann nur mit Genehmigung hineinfahren. Die haben wir vom Hotel Tirler Dolomites Living im voraus bekommen. Es liegt auf 1750 m Höhe, eingebettet in Berge und grüne Wiesen. Die Gäste der nur 28 Zimmer teilen sich den Pool und Spa-Bereich, indem gegen Abend schon nichts mehr los ist. Super ist die Heusauna oder der Jacuzzi auf dem Dach. 

Zum Essen geht man in die  gegenüberliegenden Tiroler Alm. In beiden Häusern ist Luis Trenker allgegenwärtig. Der Hotelchef ist großer Fan, hat Fotos, Requisiten und Annektoten zusammengetragen, um dem Bergfilmpionier, Schauspieler, Schriftsteller und Maler, der 1995 verstarb einen Ort des Gedenkens zu widmen. Sogar einen Shop mit Trenker Kollektion gibt es. 

Donnerstag: Wandertag

Die Seiser Alm ist ein Wanderparadies und so können wir nicht anders, als uns auch die bequemen Schuhe anzuziehen und uns eine schöne Route auszusuchen, bzw uns von der netten Dame an der Rezeption vorschlagen zu lassen. Den ganzen Tag sind wir so unterwegs, Kaffeepause im Berghaus Zallinger, weiter zur Mittagspause in die Plattenkofelhütte auf 2300 Meter. Den Höhenweg entlang und vorbei an unzähligen Kühen und Pferden. Kuchenpause in der Mahlknechthütte und als der Regen einsetzt zurück im Hotel und ab ins Dampfbad. 

Freitag: Auf zum Dino Treffen

Für das Wochenende steht das von langer Hand geplante Herbststreffen des Dino Register Deutschland in Reutlingen an für welches wir uns angemeldet haben. 

Wir kommen im Hotel in Südtirol erst spät los, es regnet wieder und soll sogar Schnee geben. Der Herbst ist da. Also nix wie weg. Aber die 430 Kilometer wollen gefahren sein. Und das ist heute schwierig. Verkehr und Stau ohne Ende, schon auf dem Brenner ist es wahnsinnig voll. Alles knüllt sich vor der Mautstation. Auf dem Fernpass fängt es an wie wild zu schneien. Das hat gerade noch gefehlt. In Deutschland geht es dann. Nach dem letzten Stau in Ulm kommen wir am Abend etwas erschöpft an, um die anderen Teilnehmer noch zum Abendessen zu treffen. 

Einen extra Artikel gibt es hier.

Nach zwei Wochen und knapp 3000 Kilometern kommen wir wieder in Mainz an. Leer ist der Tank und voll der Kopf mit unzähligen Impressionen aus der Wunderwelt der Berge. Man kann nicht genug davon bekommen und vielleicht fahren wir ja bald noch mal hin… 

Fotos und Text: Markus Haub & Susana de Val

Bernina Gran Turismo 2020

Die Gegend um Sankt Moritz ist ein Traum und wir geschaffen für eine Oldtimerveranstaltung wie den Bernina Gran Turismo. Erdacht von einer Gruppe Enthusiasten aus dem Engadin, welche die Tradition der Bergrennen der 20er und 30er Jahre wieder aufleben lassen wollten. Wo damals Hans Stuck oder Luis Chiron ihren Austro Daimler oder Bugatti T47 die Berge auf Schotterpisten hochprügelten, sollen nun endlich wieder Rennen gefahren werden. Und zwar richtig! 

Schon in der Regularitätswertung geht es ganz schön zur Sache, aber in der Rennklasse brennt der Asphalt! Die von damaligen 16,5 auf nunmehr 5,7 Kilometer verkürzte Strecke führt vom Start in La Rösa bis zur Passhöhe beim Ospizio Bernina. Zwei Tage lang wird sie dafür (mit kurzer Unterbrechung am Mittag und in der Nacht ) abgesperrt. 

Freitag: Technische Abnahme

Das ganze Spektakel beginnt bereits am Freitag, wenn sich die 80 Teilnehmer am mondänen Hotel Kempinski Des Bains sammeln, um die technische Abnahme vorzunehmen. Coronabedingt sind dieses Jahr keine Zuschauer erlaubt. Das schmerzt nicht nur den Veranstalter, der eigentlich allen den Zugang zu den Rennwagen ermöglichen möchte. Aber diesmal geht es nicht anders und auf Werbung wurde auch weitestgehend verzichtet, um nicht unnötig Besucher anzuziehen. Nur 300 Personen dürfen aufs Gelände. Fahrer, Beifahrer und Teams, dazu ein paar Fotografen. Ein rotes oder grünes Bändchen identifiziert und verschafft Eintritt in die Welt aus altem Blech und gediegenem Luxus. 

Die vom Oberinspektor abgenommenen Wagen verteilen sich im großzügig auf der Wiese im Park. Die Bandbreite ist riesig. Vom Mini Cooper und Saab 4V Monte Carlo bis hin zu Audi quattro oder BMW M1 Procar.  Auch dabei verschiedene Cobras, Ford Mustang, Ferrari 250 GTB, zwei Lancia Stratos, Porsche 911 RS, RSR oder ST, 550 Spyder oder gleich zwei atemberaubenden, extrem seltene (nur 12 Stück wurden gebaut) und nur 620 Kilo schwere  Alfa Romeo Zagato TZ2, alle meist Schweizer Provenienz. Überhaupt sind einige Zagatos im Feld oder vor dem Hotel anzutreffen. Alfa-Romeo 2600 Sprint Zagato, ein DB7 Coupe oder einer der brandneuen, auf nur 19 Exemplare limitiere und auch nur im Doppelpack mit einem baugleichen Cabrio zu erwerbende Vantage V12. Er unterscheidet sich vom ursprünglichen Modell von 2011 nur in Details und Interieur. 

Nachrücker bei Teilnehmerliste hatten dieses Jahr Glück, denn Engländer oder Amerikaner müssen leider auf einen Start verzichten. Die Quarantänebestimmungen waren doch zu hart. Bei Sonnenschein, Veuve Clicquot und leichtem Lunch wird die Wartezeit bis Mittag verkürzt. Man kennt sich, plaudern angeregt und freut sich auf das was kommt. 

Dann geht es endlich los. Die Fahrzeuge fahren hoch zum Bernina, um die Strecke kennenzulernen, einige Spaßrunden zu drehen oder direkt in der riesigen Garage zu verschwinden, wo sie erst am nächsten Morgen wieder rausgelassen werden. Wir fahren noch einmal den Pass runter nach La Rösa, einer ehemaligen Poststation mit morbidem Charme und machen ein paar Fotos an der Strecke. 

Samstag: Renntag

Die Parkplatzsituation oben auf dem Pass ist schwierig und die Straße wird ab 7:40 abgeriegelt. Also bleiben zwei Optionen: Früh aufstehen und noch einen Platz erwischen, oder später kommen und mit dem Zug hochfahren. Der Bernina Express ist die höchste Bahnstrecke Europas und hält auch unterhalb des Hospiz. Ok, das mit dem Zug klingt romantisch, wir entscheiden uns dennoch für Variante A. Also, um halb sieben am Hotel losfahren, das Frühstück muss zugunsten eines Lunchpakets ausfallen. Es ist noch dunkel, kein Schwein auf der Straße. Auch keine Polizei und so kann man es etwas fliegen lassen. 

Nach einer guten halben Stunde kommen wir auf 2235m Höhe an, parken mitten im Geschehen und schon geht es los. Zu unserer Verwunderung haben sich nur kaum Zuschauer eingefunden, um das Spektakel mitzuerleben. Die 80 Rennwagen fahren aus der Garage, stellen sich nach Startnummern auf, lassen die Motoren warm laufen oder werden nochmal durchgecheckt. Inzwischen ist es hell geworden und die ersten Sonnenstrahlen verdrängen die Nebelschwaden. Einige Wolken hängen noch im Tal. Fantastisch! Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Early Bird lässt grüßen…

Gegen acht Uhr wird die Strecke freigegeben und der Tross fährt hinunter nach La Rösa zum Start. Wir nutzen die Zeit für einen schnellen Kaffee, als die ersten Renner im Minutentakt schon wieder oben sind. Die Strecke an sich ist weiträumig mit Flatterband abgesperrt und man muss sich auf dem einen oder anderen Hügel postieren, um das Geschehen beobachten zu können.

Nach der Zieleinfahrt rollen die Fahrzeuge das letzte Stück zum Ospizio aus und reihen sich wieder auf. Bei einigen Teams kommt Hektik auf, es gilt das Fahrzeug für den zweiten Lauf zu verbessern oder wieder fit zu machen. Einige Ausfälle sind schon zu verzeichnen. Der Saab mit Ex Formel 1 Fahrer Stefan Johansson muss pausieren. Andere sind entspannt, rauchen eine Zigarre oder machen – wie Arturo Merzario – Fotos von ihrem Auto oder mit den Zuschauern. Der 77 jährige genießt es noch immer, seine alten Renner zu bewegen. In diesem Fall einen Abarth 2000 Sport. 

Zwei Trainingsläufe stehen am Vormittag an und das Spektakel wiederholt sich. Die ersten Zeiten werden gespannt von den Fahrern beäugt. Einsam an der Spitze soll im Training wie im Rennen der Martini-BMW F2 von Thomas Amweg mit einer Zeit von knapp drei Minuten stehen. Er muss jedoch am Ende als Monoposto Fahrer den Preis an den zweitplatzierten Florian Fäustel in einem Porsche Carrera RSR IROC Replika weitergeben. So sind die Regeln. 

Der Bernina Gran Turismo ist wirklich ein Highlight im Kalender der Oldtimerveranstaltungen. Besonders in diesem Jahr, wo fast alles aus- oder umgefallen ist, muss man es den Veranstaltern hoch anrechnen, das Event auf die Beine gestellt zu haben. Wir kommen im nächsten Jahr gerne wieder!

Uf widerluege!

Bernina Gran Turismo

Text und Fotos: Markus Haub & Susana de Val

Onassis Airtimes

AIRTIMES war der Titel der 5. Ausgabe der Tunnelrun-Saga von Onassis Porsches alias Tom Gädtke und fand in diesem Jahr auf dem Flugplatz Essen-Mülheim statt.

An die 250 Porsches hoben zwar nicht ab, kamen aber um sich brav mit Abstand wie im Autokino vor einer riesigen Leinwand aufzustellen. Zwischen Flugzeugen und Zeppelin gab’s gemütliches Beisammensein unter Corona-Bedingungen. Man musste halt das Beste draus machen, die Zeiten sind schwierig und die Auflagen streng. Snacks und Musik verkürzten die Wartezeit für die große Show, die gegen 20 Uhr mit einsetzender Dämmerung begann. Gezeigt wurden Kurz-und Werbefilme und auch ein Trailer von der SICK Alps Tour von neulich. Highlight!

So geht der Sommer langsam zu Ende, aber mal schauen, was noch so geht. Wir waren zugegebenermaßen etwas kurz angebunden, denn wir schnitzen weiter auf Hochtouren an der Eröffnung unseres neuen Studio H49.