1. Röhrl-Klassik 2022

Der Delius Klasing Verlag feiert in diesem Jahr sein 111 jähriges Bestehen und hat sich vorgenommen, zusammen mit Peter Göbel und seinem Team eine Oldtimer Rallye zu organisieren. Dieser konnte tatsächlich Walter Röhrl als Namensgeber und Teilnehmer gewinnen und so war die Sache rund! 

Einer Gleichmäßigkeits-Rallye nur für Porsche. Sowas gab es noch nicht. 111 Stück an der Zahl, Luftgekühlte oder Transaxel sollten sie sein und so kam ein buntes Feld zusammen, um drei Tage lang die Region um Schloss Fleesensee an der Mecklenburgischen Seenplatte zu erkunden. 21 Wertungsprüfungen waren auf 700 Kilometern Strecke zu absolvieren und das war dank Peter Göbel ganz schön kniffelig. Der ist dafür bekannt, sich immer mal was Besonderes einfallen zu lassen- wie wir seit unserer Teilnahme an der 1.Hamburg-Berlin Klassik von 2008 wissen. Legendär! 

Wir waren also neugierig und hatten uns angemeldet. Anfang September nun war es soweit. Ab Mittwoch war die technische Abnahme und auch die Roadbooks wurden ausgegeben. Genug Zeit also, um schon mal zu schauen, wohin die Reise geht und sich auf die Wertungsprüfungen den nächsten Tages vorzubereiten.  

Tag 1: Nach dem Teilnehmerbriefing am Mittag starten wir um 14 Uhr zur ersten Etappe „Rund um die Müritz“. Der Walter fährt ein weißes G-Modell Cabrio mit der Startnummer 1 und schreibt noch unermüdlich Autogramme bevor er allen voran auf die 135 Kilometer lange Strecke geht. Die ist als Prolog geeignet, um sich mit den ersten Prüfungen, den Durchfahrtskontrollen und der Landschaft vertraut zu machen. Nach einer Dreier- und einer Zweier-Sollzeitprüfung geht es auf den ehemaligen sowjetischen Flugplatz Rechlin-Lärz. Hier warten bunte Pilonen auf uns, die in einer bestimmten Reihenfolge und mit den Farben zugewiesenen Sekundenzeiten zu einem Parcours werden, der hundertstelgenau befahren werden muss. Highlight aber ist die Aufgabe auf der Landebahn. Zwei Lichtschranken sind in 45 und 70 Sekunden bei 850 bzw 1560 Metern zu durchfahren. Zwei Autos fahren parallel gegeneinander. Das heiß ganz schön Gas zu geben, sich aber nicht vom anderen ablenken zu lassen. Weil das noch nicht genug ist, werden wir von einem Boeing-Stearman-Doppeldecker von 1943 überflogen. 

Die Abendpause findet in historischen Feldsteinscheune in Bollewick statt, die größte ihrer Art. Wo bis zur Wende 700 Kühe ihr zu Hause hatten, rasten wir nun und stärken uns für die letzte Etappe nach Göhren-Lebbin zurück, auf welcher nochmals zwei Zeitprüfungen zu absolvieren sind.

Tag 2: Wir starten wie jeden Tag mit Nummer 7. Um 8:34 Uhr geht es auf die beiden Tagesetappen mit zusammen 360 Kilometer bis zur Ostsee. Erste Ziele sind Malchow und Teterow und die Marina Loitz, eine Prüfung auf dem Plattenweg und Mittagspause im Gasthaus Landsdorf, wo unsere Autos wieder einmal schön beisammen stehen und man auch die hinteren Teilnehmerfahrzeuge zu Gesicht bekommt. Am Nachmittag gehts vorbei am Vogelpark Markow, nach Riebnitz, wo uns die Bernsteinkönigin mit Gastgeschenken empfängt. Dann wieder Richtung Süden über traumhafte Alleenstraßen, wie es sie in unserer Ecke schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt. Das macht die ganze Tour zu etwas ganz Besonderem. Die einmalig schönen Landschaften, die Dörfer und die netten Menschen, die uns an den Durchfahrtspunkten oder in ihren Vorgärten erwarten und zuwinken. In Krakow am See dürfen wir auf der sonst für den Verkehr gesperrten Uferpromenade flanieren, bekommen noch ne Wurst zur Stärkung und fahren das letzte Stück bis ins Ziel.

Tag 3: Heute sind 274 Kilometer auf Etappe 5 und 6 zu fahren, diesmal nach Süden Richtung Brandenburg. Wittstock/Dosse und Neuruppin stehen in der Karte und bei den Wertungsprüfungen wird es nochmal spannend. Im „Solarfeld am Weinberg“ sind fünf Zeiten mit wechselnden Schnitten innerhalb von 55 Sekunden zu fahren. Da kommt Freude auf! Und im Gut Hesterberg kommt zur „normalen“ Dreier-Prüfung auf kurviger Strecke noch eine „Super-Geheim“ Prüfung dazu. Diese wurde im Reglement beschrieben und kann demnach jederzeit unerwartet auf freier Strecke oder auch innerhalb einer Wertungsprüfung vorkommen. Nun also ist es soweit. Erst kurz vorher bekommen wir die Aufgabe ins Auto gereicht und müssen auch schon los. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. 70 Meter in 12 Sekunden. Im Anschluss an die WP16. Eieiei…

Mittagspause ist im Ziegeleipark Mildenberg, wo um 1910 schon Unmengen an Steinen für das boomende Berlin gebrannt wurden. Erst die Einführung der Plattenbautechnologie in den 60er Jahren machte dem Ziegelstein Konkurrenz und nach der Wende wurde der Betrieb gänzlich eingestellt. 

Am Nachmittag warten nochmal fünf WPs. Auf dem Verkehrsübungsplatz Linowsee geht es auf die Kreisbahn. Diese ist zweimal in einer identischen, zwischen 10 und 14 Sekunden frei wählbaren Zeit zu umrunden. Dann noch eine Doppelprüfung, die auf einer bewässerten Gleitfläche endet. So ist abruptes Bremsen unmöglich. Mit Schwung und Wasserschwall gehts durch die Lichtschranke. Zum krönenden Abschluß fahren alle nochmal zum Flugplatz Lärz. Wieder zur bunten Piloten Aufgabe, die diesmal aber in anderer Reihenfolge zu befahren ist. Und dann nochmals eine Parallel-Doppelprüfung auf der Landebahn. Jetzt muss man noch schneller sein. Die 960 bzw 1560 Meter müssen in 40 Sekunden bzw 1:01 Minuten gefahren werden. Ein Schnitt von knapp 90 bzw 110 km/h! Das heißt, wenn man bei der ersten Ziel-Lichtschranke zu stark abbremst, hat man kaum noch Chancen durch die zweite in der vorgegeben Zeit zu kommen. Auf letzter Rille und mit maximaler Geschwindigkeit schaffen wir es gerade so.

Es waren fantastische drei Tage in einem wunderschönen Teil Deutschlands, den wir sehr wahrscheinlich ohne die Rallye nie besucht hätten. Die Siegerehrung am Abend vereint nochmal alle Teams, Pokale und Preise werden vergeben und auch eine Teilnahme für die 2. Röhrl Klassik im nächsten Jahr wird verlost. Für alle anderen gibt es bei Wiederholungswunsch einen sicheren Startplatz. Gut zu wissen. Mal schauen, wo die Reise hingeht…

Dem Walter hat es auch gefallen, musste er aber zugeben, daß ihm „das langsame Fahren mehr anstrengt als das schnelle.“ Das glauben wir ihm sofort. 

Fotos und Text: Markus Haub & Susana de Val

Onassis__The Factory 2022

Bei einigen Teilnehmern wird es langsam eng auf dem Seitenfenster. Viele Onassis-Treffen-Sticker kleben drauf und bezeugen die Anwesenheit in der Vergangenheit.

Was als Outlaw Porsche TunnelRun 2015 begann, ist inzwischen zum Großevent angewachsen. Tom schaffte es regelmässig einige hundert Autos aus ganz Europa zusammenzubringen und die Besucher davon zu überzeugen wiederzukommen, Freunde zu treffen und einen schönen Tag miteinander zu verbringen. 

Auch wir sind in der Gruppe angereist, haben eine feine Landpartie durch Hunsrück und Eifel gemacht und haben am Vorabend bereits „vorgeglüht“. Am Samstag dann geht es auf nach Wermelskirchen zum Rhombus-Park, eine alten Rollen-Fabrik von der nur noch die Fassade steht. Hier steigt die Party. Traditionell heißt es am Eingang erstmal Schlange stehen. Wie in einem Club Samstag Nacht. Nur die Türsteher sind freundlicher und der Einlass ist garantiert, den das Ticket wurde schon Monate vorher gelöst. Der Stau in den umliegenden Straßen gehört halt einfach dazu. Ist der Wagen mal geparkt, kann man das Gelände erkunden. Rennwagen oder Foto-Ausstellung begutachten oder ne Wurst essen. Alles was man als PorschefahrerIn braucht. Aber eigentlich ist man sowieso nur zum quatschen hier, denn darum geht es….Und neue Ideen für die Zukunft aushecken. 🙂

Fotos und Text: Markus Haub und Susana de Val

Sick Alps___Level 2: Frankreich

Als wir am Horizont das Meer sehen, wissen wir, dass wir es geschafft haben. Nach drei Tagen und knapp 700 Kilometern Kurvenfahrt über die Route des Grandes Alpes haben wir unser Ziel Menton erreicht. Die Stadt der Zitronen an der Côte d’Azur empfängt uns mit schwüler Hitze und dem wehmütigen Gefühlt, dass etwas großartiges zu Ende geht. 21 Pässe haben wir überquert, Regen, Nebel und Sonne haben uns begleitet, Pannen haben wir gemeistert und eine tolle Gruppe erlebt. Ist das das „Level 2“ Gefühl?


Die ganze Sache war von Moritz und Kerstin von @flat6high5 geplant. Wer die Großglockner Tour in Österreich und Italien von 2020 mitgemacht hatte, kam auf Level zwei: Frankreich war das gewählte Land. Wie Super Mario kann man sich dann in Zukunft an den jährlichen Ausfahrten hocharbeiten. Soweit die Theorie. 

In der Praxis hatten wir uns drei Tage vor Zieleinlauf am Südufer des Genfer Sees zum Start getroffen. Als wir ankommen, schüttet es wie aus Kübeln, aber die Aussicht auf ein leckeres Abendessen und der Wetterbericht für den Süden stimmen uns milde. 

Tag 1: Am nächsten Morgen ist es trocken. Frühstück und Briefing sind schnell erledigt und jeder wird noch mit einem Walkie-Talkie ausgestattet, um Laut zu geben, wenn die Blase geleert oder der Tank gefüllt werden muss. Von Thonon-les-Bains aus geht es dann auch gleich in die Berge, die ersten Kurven stehen an und je höher wir kommen, desto nebeliger wird es. Nach einem ersten Tank- und Burger King Pipi Stopp erreichen wir pünktlich die Mittagsstation am 1487 Meter hoch gelegenen Col de Aravis. Im Chalet Savoyard gibt es alles mit viel Käse. Nix für schlanke Linie, aber Berg runter macht sich der Speck auf den Hüften ja nicht so bemerkbar. Flumet, Beaufort und der Lac de Roselend werden passiert und gegen Abend erreichen wir unser schickes Chalet in Les Arc 1800. 

Tag 2: Am nächsten Morgen streikt bei uns der Anlasser. Durch Anschieben und mehrmalige Startversuche hauchen dem 911 aber wieder Leben ein. Bei Andi muss noch geschraubt werden und Mario braucht Sprit. Moritz zapft ihm was aus seinem Tank ab und so kommen wir alle zur 50 Kilometer entfernt gelegenen Tankstelle in Tignes. Von Val d’Isère fahren wir uns den Col de l’Iseran auf 2770 Meter hoch, den höchsten befahrbaren Gebirgspass in den Alpen. Es ist nebelig und kalt und wir springen alle nur mal kurz aus dem Auto, um ein Gruppenbild mit Mütze zu machen. Da wir die Verzögerungen vom Morgen nicht aufholen konnten, wurde die Strecke etwas verkürzt. Der Ausflug nach Italien zum Mittagessen fällt aus und eine Pizzeria auf der direkten Route versorgt uns fürstlich. 

Gut gestärkt geht die Fahrt weiter über den Col de Télégraphe und dann zum Col de Galibier (2642m), den man sonst nur von Bugatti kennt. Oder aber von der Tour de France, die hier regelmässig hoch radelt. Und das sieht man! Die Durchhalteparolen der Fans werden in liebevoller Arbeit zuvor auf den Asphalt gepinselt und sorgen so für einen speziellen Look auf der Straße. Die fehlenden Leitplanken und der relativ wenige Verkehr unterscheiden die Pässe hier zusätzlich von denen in Österreich oder der Schweiz, die zur Ferienzeit unerträglich voll sind. Tagesziel ist heute das idyllisch in Embrun gelegene Hotel La Robeyere. 

Tag 3: Der nächste Morgen startet sonnig und wieder mit etwas Verspätung wegen einer weiteren Panne. Ein Highlight ist der Col de la Bonnette, den wir nach 1,5 Stunden erreichen. Die Passhöhe liegt bei 2715 Meter über dem Meer. Wer noch höher hinauf will fährt eine Ringstraße um den Gipfel. Diese ist mit 2802 Metern die zweithöchste asphaltierte Straße in den Alpen. Das machen wir natürlich und finden mit Glück auch einen Parkplatz. Hier oben sind wir leider nicht allein. Radler, Biker oder Camper. Alles was Räder hat, muss hier hinauf.  

Nach weiteren 2,5 Stunden erreichen wir jenen Ort, der wie kein anderer für die Rallye Monte Carlo steht: Der Col de Turini. Volles Hörnchen zwirbeln wir im Pulk die unzähligen Kurven hinauf, im Abstand von 1000 Meter weisen Schilder auf die noch zurückzulegende Entfernung hin. Mit breitem Grinsen, heißem Öl und verschwitztem T-Shirt kommen wir oben an. Auf der Terrasse des Hotel Trois Vallées ist Mittagspause und während wir aufs Essen warten kann man sich die unzähligen Fotos aus vergangenen Rallye-Tagen im Inneren des Hauses anschauen. 

Das letzet Stück bis Menton ist nicht mehr weit. Es wird langsam wieder heiss, so wie wir es seit Wochen schon gewohnt sind. Der Sommer ist zurück und die quirlige Stadt am Mittelmeer mit Palmen und Badetouristen ist ein krasser Kontrast zur Mondlandschaft einige Stunden zuvor. Wir parken die Autos, checken im Hotel ein, und gehen vor dem Abschieds-Dinner noch alle zum Strand, um im Meer zu schwimmen und begreifen langsam, dass wir es wirklich geschafft haben. Was für ein Trip! Les Alpes sont folles!

Fotos und Text: Markus Haub & Susana de Val

Classic Days__Green Park Düsseldorf

Classic Days ohne Schloss Dyck? Geht das denn überhaupt? 

Eine der schönsten Oldtimerveranstaltungen mussten sich nach insgesamt 14 Editionen und zuletzt zwei Jahren Corona Zwangspause neu erfinden. Der Kooperationsvertrag zwischen der Stiftung des Schlosses und den Machern des Festivals rund um Marcus Herford konnte nicht erneuert werden, zu hoch waren die finanziellen Forderungen, zu groß wären die Auflagen gewesen. Ende Gelände. 



Aber irgendwie musste es ja weiter gehen. Also gibt es eine neue Location: Das „Green Park“ getauften Gelände an der Messe Düsseldorf bietet ausreichend Platz und allerlei Vorteile.

Es ist perfekt verkehrsangebunden und Parkplätze sind auch genügend vorhanden und dazu noch mit Bäumen bepflanzt. Somit war auch das größte Problem gelöst, denn das Schloss war im Prinzip nicht für so viele Besucher gerüstet, dementsprechend schwierig zu erreichen und geparkt wurde – wenn nicht im Garten- auf den Äckern im Umkreis (die bei Regen auch mal untergingen). Das alles hatte aber auch seinen Charme, der dem neuen Areal völlig fehlt. Die Versuche, die bekannten Themen-Bereiche wie „Lovely Heroes“ oder „Nostalgic Journeys“ zu integrieren, gehen schief. Die Orientierung fällt trotz Beschilderung schwer und alle Zonen gehen gleichförmig- durch Zäune unterteilt- ineinander über, weil das Gelände eben nichts anderes zulässt. Die Picknickenden saßen teilweise lose verstreut irgendwo herum, der Concours d’Elegance verkommt zu einer lieblosen Ausstellung über die „automobile Kulturgeschichte“, in der die Fahrzeuge in Grüppchen zusammen auf der Wiese stehen, umzäunt mit einer Plastikkette. Das Fahrerlager  wirkte etwas leer und nackt, da hätten wohl noch ein paar Renner zusätzlich hingestellt werden können, zumindest war auf der Rennstrecke immer was los und diese war auch recht gut einsehbar. 

Wäre die Messlatte der Classic Days in den letzten Jahren nicht so dermaßen hochgelegt worden und das Areal um das Wasserschloss so einmalig schön und abwechslungsreich, wäre das alles ja nur halb so schlimm und die neue Veranstaltung könnte als durchaus gelungen betrachtet werden. Die Organisation mit hunderten von Helfern war sehr gut, die Dekoration ist überaus liebevoll und aufwändig und auch einige der Sonderausstellungen sind sehenswert gewesen. Die Armada beim DeLorean DMC-12 Treffen war der Hammer und auch das der Land Rover Defender war klasse. Mercedes-Benz und Audi hatten ein paar tolle Exponate im Gepäck und unter den Klassikern des (nur mäßig besuchten) Club-Meetings oder auch auf den Oldtimer Parkplätzen konnte man das eine oder andere Highlight entdecken. Aber es fehlt die Seele, der Charme, das Besondere, das Schrullige. Für einen Besuch oder im Idealfall eine Teilnahme an allen drei Tagen ist eine Ansammlung von themenbezogenen Bereichen auf einem riesigen Parkplatz, der noch dazu alle drei Minuten von einem Billigflieger im Tiefflug auf dem Weg zum nahegelegenen Airport Düsseldorf überquert wird, nicht mehr als Konzept geeignet. Bei einer Wiederholung 2023 im Green Park, sollte man das Ganze grundlegend überdenken, straffen und modernisieren. Ein modernes Gelände verlangt nach einer modernen Veranstaltung. Ausmisten und sich von den altem Mottenkisten trennen ist hier wohl angesagt und die Suche nach einer neuen Formel oder einem anderen Schloss.

Fotos und Text: Markus Haub & Susana de Val

Petro Surf Festival Vol.4__Sylt

Um der Hochsaison zu entgehen, haben Ken Hake und Angelo Schmitt die diesjährige Ausgabe des Petro Surf Festivals auf ihrer Heimatinsel Sylt in den Juni gelegt. Genutzt hast freilich nichts, die Insel ist auch an diesem Wochenende knallvoll, die Leute haben halt wieder Lust zum Verreisen. 

Wir auch und deshalb haben wir den weiten Weg auch nicht gescheut. Einen Zwischenstopp in Hamburg und dann – schwups – mit der Fähre von Dänemark nach Sylt. Nicht ohne vorher mal kurz auf dem endlosen Strand von Lakolk bei kleine Runde gedreht und an der Hotdog Bude einen Kaffee-Stopp eingelegt zu haben. 

Richtig los geht das alles dann aber erst am Freitag Abend. Schauplatz für das Meet-Up ist der Munkmarscher Hafen. Hier ist alles hübsch angerichtet, für Essen und Getränke ist gesorgt, es gibt reichlich Platz zum Parken und im Hangar legt der DJ auf. Jägermeister schenkt Cocktails aus und es gibt auch gleich die passend beklebten Wagen dazu: ein Porsche 962 Gruppe C und ein Kremer 935 K3. Während die kleinen Auto Fans mit der Carrera Bahn spielen, gehen Mami und Papi an einem der Sponsoren-Stände von Breitling oder Fritz Hansen shoppen oder kleiden sich Insel- und Porsche tauglich bei den lokalen Kreativen ein ein.

Alle haben Spaß, gute Gespräche über Autos und die Welt und wir bekommen auch noch die letzten Updates zum Ablauf des Wochenendes. Wegen der guten Wellen, wird der Surf-Wettbewerb auf Samstag früh 6:30 vorgezogen und die Drive Challenge deshalb auf den Sonntag verlegt. Auch ok. Und so klingt der Abend bei nicht enden wollendem Tageslicht aus. In diesen Breitengraden ist es um kurz vor elf immer noch nicht richtig dunkel und so knipsen wir noch ein Weilchen die Autos auf dem Pier.

Samstag:

Die Frühaufsteher haben sich die Wellenreiter am Strand im Süden der Insel angeschaut und treffen sich mit den Langschläfern gegen Mittag wieder auf dem Hafengelände. Auch das Ordnungsamt checkt ein und alles wieder peinlich genau. Abstände, Lautstärke, Feuerlöscher usw. Was hier alles nicht passieren kann… Das einzige, was hier heute brennt ist die Sonne und die hat die Pfützen vom Vortag schon lange getrocknet und sorgt nun bei dem einen oder anderen für eine rote Gesichtsverfärbung. Kühlung versprechen Bier und Wein, auch mal eine Limo und gegen den Hunger hilft ein Fischbrötchen. Alles besten also.

Am Nachmittag drehen wir ein Ründchen, gehen bei Gosch was essen und fahren Richtung Sonnenuntergang auf der Straße zum Ellenbogen. Die sechs Euro Maut sind gut angelegt, denn wir haben die Strecke praktisch für uns alleine und könne die Einsamkeit, die Schafe und die Dünen ungestört genießen.

Sonntag:

Die Drive Challenge startet um 9 Uhr. Ein zuvor abgesteckter Pilonenkurs ist – ohne Stoppuhr- zweimal in identischer, selbstgesezter Zeit zu befahren. Ein- und Ausparken in eine imaginäre Lücke inklusive. Was eigentlich unmöglich klingt schaffen dann doch die drei erstplatzierten mit einer Abweichung von nur wenigen Zehntel Sekunden! Chapeau! 

Höhepunkt des P/S 2022 ist dann wieder die gemeinsame Überfahrt mit der Fähre von List nach Rømø. Eine lange Porsche-Schlange bildet sich zunächst vor dem Kreisel bei der Einfahrt in das Fährterminal und kann erst nach und nach aufgelöst werden. Dann endlich verschwinden alle unsere ca 85 Porsches im Bauch der Fähre und die Luke kann geschlossen werden. Nach der Siegerehrung auf Deck, großem Applaus für die Organisatoren und ihr Team geht es noch gemeinsam zum Sønderstrand.

Ein paar Doonuts drehen und dann im Pulk zurück. Als wäre das alles nicht schon genug, fahren wir noch nach Lakolk, wo wir schon vor drei Tagen waren. Diesmal finden wir ein paar mehr Drachen vor und lassen uns von den Armen eines Tintenfisches einwickeln. Inzwischen ist es Nachmittag und eigentlich wollten wir los, als plötzlich Patryk aus Polen mit seinem Kontrabass neben unseren Autos auftaucht und fragt, ob er für uns spielen darf. WHAT? Na klar! Was für ein Auftritt, was für ein magischer Abschluss für unser Wochenende. 

Fotos und Text: Markus Haub & Susana de Val

Mille Miglia 2022

Mille Miglia. Das ist ein ganz besonderes Gefühl, diese Magie, die das ganze Land erfasst. Kinder und alte Menschen, die wahrscheinlich -als sie klein waren- schon begeistert die Rennwagen am Straßenrand erlebt haben, wie sie in atemberaubender Geschwindigkeit und auf Schotterpisten ohne Pause durch das ganze Land gefahren sind. Stirling Moss war 1955 der Schnellste. In 10 Stunden, 7 Minuten und 48 Sekunden und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 157 km/h umrundete er mit seinem Beifahrer Denis Jenkinson die Strecke. Ein Rekord für die Ewigkeit. 

Auf Geschwindigkeit wird nun nichtmehr gefahren, aber heiß geht es trotzdem zur Sache, wenn die 440 Klassiker vom Baujahr 1927 bis 1957 starten und das ganze Land mit Glück, Lärm und Gestank erfüllen.

Brescia
Die ganze Sache beginnt schon drei Tage früher mit der Anmeldung, dem Aufkleben der Startnummern und Sponsor-Stickern, der technischen Abnahme und Prüfung aller Dokumente. Peinlichst genau wird die Fahrgestellnummer gesucht, um dann den korrekten Mille Miglia Pass auszustellen, mit dem dann eine Teilnahme auch in Zukunft möglich ist. Das alles findet im Brixia Forum, einer riesigen Messehalle am Stadtrand statt. Auch wir bekommen Media-Aufkleber auf unseren Porsche geklebt, Ausweise und werden mit einem ganzen Stapel an Roadbooks und Infomaterial versorgt. 

Höhepunkt der Registrierung ist die Verplombung der Autos, welche auf dem Areal der Piazza della Vittoria in Stadtzentrum vor dem begeisterten Publikum stattfindet. Wie einst schon vor 95 Jahren wird ein kurzer Draht mit einer Bleiplombe versehen und an der Lenksäule angebracht. Mancher Rennwagen trägt davon einige, wohl auch noch aus damaligen Zeiten. 71 Fahrzeuge waren tatsächlich einmal bei der MM mitgefahren, darunter sieben Osca Rennwagen, die in diesem Jahr mit einer extra Klasse das 75. Jubiläum feiern. 

Der Start ist zum 13:30h und die ganze Stadt scheint auf den Beinen. Von der Piazza della Vittoria, wo am Morgen noch die letzten Teilnehmer eingecheckt haben, strömen die Zuschauer zum Bereich der Startrampe an der Viale Venezia. Die Rennwagen fahren dann einmal durch die Innenstadt, wo die Fans es sich in den Bars und Restaurants gemütlich gemacht haben und feiern. Das große Fest beginnt und für die Teilnehmer heißt das auch ein bisschen Arbeit: Auf 1941 Kilometern Gesamtstrecke sind 115 Sollzeit- und 17 Gleichmäßigkeitsprüfungen zu meistern und 257 kleine und größere Ortschaften zu durchqueren. 

Wir schauen uns das Prozedere am Start eine Weile an und machen uns dann auf die Verfolgung des Feldes. Um etwas abzukürzen, fahren wir von Brescia auf direktem Weg nach Sirmione und holen so die frühen Starter wieder ein. Man merkt auch ohne Roadbook sehr schnell, wenn man wieder auf der richtigen Strecke ist, denn diese ist gesäumt mit tausenden von Zuschauern. Es  ist unglaublich! In jedem Kreisel, vor jedem Haus stehen die Menschen, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen. Die Polizei hat alles abgesperrt und fährt manchmal als Eskorte vorweg, um den Weg für uns freizumachen. 

Nach einem kurzen Stopp in Mantova geht es weiter nach Ferrara. Über eine krasse Kopfsteinpflasterstraße werden wir in Richtung Piazza del Castello geleitet. Hier ist Abendessen für die Teilnehmer, eine kleine Pause von den ersten Strapazen und wir können uns in aller Ruhe das gesamte Starterfeld ansehen, welches auf dem Platz um die alte Festung steht. Besonderes Highlight ist der Mercedes-Benz 300 SL von 1952, der als Test Wagen bei Le Mans eingesetzt wurde und einen riesigen Spoiler auf dem Dach montiert hat. Am Abend fahren wir noch mit einigen Rennwagen in die Dunkelheit und dann zum Hotel nach Forli. Das liegt direkt auf der Route der Rallye, die am nächsten Morgen aus dem benachbarten Cervia kommt wird und so können wir direkt einsteigen.

Forli, San Marino, Urbino, Gubbio… 

Heute ist früh aufstehen angesagt. 6:30h Wecker, schnelles Frühstück und los gehts. Wir tanken noch, warten auf die Oldtimer und hängen uns hinten dran. Der Berufsverkehr wird mit Hilfe des guten Willens der Italiener und der Polizei bewältigt. Die sperrt wieder die meisten Kreisel ab, und eskortiert den Tross auf der Mittelspur durch den Verkehr. Auch mal links durch den Kreisel. Ganz schön verrückt das Ganze und es geht leider auch nicht ohne Blechschäden an der einen oder anderen Präziose ab. 

Die Temperatur ist mit 25 Grad noch erträglich, später sollte das Thermometer wieder auf 35 Grad ansteigen. Puhhh. Wir nähern und San Marino, die Auffahrt ist zweispurig und die schwächeren Fahrzeuge kämpfen sich mühsam den Berg hoch, ehe sie das Fürstentum erreichen. Wir nehmen die im Roadbook angegebene Umfahrung und machen uns weiter auf wunderschöner Straße nach Urbino

Die Landschaft wird langsam hügeliger und der Verkehr wird weniger. So soll es sein. Einige Wertungsprüfung werden hier abgehalten und wir bekommen einen Einblick in den Arbeitsalltag der Rennfahrerteams. Das alles ist ziemlich gut organisiert, die Teilnehmer halten sich rechts und die anderen auf der linken Spur, so kommt man sich nicht in die Quere.  

Einer der schönsten Abschnitte geht über eine sanft durch die Hügel geschwungene Landstraße. Hier machen wir einen Stopp und fotografieren ausgiebig, lassen eine ganze Reihe von Rallyeautos an uns vorbei und ich schwelge etwas in Erinnerung, denn am selben Punkt stand ich 2005 (als es mit dem damals neu erworbenen 964er auf die erste große Fahrt ging) mit meinem Kumpel Thomas und habe die vorbeifahrenden Autos mit der Canon Powershot G2 eigefangen. Wie die Zeit vergeht… 

In Urbino fahren wir durch das alte Stadttor, durch die ganze Altstadt und zwengen uns vorbei an den Touristen. Eimalig! Auf der Weiterfahrt erwischen wir eine schöne Szene an der Tankstelle mit Christian Geistdörfer, der mit einem Porsche 356 am Start ist und mit Oktansaft befüllt. Wir trinken n Kaffee, essen ein Croissant, kaufen frisches Wasser  und fahren weiter nach Gubbio, einem der schönsten Ziele der ganzen Mille Miglia. Vor dem Platz vor dem Palazzo die Consoli ist eine Durchfahrtskontrolle bei der wir 1999 mal Stirling Moss im Mercedes SLR begegnet sind und wir schauen eine Weile zu, wie die Autos durch die glutheisse, enge Gasse fahren, vorbei an Wildschweinwurst und Getöpfertem.

Diese Stadtdurchfahrten sind spektakulär und ich denke, das genau macht die Mille Miglia auch aus. Neben der tollen Landschaft, den begeisternden Zuschauern sind es die Dörfer und Städte mit ihren Plätzen, die oftmals schon seit vielen Jahren für den Verkehr gesperrt sind und nur für besondere Anlässe geöffnet werden. Diese Kulisse macht die Mille zu einem einzigartigen Fest.

In flotter Fahrt geht es weiter Richtung Süden. Mittagspause ist in Passignano sul Trasimeno. Das ganze Dorf steht voller Autos und es brummt und qualmt an allen Ecken. Die Sonne brennt umerbärmlich und wir sind froh über die Pause und die Abkühlung im Schatten. Nach einer Stärkung kann es weiter gehen. Unsere letzte Station für heute ist eine Rennstrecke. 

Das Autodromo dell’Umbria, wo eine weitere Wertungsprüfung anliegt. Es geht einmal mit verschiedenen Zwischenzeiten um den 2,5 Kilometer langen Kurs und danach verabschieden wir und für heute. Währen das Feld weiter in Richtung Rom fährt und spät am Abend ankommt, kreuzen wir quer nach Westen und fahren in die Toskana, um am nächsten Vormittag die Autos in Richtung Siena abzufahren  und die Einfahrt auf den Plaza del Campo zu erleben.

Siena
Es ist später Vormittag und wir warten in einer Bar, die auf der Strecke liegt bei einem Cappuccino auf die Autos, die aus Rom kommen. Die Einfahrt nach Siena ist ziemlich eindrucksvoll. Wir reihen uns hinter einem Pulk von Teilnehmern in die Polizeieskorte ein, die uns mit Blaulicht Platz und Durchfahrt beschert, wieder alle Kreisel absperrt und und so bis in die kleinen Gassen geleitet. Diese werden immer enger, sind gesäumt von hunderten von Zuschauern und wir kommen nur langsam voran. Auf einmal wird es heller und wir fahren auf die Piazza del Campo, dem bedeutendsten Platz der Stadt, wo zweimal im Jahr das berühmte Pferderennen Palio stattfindet. Der Boden ist mit Teppichen in den Farben der italienischen Flagge ausgelegt auf welchen die Rennwagen nach Startnummern gruppiert zum stehen kommen. Wir fahren am Rand vorbei durch die Menschenmenge, parken um die Ecke und mischen uns unters Volk. Es ist ein grandioser Abschluss für uns, denn nach der Mittagspause lassen wir die Rallye weiterziehen und bleiben noch ein paar Tage in der Toskana, um unsere Eindrücke, die Fotos und die unvergesslichen Momente, die wir auf dem Weg hierhin erlebt haben zu ordnen.

Grazie Mille Miglia!

Text und Fotos: Markus Haub & Susana de Val

Alpenfahrt im 300SL__Vom Gotthard bis nach Südtirol

#alpenfahrt, #mercedesbenz300sl

Unser 300 SL wurde im März 1992 ausgeliefert, mein Vater hat ihn mit ca 5000 Kilometern auf der Uhr im Oktober desselben Jahres von einem Herrn in München gekauft. Zum Neupreis! Die Lieferzeit lag damals bei eineinhalb Jahren, der SL war auch im dritten Jahr seiner Produktion schwer begehrt und neu kaum zu bekommen. 

Die Farbkombination ist klassisch: außen Silber, innen schwarz. So begleitete er meine Eltern auf vielen Urlaubsreisen. Mein Vater starb vor zwei Jahren und wir haben den Benz in der Familie behalten, machen nun zum 30 jährigen Jubiläum eine große Fahrt in die Alpen. 

Los geht’s am Freitag Morgen und der Plan ist, bis 16h am Gotthard zu sein. Dann soll die Straße nämlich aus der Wintersperre erwachen und für den Verkehr freigegeben werden. Eigentlich reiner Zufall, dass wir an diesem Datum dort sind, aber nun gut.

Tatsächlich läuft die Fahrt perfekt, wir umfahren gemütlich einen Stau und sind schon gegen 15h in Andermatt und trinken noch eine Tasse Kaffee mit Kuchen auf der Terrasse des Gasthauses St Gotthard in Hospental. Wir sind nicht die einzigen, die sich zur Saisoneröffnung hier eingefunden haben, aber richtig voll ist es auch nicht. Viele Motorradfahrer oder Sportwagen neueren Datums ballern die Passstraße hoch. Am Hospiz jedoch, wo die alte Tremola Straße beginnt, ist niemand. Und so haben wir reichlich Gelegenheit stressfrei und unbehelligt ein paar Fotos zu machen. Bei schönstem Wetter geht es dann hinunter in Richtung Italien. Ziel für das Wochenende ist Como und der FuoriConcorso „Sonderwunsch“ am Samstag und der Concorso d’Eleganza in der Villa d’Este am Sonntag. Zwei Events der Extraklasse, wie man in getrennten Artikeln nachlesen kann! 

Sonntag

Nach all den vielen schönen Autos und vielen Menschen, sehnen wir uns nach ein paar Tagen Ruhe und fahren nach Norden in die Berge zum knapp 3 Stunden entfernten Kurhaus Bergün, welches am Fuße des Albula Passes liegt. Hier ist wirklich alles sehr beschaulich, nur ein paar internationale Gäste haben sich wegen des in der Nähe stattfindenden Weltwirtschaftsforums in Davos hier eingemietet. 

Das Hotel ist ein Musterbeispiel des Jugendstils und stammt aus dem Jahr 1906 und war schon mit Zentralheizung und elektrischem Licht ausgestattet. Irgendwie wurde es aber zur falschen Zeit am falschen Ort mit falschem Konzept gebaut, denn der Erfolg blieb aus. Ein Brand 1949 und fehlende Finanzen waren der Anfang vom Ende. Es diente dann lange als Familienherberge, jeweils mehrere Zimmer wurden zu einer Ferienwohnung zusammengelegt. Erst 2002 gründeten langjährige Stammgäste eine Gesellschaft, kauften das Gebäude, renovierten es Stück für Stück und erhielten die einzigartigen Räume im Originalzustand. Im letzten Sommer wurde auch das KurBad eröffnet. Aus dem ehemaligen Eiskeller – aus der Zeit bevor es Kühlschränke gab- wurde eine Sauna, der Parkpavillon wurde nach historischem Vorbild aus Mondholz rekonstruiert und dient nun als Ruheraum, die Badelandschaft wird aus der eigenen Bergquelle gespeist und mit Photovoltaik geheizt. 

Auf nach Südtirol 

Am nächsten Tag fahren wir weiter in Richtung Südtirol. Wir nehmen nicht den direkten Weg, sondern die Route über die Pässe. Albula hoch und dann nach Zuoz, weiter über den Ofenpass, dann rechts ab zum Umbrailpass, über die Grenze nach Bella Italia und dann hoch zum Stilfser Joch. Das Wetter ist ziemlich gut, etwas windig, aber ein schöner Blick und ziemlich wenig Verkehr. Die Saison geht gerade erst los. Dann fahren wir die 48 Kehren bergab, machen eine Mittagsrast -wie schon einige male zuvor- im Berghotel Franzenshöhe. Da gibt’s immer was. Gestärkt mit lecker Gulaschsuppe geht’s weiter vorbei an Meran und Bozen hinauf auf 1560 Meter nach Oberradein zum Zirmerhof, wo wir die nächsten drei Tage bleiben werden. 

„Häuser der Wiese“

Das Haus ist ein Bauernsitz aus dem 12. Jahrhundert und seit über 100 Jahre werden hier schon Gäste empfangen. Dichter, Künstler und Nobelpreisträger waren unter ihnen und auch Michele de Lucchi. Zu ihm entwickelten die Perwangers eine Freundschaft und aus dieser entstand ein Projekt: Die „Häuser der Wiese“. Auf dem ehemaligen Parkplatz entstanden zwei Gebäude mit 6 Suiten. Das besondere ist, dass sie komplett aus Holz der Bäume gebaut wurden, welche beim Sturm Vaia 2018 entwurzelt wurden. 12 Millionen Bäume knickten damals um wie Streichhölzer, zerstörten ganze Bergrücken und die Wunden in der Landschaft werden noch für Jahrzehnte sichtbar bleiben. 

Die Häuser stehen vor dem historischen Hof am Hang und von der Terrasse aus hat man einen wunderbaren Blick ins Tal. Die Dächer sind mit Holzschindeln bedeckt und erinnern so an einen alten Heuschober. Im Inneren geht es großzügig zu, Holz wohin man blickt und die Möbel wurden zum Großteil speziell für diese Häuser entworfen. 

Der Spa-Bereich mit Sauna, Dampfbad und ökologisch mit eigenem Holz beheizten Pool ist wie eine Hobbit-Höhle in die Landschaft integriert, das Dach mit Gras bewachsen. Von den zahlreichen Nischen, der Holzterrasse oder den Liegen auf der Wiese kann der Blick auf die über 100 umliegenden Berge und das Etschtal schweifen. Man kann völlig abschalten, rumdösen, nachdenken, auch weil sich die wenigen Gäste im Haus verteilen und man so fast immer seine Ruhe hat. 

Das Abendessen wird im Speisesaal serviert, der mit einem riesigen Bilderzyklus von Ignaz Stolz bestückt ist, welcher die Sage vom Riese Grimm erzählen. Der Bösewicht hauste oberhalb von Radein am Weißhorn, entführte eine Jungfrau aus dem Eggental und das alles endet ziemlich blutig und schlecht für beide und mit rotgefärbten Felsformationen, die noch heute sichtbar sein sollen. Wir lassen es uns trotzdem schmecken und der Gewürztraminer aus dem eigenen Weingut Pinus passt hervorragend dazu.

Nach dem Abendessen gehen wir in Richtung Bibliothek und hören Klaviermusik. Ein Gast spielt für seine Frau und sich. Einfach so. Wir setzten uns mit einem Restwein im Glas in einiger Entfernung dazu und lauschen den Liedern. Es ist einer diesen magischer Moment, den man gerne festhalten möchte. Nicht lenkt ab, er ist einfach da und wird so nie wieder kommen. Das Instrument wurde 1941 spontan von Hanna Perwanger bei einem Einkauf im Tal angeschafft, um in den Kriegszeiten etwas für Abwechslung zu sorgen und damals mühsam mit einem Ochsen- und Pferdedoppelgespann auf das Hochplateau hinaufgehievt. Seit dem steht es dort und dient nun immer noch den Gästen zum Spielen.

Architektur, Design und Wein

Der Mittwoch sieht etwas verregnet aus und so beschließen wir, ins Tal zu fahren und zu schauen, wo all die leckeren Weine herkommen. Einige Kellereien haben in den letzten Jahren in Baukunst investiert und bieten so nicht nur dem Gaumen Freude. Der Ursprung dieser Entwicklung liegt wohl darin, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Wie in vielen anderen Anbaugebieten in Europa hat die in den 70er Jahren einsetzende Massenproduktion den schlechten Ruf geprägt. Überbleibsel davon kann man noch heute in Form von Einliterflaschen für 1,99 Euro in den unteren Regalen der Supermärkte finden. Dem wird inzwischen vermehrt mit Ehrgeiz und Qualität entgegen gewirkt oder auch mit Millioneninvestitionen in Glas, Holz und Beton. Es scheint sich auszuzahlen. 

Erste Station ist die Kellerei Kurtatsch, deren Kapital die teilweise sehr steilen, nach Osten gerichteten Weinberge mit Höhenlagen bis zu 900 Metern sind. Zum 120 jährigen Jubiläum 2020 beschenkte dich die Kellereigenossen mit einem großen Umbau, den sie nun- pandemiebedingt- mit etwas Verspätung im Mai diesen Jahres einweihen konnte. Aus einem Architektenwettbewerb gingen das Büro Dell’Angolo Kelderer aus Bozen hervor, die die kellertechnischen Anforderungen mit einer unverwechselbaren Idendität am besten in Einklang brachten. Die schroffen Millawände aus grauem Dolomitstein über dem Ort dienten als Inspiration für die neue Fassade aus gefalteten Betonplatten, durch die man als Besucher geht und ins Innere galangt. Hier überwiegt Holz an Decke und Boden, die Flaschen stehen auf einer riesigen Theke zur Ansicht. An der Bar kann man die Bestellungen aufgeben und sich von einem der Sessel auf der Veranda der grandiosen Aussicht auf das tiefer gelegene Tal hingeben. 

Nur ein Stück weiter an der Weinstraße gelegen, kommen wir zur Cantina Dramen im Ort mit gleichem Namen, die ich bei der Alpenfahrt 3.0 im Jahr 2019 schonmal besucht hatte. Der Architekt Werner Scholl schuf mit dem modernen Kellerbau im Jahr 2010 so das neue Wahrzeichen im Ort. Ein von einem grünen Stahlgerüst ummantelter Glaskubus beherbergt die Vinothek und den Versammlungsraum. Seine Form ist den Trieben der Rebstöcke nachempfunden. Auf eine Verkostung verzichten wir hier aber, wir müssen ja noch fahren. 

Gegen Mittag bekommen wir Hunger. In Kaltern machen wir einen Stopp und eine ausgiebige Pizza-Pause. Das Wetter entwickelt sich ganz gut, was uns zur Weiterreise motiviert. Einige Stationen haben wir noch auf der Liste. 

Gleich ums Eck liegt das Weingut Manincor. Auch hier wurde in den letzten Jahren an einer Erweiterung gebaut. Um das Ensemble aus altem Ansitz von 1609 und Lanschaftsschutzgebiet nicht zu stören, entschieden sich die gräflichen Eigentümer zusammen mit den Architekten Walter Angonese und Rainer Köberl den gesamten Neubau unter die Weinberge zu legen. So entstanden auf 3000m2 drei Geschosse für die unterschiedlichsten Zwecke der Lagerung und Produktion. Einen modernen Akzent und einzigen öffentlichen Bereich setzt der Degustierpavillon am Eingang neben dem Parkplatz in Holzbauweise mit einem wasserbedecktem Betondach. 

Letzte Station auf unserem Architektur-Wein Ausflug ist Nals bei Meran. Der Umbau und die Erweiterung der Kellerei Nals Margreid wurde 2011 fertig gestellt und sollte sich unter Verwendung von regionaltypischen Materialien wie Eichenolz und mit Porphyr rötlich durchgefärbtem Beton ins Ortsumfeld einfügen. Unübersehbar ist der oberirdische Barrique-Keller, der wie eine überdimensional große Weinkiste gestaltet wurde. Der mittig gelegene „Weinhof“ ist von einem riesigen Betondach überspannt und dient gleichzeitig als Arbeitsfläche und Eingangsbereich für die Besucher. In der Vinothek 1764 kann man zahlreiche Weine probieren, die auf den 173 Hektar der Genossenschaft produziert werden. 

AEON

Am nächsten Vormittag brechen wir auf zur nächsten Station unserer Reise. Weit ist die Fahrt nicht, das erst im letzten Jahr fertig gestellte AEON liegt oberhalb von Bozen.  Von Oberbozen aus geht es noch ein paar Kilometer durch den Wald, bis man irgendwann an ein großes Tor kommt, welches sich wie von Geisterhand öffnet und eine lange Einfahrt freigibt, die zum Gebäude führt, welches wie ein Raumschiff in der Landschaft steht.

Das Hotel ist das neueste Projekt der Familie Ramoser vom angrenzenden Lobis-Hof. Umgesetzt von den noa* Architekten aus Bozen besteht es aus zwei Gebäuden mit rautenförmig verschachtelter Holzfassade, die völlig frei auf einer riesigen Wiese stehen. Verbunden durch einen begrünten Tunnel, der sie verbindet. Zum einen gibt es den öffentlichen Teil mit Empfang, Restaurant, Bar und der Wellnesszone im oberen Geschoss, zum anderen einen private Teil mit den 15 Gästesuiten. Diese sind –wie alle Innenräume- in blau und beige gehalten. Eine scharf geschnittene Trennlinie verläuft durch den Raum und teilt so sogar den Tisch und das Bett konsequent im Verhältnis 2/3 zu 1/3. 

Wir fühlen uns von Anfang an wohl. Die Gäste, die über den Feiertag kommen stecken noch im Stau am Brenner und so ist es vollkommen ruhig. Am Nachmittag wollen wir eine kleine Wandertour machen, gehen vorher aber noch eine Runde im Pool schwimmen und genießen die Aussicht auf die Berge, die Wiesen, die Kühe. Es ist die Entspannung pur! 

Das Hotel ist nur für Erwachsene und eigentlich ein Bed&Breakfast, was viele Gäste zunächst verwirrt. Zweimal in der Woche (Donnerstag und Samstag), kann man im Bistro oder auf der Terrasse zu Abend essen und aus eine kleinen feinen Karte auswählen. An den anderen Tagen geben die Mitarbeiter gerne Tipps für die Umgebung und übernehmen die Reservierung. So soll man auch mal raus kommen und sich überraschen lassen vom Angebot in der Region.

Nach zwei Tagen geht die Reise weiter. Wir müssen uns wirklich losreisen, wären sehr gerne noch geblieben an diesem wunderbaren Ort. Aber wir kommen wieder. Ganz bestimmt. Auch, um zu sehen, wie er sich weiterentwickelt. Wir wie hören, wird schon über eine Erweiterung nachgedacht…

Fotos und Text: Markus Haub & Susana de Val

Concorso d’Eleganza Villa d’Este

Eleganz und Schönheit en masse gibt es beim Concorso d’Eleganza in der Villa d’Este zu sehen, die dieses Jahr ihr 150 jähriges Bestehen feiert. Ein ganzes Wochenende lang buhlen die Besitzer einiger sehr seltener, sehr schöner oder auch sehr originaler Fahrzeuge um die Gunst des Publikums und der Jury. 

Am frühen Morgen – während einige Gäste noch beim Frühstück sitzen- haben die anderen schon ihren Wagen in die vorgesehenen Parkposition gebracht und putzen hier und da noch ein wenig, um auch wirklich alles in bestem Licht erscheinen zu lassen. Gleich am Eingang steht eine Armada von M-Modellen von BWM und man merkt schnell, dass die Marke mit den drei Streifen hier den 50. Geburtstag feiert. Einige weitere Sportler sollten noch auf dem Gelände verteilt zu finden sein. 

Gleich daneben einige Konzeptfahrzeuge und Prototypen, die in einer eigenen Klasse antreten. Bugatti Bolide, Zagato Mostro auf Maserati Basis oder der Porsche Marsien vom Tuner Marc Philip Gemballa. 

Langsam füllt sich das Gelände mit weiteren Besuchern, die Frauen und Männer des Juroren-Teams drehen noch eine weitere Runde und bringen die Besitzer ins Schwitzen. Der Motor muss angelassen werden und auch Licht, Blinker und Hupe muss einwandfrei funktionieren, wie beim TÜV, sonst droht Punktabzug. 

Eine Klasse nennt sich „BREAKING THE SPEED BARRIER: PIONEERS THAT CHASED THE MAGIC 300kph“ und hier gibt es einiges zu bestaunen. Ein 288 GTO neben dem tahiti-blauen Lamborghini Countach LP5000S, einer von 29 Porsche 959S mit nur 885 Kilometern auf dem Tachometer und ein dunkelblauer Miura P400SV, der einst dem letzten iranischen Schah gehörte. Highlight ist aber der Aston Martin Bulldog von 1979 mit seinen hydraulischen, bis in den Schweller reichenden Flügeltüren. Er wurde in den letzten Jahren aufwändig restauriert und sein Besitzer Philipp Sarofin kann ihn hier voller Stolz zeigen und jedes Detail erklären. Er gewinnt damit den Publikumspreis „Coppa d’Oro“, ein riesiger goldener Topf! 

Ein weiteres Jubiläum wird mit der eigenen Klasse D gewürdigt: 75 Jahre Ferrari. Hier steht ein 375 America, 250 GT Zagato, 335S, 400 Superamerica Aerodinamica, ein 275 GTB/4, ein hellgelber 365 Daytona Spider und ein Dino 206 GT von 1968. Einer seiner Vorfahren ist wohl der 365 P Berlinetta Speciale Tre Posti. Einer von nur zwei gebauten Exemplaren mit drei Sitzen, eigenwilliger Proportion und 12 Zylindern im Heck. Nicht umsonst gewinnt er seine Gruppe. 

Wir schlendern weiter übers Gelände, geniessen den Blick auf den See, die vorbeifliegenden Wasserflugzeuge, die Riva Boote. Die Sonne brennt ganz schön. Recht ungewöhnlich für Mai, haben wir doch auch die Präsentationen hier schon im strömenden Regen erleben dürfen. Besser so! 

Die Klasse „E“ steht etwas abseits in der hinteren Ecke. Ihr sind reinrassigen Rennwagen gewidmet. “Win on Sunday, sell on Monday” ist der Untertitel unter welchem sich Racer der 50er Jahre bis in die 2000er gruppieren. Maserati A6 GCS MM, Aston Martin DB4 GT, ein Porsche 356 B Carrera Abarth GTL oder ein Ferrari F40 LM. 

Über Mittag machen wir einen Abstecher zur Villa Erba. Ein Shuttle Boot bringt uns direkt zum Anleger des großen Parks, wo in den Vorjahren am Sonntag für das Publikum immer nochmals die Teilnehmerfahrzeuge des Concorso ausgestellt waren. Dieses Jahr wurde dort unter dem Titel „Cars & Weisswürscht“ eine neue Veranstaltung ins Leben gerufen und Raum für Clubs und Fans mit ihren eigenen Fahrzeugen geschaffen. Viel BMW natürlich, aber auch einige andere Fabrikate waren zu sehen. Ziemlich überraschend finden wir in einer Reihe von Ferraris das von Marcello Gandini entworfenen Showcar Bertone Rainbow auf Ferrari 308 GT4 Basis. Mit seinen scharfen Kanten ein echter Hingucker in der meist rundlichen Autowelt. 

Wieder zurück in der Villa d’Este ist erstmal Mittagspause, um allen die Gelegenheit zu geben, sich etwas zu stärken. Wir drehen nochmal eine Runde ums Hotel und sehen uns den Rolls Royce Boat Tail an. Es ist der zweite von insgesamt drei Exemplaren, welches zum Preis von geschätzten 20 Millionen Euro an einen Kunden übergeben werden kann. Mit Picknick-Korb und Sonnenschirm, Ausklapp-Tischchen und Champagnerkelch bestückt kann er es sich am Wochenende bei einer Ausfahrt bequem machen. Oder aber in Zukunft sicher mal am Concorso d’Eleganza teinehmen. 

Etwas günstiger wird der neue BMW XM sein, den wir uns in einem geschlossenen Pavillon anschauen können. Hier herrscht aber Knipsverbot, Kameras und Mobiltelefone muss man am Eingang abgeben, um die endgültige Form noch nicht zu enthüllen.

Dann startet auch schon die große Schlussparade vor Jury, Journalisten und Besuchern, die Simon Kidston wie immer aufs galanteste moderiert. 

Den Anfang macht der BMW Turbo X1 von 1972. Einer von nur zwei existierenden Exemplaren, die nur selten den Weg aus dem Museum ans Tageslicht schaffen. Er ist eines meiner absoluten Lieblingsautos, wohl auch wegen der leuchtroten Farbe, die damals im Zuge der Sicherheitsbewegung aufgesprüht wurde. Paul Bracq hat ein echtes Meisterstück gezeichnet und der Einfluss auf den späteren M1 ist unverkennbar. Dann kommen die Conceptcars von Zagato, Touring, Scuderia Cameron Glickenhaus oder De Tomaso. Das Publikum ist begeistert und es ist wirklich fantastisch so viele verschiedene Boliden fahren zu sehen und auch zu hören. Wenngleich sie nur Schrittgeschwindigkeit fahren und beim Einparken so ihre Schwierigkeiten haben. 

Der Bugatti Type 59 Sports aus der Sammlung von Fritz Burkard von 1934 fährt an den Zuschauern vorbei und erntet großen Applaus. Er gehörte einst König Leopold III von Belgien und ist komplett unrestauriert. Für seinen Auftritt wird er mit dem FIVA Preservation Award belohnt. Kurz gesellt er sich zu seinem Nachfahren, dem Bolide von 2020. 86 Jahre trennen die beiden und dennoch vereint sie die Faszination am technisch Machbaren. 

Die “Trofeo BMW Group” für den Best of Show geht an den Bugatti 57 S von 1937 von Andrew Pisker aus Monaco. Die Symbiose aus technischen Exzellenz und einer von aufregender Eleganz geprägten Cabrio-Karosserie überzeugte die Jury. Glückwunsch! 

Concorso d’Eleganza Villa d’Este

Fotos und Text: Markus Haub & Susana de Val

FuoriConcorso __Sonderwunsch

FuoriConcorso nennt sich das neue Format, welches parallel zum Kult-Event Concorso d’Eleganza stattfindet und so den Comer See in diesen Tagen zum Zentrum für automobile Kultur werden lässt. Die dritte Ausgabe findet an drei verschiedenen historischen Villen statt, die über einen Fußweg verbunden sind.

„Es soll sich hier eine Art Como Car Week nach dem Vorbild von Pebble Beach etablieren“, erzählt uns der Initiator und Mastermind hinter dem Event Guglielmo Miani im Interview. „Mit dem FuoriConcorso suchen wir im allgemeinen ein jüngeres Publikum und konzentrieren uns auch auf jüngere Fahrzeuge. Aber die Enthusiasten kommen aus allen Altersgruppen und allen sozialen Schichten. Deshalb wollen wir auch einen Teil der Veranstaltung -der des ‚Open Museums‘- an allen beiden Tagen frei für alle Zuschauer zugänglich machen.“
Auf die Frage, was er meisten an der Organisation geniesst, sagte er „Die Fahrzeuge auszusuchen und sie in einer perfekten Ausstellung zu inszenieren, gleichzeitig mit den besten Firmen und Institutionen zusammenzuarbeiten und so stets etwas unerwartetes zusammenzustellen. Dabei inspirieren mich die Leistungen der Ingenieuren, der Kreativen und auch den Menschen, die noch immer mit ihren Händen an den Autos arbeiten.“
Die Liste seiner Lieblingsfahrzeuge ist lang, neben der Marke McLaren und deren Streben nach maximalem Leichtbau und Höchstleistung hat er derzeit aber auch ein Faible für die Porsche aus der Exklusivabteilung, die ganz nach den Wünschen ihrer Besitzer ausgestattet wurden und den Höhepunkt des Porscheangebots darstellen. Und genau diese sollen auch das Thema des diesjährigen FuoriConcorso sein: Porsche SONDERWUNSCH.

Wir besuchen die Ausstellung am Samstag. Am Morgen bildet sich eine kleine Schlange am Eingang der Villa Grumello. Ein par Fotografen haben sich schon früh eingefunden, um den 15 Hektar großen Park nach automobilem Kulturgut zu durchkämmen. Gleich an der Auffahrt steht eine Armada von 911ern, die wir schon am Vortag bei ihrer Anreise aus Stuttgart gesehen haben. Darunter ein brandneuer 911 Sport Classic aus der Heritage Design Linie, ein 992 Carrera S „Sonderwunsch“ mit 935 Sachs Design Beklebung oder auch ein silbernes F-Modell von 1972. 

Kaum hat man die Rampe erklommen, steht man vor der Villa und sieht Unglaubliches. Ein orangener und ein burgundroter 959, zwei der sieben sehr individuellen Supersportlern, die damals extra für Scheich Abdul Aziz Khalifa Althani aus Katar angefertigt wurden. Porsche Logos wurden durch das Familienwappen ersetzt, teils aus 24-karätigem Gold. Die Auspuffrohre sind vergoldet und Zierstreifen ziehen sich über die Flanken. Der Innenraum ist mit passendem, farbig abgestuften Leder ausgestattet und Holzapplikationen versehen. 

Gleich daneben steht ein 996 Turbo Cabrio und ein 991 Speedster in arrowblue und speedyellow. Dazu passende Instrumente und ein mit Leder eingefasstem Kofferraum. 

Klasse ist auch der 992 GT3 von Paolo Barilla, den er im Look des 956 bestellte, mit welchem er 1985 Le Mans gewonnen hatte. In den charakteristischen Farben sommergelb, schwarz und weiss lackiert und der Startnummer 7 auf der Haube und den Türen. Die Zentralverschluss-Felgen sind vorne weiss und hinten gold. 

Ein Fussweg führt uns weiter entlang am Comer See zur nahegelegenen Villa Sucota, dem zweiten Schauplatz der Veranstaltung. Hier stehen einige Porsche Designstudien, die schon lange nicht mehr aus dem Museum in Stuttgart geholt wurden. Der perlmutt-farbene Speedster 3,2 Clubsport war einst der Star der 1987er IAA in Frankfurt (link), danach hatte ich ich ihn nur noch einmal auf dem Nürburgring 2013 gesehen. Aber hier, unter der Sonne Norditaliens sieht er einfach fantastisch aus. Daneben steht der 1987 präsentierte 928 mit vier Türen, von dem zwei Prototypen in Zusammenarbeit mit American Specialty Cars (ASC) entstanden sind. Quasi der Familienporsche, der erst Jahre später Realität werden sollte. 

Als dritte Konzept Studie steht im Kiesbett der 968 Speedster von 1991 in türkis. Während die Front fast unverändert zum Serienmodell ist, hat er eine schrägere Frontscheibe und ein eigenständiges Heck. Im Innenraum zeigt er sich spartanisch, stimmt uns aber in einigen Details schon auf den 1993 kommenden Boxer ein.  

Wir gehen vorbei am 918 Spider, dem 911 Vision Safari und dem noch heute etwas klobig wirkenden Cayenne Cabrio Concept und erkunden den Park. Wer Weg steigt steil an, die Aussicht wird immer spektakulärer, aber auch erste Schweisstropfen bilden sich auf der Stirn, denn es ist unglaublich heiss. Der Klimawandel ist auch am Comer See zu spüren. In einem kleinen Pavillon hat sich Leica einquartiert und zeigt seine neuesten Produkte, die man auch gleich mal testen kann. Der Ausblick von hier ist wirklich grandios. Alle paar Minuten startet ein Wasserflugzeug vom nahegelegenen Aero Club Como. 

Nur ein paar Schritte entfernt in einem zum Showroom umfunktionierten Gewächshaus lädt uns der Prosecco Hersteller Villa Sandi zur Verkostung ein. Eine willkommene Pause und nach ein paar Gläschen ziehen wir weiter durch den riesigen Park. 

Im oberen Bereich gibt es eine Chill- Out Lounge mit weiteren Highlights, die wie beiläufig unter einem Baum im Schatten stehen. Eines von nur 15 gebauten 964 Speedster Turbolook in Ferrari-gelb, daneben einer von 15 existierenden 911 WTL Speedster (G-Modell) von 1989. Die beiden sieht man nicht so oft zusammen. Das Trio komplettiert ein blauer Speedster der Serie 997, einer von 356 Exemplaren. 

Am Nachmittag gibt es eine Diskussionsrunde zum Thema „The vision of Porsche Exclusive Manufaktur“ bei der der Design Chef Michael Mauer, Michael Fabio aus der Sonderwunsch Abteilung, und Luca Trazzi, Designer und Sammler ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und über die ausgefallenen Wünsche einiger Klienten. 1955 bestellte ein 356er Kunde einen Heckscheibenwischer für sein Auto. Nach einigem Tüfteln, gelang es die Aufgabe umzusetzen und das war der Ursprung der Sonderwunsch-Abteilung. 

Als die Hitze am Abend nachlässt, wird die Stimmung gelöster und der Garten füllt sich mit geladenen Gästen, die sich zu Cocktails, Häppchen und Musik vergnügen. Eine feine Feier, der wir noch ein Weilchen beiwohnen, eher wir zurück zum Parkplatz gehen, der direkt an der Villa Olmo liegt. Dies ist der dritte Schauplatz und man kann einige Stücke der einzigartigen Sammlung des MAUTO, des Turiner Automobilmuseums im Park bewundern.  Darunter das von Ghia entworfene Aerodynamik Fahrzeug Nibbio II von 1955 mit einem Moto Guzzi Einzylinder-Motor oder der Ferrari 500 F2 von 1951, auf dem Alberto Ascari  zwei Weltmeisterschaften holte und den Enzo Ferrari höchstpersönlich dem Museum vermachte. 

_______________________Villa Olmo

FuoriConcorso

Fotos & Text: Markus Haub & Susana de Val

Sunset Drive 2022#2

Mittwoch, tolles Wetter, 30 Grad! Beste Voraussetzungen also, um mal wieder mal einen Sunset Drive zu machen. 

Treffpunkt war das Hofgut Laubenheimen Höhe, schöner Blick nach Frankfurt inklusive. Der geplante Treffpunkt-Parkplatz war belegt, also reihten wir uns auf dem Anfahrtsweg auf. Zur Freude oder Leid einiger Besucher. Je nachdem. 

Los ging’s am Rhein entlang nach Nierstein. Hier ging irgendwo schonmal ein Teil der Truppe verloren. Nach einer Wartepause am Straßenrand waren alle Schäfchen wieder in der Herde und weiter ging’s nach Friesenheim, dann nach Süden bis Bechtheim. Monzernheim, Hochborn, vorbei an den gigantischen Windmühlen, die für die Elektroautos den Strom produzieren. Wir lauschen derweil dem Brummen unserer Motoren. Ein Stück Autobahn bis Wörrstadt, dann auf die L414, um nochmals auf die Verlorengegangene zu warten. Diese kommen aber nicht, sondern sind schon auf direkterem Weg zum Endpunkt kurz vor Engelstadt gefahren. Hier waren dann endlich wieder alle beisammen.

Bei Sonnenuntergang und Bierchen geht die Sause zu Ende. 


Fotos: Markus Haub

Dino Register Deutschland__Frühjahrsausfahrt

Uii, das war fein! Die Sonne hat gestrahlt, als wär’s schon Sommer und die Strecke war eine Wonne. Schauplatz der Frühjahrs-Ausfahrt des Dino Register Deutschland war der Odenwald und Spessart. Dünn besiedelt und sehr idyllisch. Ideal also, um die Regionen zwei Tage lang mit den alten Autos unter die Räder zu nehmen. 

Basis war Amorbach im bayerischen Odenwald und geparkt wurde im Marstall. Unsere Pferde also da, wo früher die des Fürsten standen. Die ganze Dino Palette war dabei, sogar ein Stratos rundete das Familientreffen ab. 

Basis war Amorbach im bayerischen Odenwald und geparkt wurde im Marstall. Unsere Pferde also da, wo früher die des Fürsten standen. 400 Kilometer sollten am Samstag und Sonntag Vormittag abgefahren werden und das Feiern kam am Abend auch nicht zu kurz. Ein anstrengendes, aber wunderschönes Wochenende also! Hier ein paar Impressionen.