Die „Tour de la Baguette“ geht in die vierte Runde! In diesem Jahr haben wir uns die ultimative Nord-Süd-Achse Frankreichs vorgenommen und Jan hat die tolle Route detailliert ausgearbeitet und im Roadbook verewigt. Nach Beaune mit drei 911 und einem MX5 und dann durch das Kurvenparadiese des Zentralmassivs, der Auvergne und der Cevennen bis ans Mittelmeers nach Sète. Zwischen Pinot Noir und Pannenset haben wir eine tolle Woche auf den bisher wohl einsamsten Straßen aller Touren verbracht, viele Kühe gesehen, in Schlössern gewohnt und wieder mal viel Käse gegessen.

Tag 1
Startschuss in Mainz. Der erste fiese Regen ließ nicht lange auf sich warten und klatschte unbarmherzig gegen die Windschutzscheiben. Die Scheibenwischer im Dauereinsatz, die Laune dennoch top. Kilometerfressen bis zum Tagesziel nach Beaune.
Bevor die Kehlen geölt wurden, stand ein Pflichttermin für das Auge an: Eine kleine Kultur-Tour durch das berühmte Hôtel-Dieu (Hospices de Beaune) mit seinen bunt glasierten Dachziegeln. Dann zum ersehnten Boxenstopp in der Bar 66 und danach noch lecker essen.





Tag 2
Der Regen hatte sich komplett verzogen. Wir verließen Beaune in Richtung Le Mont-Dore über die legendäre “Route des Grands Crus” umgeben von Weinbergen.
Vorbei am malerischen Canal du Centre steuerten wir den Konvoi auf ein echtes Stück Asphalt-Geschichte: die Route Nationale 7. Als wir durch Lapalisse rollten war zwar ziemlich tote Hose, aber dennoch lag Historie in der Luft. Alle zwei Jahre verwandelt sich der Ort bei einem riesigen Oldtimer-Festival „Embouteillage de la Nationale 7“ in ein rollendes Museum. Sie rekonstruieren den historischen Urlaubsstau der 50er und 60erJahre, den die Blechlawinen damals im Sommer regelmässig auf dem Weg an die Côte d’Azur verursachte. Nach dem Mittagessen bei der nächsten Pinkelpause gabs den ersten Schreckmoment. Jans Porsche wollte nicht mehr starten. Hektik machte sich breit und ein Anruf bei André in der Werkstatt ergab Fehlereingrenzung. Letztendlich war es der schlechte Kontakt einer Sicherung. Problem gelöst und erleichtert fuhren wir weiter durch den Vulkanpark der Auvergne und kommen am Nachmittag im Bergkurort Mont Dore an.
















Tag 3
Der Morgen begann sportlich. Erst mal Baguette, Wurst und Käse für das geplante Mittagspicknick kaufen und dann eine Runde über die 5 Kilometer lange Hillclimb Bergrennstrecke „Chambon sur Lac“ fahren, auf welcher seit 1961 Renn- und Tourenwagen in allen möglichen Klassen starten. Ziel ist der Col de la Croix Saint-Robert auf 1738m Höhe. Danach nahmen wir Kurs Richtung Süden über die „Route des fromages“ vorbei an Hunden, Pferden, Schafen und einer ausgebüchsten wilden Kuh. Fest im Visier: der Puy Mary, der stolze Gipfel der Vulkanlandschaft. Leider fing Lorenz’ Japaner an Mätzchen zu machen. Erst ging die Airbagwarnleuchte an, dann ging nichts mehr. Stop Ende aus, kein Saft mehr in der Batterie. Der Verdacht fiel schnell auf eine defekte Lichtmaschine. Der Japaner war aus dem Rennen. Abschleppen bis zu einem nahegelegenen See war noch möglich. Echte Baguette-Tourer verfallen nicht in Panik, sie improvisieren und planen erstmal das nächste Essen. Hier konnten wir in Ruhe auf den herbeigerufenen Abschleppen warten und die zuvor gekauften Naturalien auspacken. Wir hatten ja vorgesorgt.
Als der Mazda schließlich huckepack Richtung Werkstatt entschwand, änderte sich die Dynamik im Konvoi. Lorenz zog als Co-Pilot bei Christoph ein, und ab diesem Moment waren die drei Porsche 911 unter sich. Da Serge ursprünglich am nächsten Tag zu uns stoßen wollte, um mit Lorenz weiter zu fahren, musste er sich nun um einen fahrbaren Untersatz kümmern.
Mit etwas Verspätung ging es weiter und wir erreichten den in trübes Wetter gehüllten Puy Marie (1783m) und wenig später unser Domizil Chateau de Orfeuillette. Hier war am Abend eine Hochzeit geplant und der Hoteldirektor wollte und irgendwie aus den Füssen haben und hat uns deshalb in das Nachbardorf zum Spa und Abendessen gefahren und auch wieder abgeholt. War garnicht so schlecht.





























Tag 4
Nach ausgedehntem Frühstück ging es heute nach Laguiole. Das weltberühmte Dorf, in dem die feinen Taschenmesser mit der charakteristischen Fliege geschmiedet werden. Wir nutzten den entspannten Sonntagmorgen für eine kleine Tour durch die verschlafenen Gassen und eine ausgiebige Kaffeepause, um die Lebensgeister zu wecken.
Weiter ging die wilde Fahrt nach Saint-Chély-d’Aubrac. Hier kreuzt die Hauptroute des Jakobsweges die unsere und statt der Kühe liefen nun überall Pilger umher. Highlight für diese ist die Brücke aus dem 16.Jh, welche zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Auf der folgenden Kilometern kamen dann zur nächsten Panne. Vorne rechts ein komisches Geräusch, ein platter Reifen! So ein Scheiß! Also, Notrad aufpusten und montieren und in Schleichfahrt weiter. Es war Sonntag und die Hoffnung verlagerte sich auf den Folgetag und eine Werkstatt in der Nähe.
Beim Anblick unserer Bleibe für die nächsten zwei Tage verflog der Ärger schnell. Das Chateau de la Caze ist ein echtes Märchenschloss gelegen am Ufer des Flusses Tarn. Auch das Wetter hat sich in Richtung Sommer gewendet, es ist endlich warm und der Pool verschaffte eine willkommene Abkühlung.







Tag 5
Heute kommt Serge ins Team! Mangels fahrbereitem Klassiker rückte er im geliehenen Renault Mégane Cabrio an. Ein schmucker Youngtimer sozusagen. Einziger Haken: Der französische Selbstzünder unter der Haube rußte so dermaßen aus dem Auspuff, dass wir Serge aus Gründen des kollektiven Atemschutzes umgehend ans Ende des Konvois verbannten. Christoph ist eh schon Abgas-sensibel und hatte nichts dagegen.
Wir fahren eine große Rundtour um den Causse Méjean, eine gigantische Kalkstein-Hochebene im Département Lozère. Da unser am Vortag lädiertes Rad nach professioneller Hilfe verlangte, eierten Susana und ich also schon mal vor zum lokalen Reifenhändler nach Florac eine Stunde entfernt. Dieser war sehr hilfsbereit hat uns kurzerhand den Schlauch geflickt und den Reifen wieder montiert. Das Abenteuer konnte weitergehen!
Hier stießen wir auch wieder auf unsere Truppe und fuhren gemeinsam weiter durch die Cevennen – eine Landschaft so atemberaubend und wild, dass die UNESCO sie völlig zu Recht zum Weltkulturerbe ernannt hat. Es ist ein Geierschutzgebiert und das einzige in Europa, in dem alle vier europäische Geierarten gleichzeitig vorkommen und dauerhaft leben. Zum Mittagessen steuerten wir einen genialen Agrarladen mitten im Nirgendwo an. Statt Tankstellen-Einerlei gab es hier fantastische lokale Produkte und ein grandioses, selbstgebrautes Bier. Gut gestärkt ging es im Tiefflug weiter über Meyrueis, bevor wir die drei Elfer und das Cabrio am späten Nachmittag wieder standesgemäß am Schloss-Hotel parkten. Was für ein Tag!









Tag 6
Highlight des sechsten Tages war der den Mont Aigoual mit seiner auf 1567m gelegenen Wetterstation. Oben angekommen pfiff uns der Wind ziemlich um die Ohren, aber der Ausblick entschädigte für alles. Der Blick schweifte in die Ferne, und da war es endlich – das glitzernde Band des Mittelmeers am Horizont. Das Ziel war zum Greifen nah.
Auf dem Weg nach unten bauten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein. Serge lotste uns zu seinem Schloss, dem Château de Saint-Laurent-le-Minier im gleichnamigen Dorf mit Wasserfall. Am nächsten Tag wollen wir hier grillen, aber Lorenz und Christoph müssen ja schon die Heimreise antreten. Daher der kurze Stopp schonmal heute.
Unser Hotel ist auch wieder ein Schloss, das ChateauZen, welches nur wenige Kilometer entfernt liegt. Hier runden wir den Abend bei Schwimmbad, Aperol und Mückenstichen ab und freuen uns auf den nächsten Tag.


























Tag 7
Am Morgen des heutigen Grilltag bei Serge gingen wir zunächst mal einkaufen. Lamm, Wurst und Gemüse. Das wird fein! Dann eine kleine Runde bis zum Schloss und Feuer machen. Im Schatten ließ es sich gut aushalten und nach getaner Arbeit führte der Hausherr uns noch durch den weitläufigen Garten und erklärte uns das hochentwickelte historische Wassersystem aus dem 18.Jh. Ein 14 Meter hohes Mühlrad schöpfte Wasser in höher gelegene Terrassen und speiste die Wasserspiele, Brunnen und das Nymphäum. Ganz ohne Strom.
Ein Abkühlung im eiskalten Fluss war sehr willkommen und machte uns frisch für die Weiterfahrt nach Sète. Nicht ohne vorher noch ein klasse Drohnenfoto mit unseren Autos auf der Brücke vor dem Schloss zu machen. Die Gruppe reduzierte sich danach ein weiteres Mal und nun waren wir noch mit Sybille und Jan unterwegs.
Nach gut 100 Kilometern erreichten wir die Hafenstadt, genossen den Aperitif am Canal Royal und fanden auch noch ein leckeres Restaurant zum Abschiedsessen mit Austern und Champagner! Merci!








Wir hängten noch ein paar Tage in der Provence dran, fuhren über den Mont Ventoux, den wir im letzten Jahr nur aus der Ferne gesehen haben und besuchten zum Abschluss noch das Château La Coste mit seiner beeindruckenden Sammlung an moderner Architektur und zeitgenössischer Kunst. Dann auch ist für uns die Reise zu Ende, wir fahren heim nach Mainz und freuen uns auf eine neue Tour im nächsten Jahr.





Fotos und Text: Markus Haub & Susana de Val