IAA Frankfurt 1989

Die IAA in Frankfurt gab es fast schon ewig. Erst in Berlin oder Hannover, dann ab den 50ern regelmäßig in Frankfurt. 1989 fand sie zum letzten Mal als Messe für PKW und LKW gleichzeitig statt und erzielte einen Besucherrekord mit 1,23 Millionen Personen. 2019 war dann Schluss. Ab diesem Jahr soll sie in verändertem Format in München stattfinden. Wir sind gespannt.


1989 war ich 17 Jahre alt und schon schwer autobegeistert. Mit meinen Freunden Oli und Johannes stürzten wir uns ins Gewühl, stöberten wir die heißesten Sportwagen oder Concept-Cars auf und konnten uns an ihnen nicht satt sehen. Selbst vor fettem Luden-Tuning schreckten wir nicht zurück. Gemballas Porsche oder Koenig Specials Ferrari Testarossa wurden genauso bestaunt wie Lamborghini, De Tomaso oder Lotus.  

Schaue ich meine alten Fotos durch, kann ich an der Anzahl der Aufnahmen gut ablesen, für welche Modelle  ich mich besonders begeistern konnte. 

Ganz oben natürlich die Traumwagen jener Zeit. Der Lamborghini Countach in der letzten Evolutionsstufe „25 Anniversary“ oder der Isdera Imperator. Dodge Viper, Honda NSX, Nissan 300ZX oder der Alfa Romeo SZ .

Der Ferrari 348 hatte Weltpremiere und löste den 328er ab. Er war damals bei der Vorstellung bereits für 6 Jahre ausverkauft! 

Zender stellt nach dem Vision 1, 2 und 3 in diesem Jahr den Fact 4 vor, das erste straßenzugelassene Auto mit Kohlefaserkarosserie, angetrieben von einem V8 Audi Bi-Turbo Motor. 

Design-Studien gab es auch einige zu sehen. VW baute den „Futura“, ein viersitziger, minivanartiger Technologieträger, der schon eine Art Navigationssystem, Verkehrsleitsystem, selbstlenkende Einparkhilfe oder Panoramadach hatte. 

Knaller war jedoch der Porsche Panamericana. Auf Basis des 911 Carrera 4 baute Harm Lagaay und seine Designer einen froschartigen, türkisgrünen Roadster mit Reisverschluss-Verdeck. Auch war das Auto ein Geschenk an Ferry Porsche zum 80sten Geburtstag. Diese -so ist überliefert- war allerdings nicht begeistert und man sollte ihm das Ding schnell aus den Augen schaffen. 

Ein anderes Conceptcar sollte mich auch nachhaltig inspirieren. Der schon 1988 auf dem Turiner Salon vorgestellte Bertone Genesis mit 12-Zylinder Lamborghini Motor  stand nun nochmals in Frankfurt. Riesige Flügeltüren schwenkten mit der halben Windschutzscheibe nach oben. Man saß über dem Vorderrad, gleich neben dem riesigen Motor.

Ebenso stand der Prototyp Ghia Via in Frankfurt. Eine Art viertürige Sportwagen mit extrem kurzem Überhang. Bei SEAT konnte man den von Giugiaro gezeichneten „Proto T“ sehen, der einen Vorgeschmack auf den Toledo gab und Renault zeigte uns nochmal die bereits im Vorjahr präsentierte Allrad-Limousine „Megane” mit Schiebetüren und „Jet Feeling“ und viel Platz im Innenraum. Die Heckscheibe war schiebbar und verwandelte den dreivolumigen Körper so in einen Kombi. Es war Patrick Le Quements erster großer Auftritt als Design Chef und er sollte in den folgenden Jahren mit einer ganzen Reihe von aussergewöhnlichen Concept Cars für Aufregung sorgen und die Messlatte in Sachen Design ganz hoch legen.

Fotos: Markus Haub