Sick Alps Ride Thru

7 Tage, 2500 Kilometer und vier Länder

Das war mal wieder so eine Reise, bei der einiges anders lief als geplant!

Ich wollte mich ab Donnerstag mit Porsche-Freunden zu der von Moritz (@flat6high5) organisierten SICK ALPS RIDE THRU-Tour im Engadin zu treffen. Diese war schon von langer Hand geplant. Weil aber das Wetter so schön war, beschloss ich spontan einen Tag früher zu starten. Schon mal Strecke und Station in Südtirol machen. Bissi relax und lecker essen. Urlaub halt.

Auch wollte ich im Anschluss an die Ausfahrt am Sonntag noch einen Tag dranhängen. Eine runde Sache also. Soweit der Plan. Dass ich erst am Dienstag heimreisen würde, konnte ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht ahnen. Aber mal der Reihe nach:

Tag 1 (Mittwoch): Von Mainz nach Ratschings in Südtirol


Auf dem Weg nach Südtirol mache ich einen Stopp in Kempten. Der Fotograf Sebastian Hofmann (@thehoffshot) hatte mir einige Tage zuvor geschrieben, um gerne mal mein Auto zu fotografieren. Und das passte jetzt ganz gut, denn sein Wohnort liegt auf dem Weg. 

Als mache ich mich ganz früh auf die Socken, um gegen 12h dort zu sein. Nach vier Stunden Fahrt komme ich halbwegs pünktlich an. An der Ampel nach der Autobahnabfahrt fängt jedoch der erste Gang wieder an zu mucken. „So ein Scheiß“ denke ich. Das alte Problem ist wieder da. Gut 2000 Kilometer war Ruhe. Ich kann es nicht fassen und merke, dass ich hier nicht weit kommen werde.  Es ist wohl wieder das Kupplungsseil. Wie durch ein Wunder stehe ich nahe einem Industriegebiet und direkt an einer Porsche Werkstatt. Der alte Werkstattmeister nimmt sich meiner an und freut sich, mal wieder an einem alten Auto schrauben zu dürfen. Er stellt das Seil nach und dann kann ich wieder weiter. Vielen Dank an dieser Stelle an das Porsche Zentrum Allgäu. Sonst wäre meine Reise hier wohl schon zu Ende gewesen.

Mit etwas Verspätung treffe ich bei Sebastian ein und wir fahren zu einem alten, verfallenen Fabrikgebäude in der Nähe. Eine perfekte Kulisse zum Fotografieren. Es ist ziemlich heiß und die Sonne knallt ganz schon. Nicht ideal eigentlich aber es sind ein paar paar schöne Schüsse entstanden.

Dann fahre ich Richtung Füssen und weiter über den Fernpass. Hier ist richtig viel los. Der Feiertag steht vor der Tür und die Wohnmobile rollen schon wieder. Und LKWs sowieso. Am Brenner ist dann noch ein Maga-Stau und mein erster Gang fängt schon wieder an zu mucken. Ausserdem wird es immer heißer und ich muss dringend tanken und aufs Klo. Nach einer gefühlten Ewigkeit läuft es besser und ich fahre an einer Raststätte raus, um mal zu verschnaufen und auch den Motor abkühlen zu lassen. 

Um 18 Uhr komme ich im Hotel an. Die Tenne Lodges liegt ausserhalb von Sterzing in Ratschings direkt gegenüber eines Skilifts. Das Hotel ist recht neu, sieht ziemlich groß aus, hat aber nur 35 Zimmer. Alles recht luftig also für den Gast. Viel ist heute nicht los und ich werde nett von Elena empfangen, die mir mein Zimmer zeigt. Mir bleibt auch noch Zeit ein Ründchen zu schwimmen und mich dann in den Jacuzzi, der in die Felsen gebaut ist zu setzen und die letzten Sonnenstrahlen zu geniessen. Gegenüber auf der Wiese, wo im Winter die Skifahrer zur letzten Abfahrt ansetzen, grasen jetzt die Kühe und ich erhole mich von der stundenlangen Fahrt. Der Tag klingt beim Abendessen aus: es gibt Tagliatelle Nero di Sepia und Bio-Ochsenwange mit Vanille-Knoblauch Creme. Hmmmmmmm, das schmeckt!

Tag 2 (Donnerstag) : Sterzing- Scholl. Auf, zum Treffpunkt des Sick Alps Ride Thru


Nach dem Frühstück und einem zweiten Cappuccino auf der Terrasse starte ich in den Tag. Das Kupplungsproblem hat sich von selbst behoben. Vielleicht hängt es mit der Hitze zusammen. 

Zunächst geht es Richtung Innsbruck und den Jaufenpass (2094m).

Highlight wird aber das Timmelsjoch (2474m), welches ich im letzten Jahr schon mit dem Ferrari gefahren bin. Damals jedoch in umgekehrter Richtung. Auch hier, wo vor zwei Wochen noch bis zu 12 Meter Schnee lagen, ist ziemlich viel los. Radfahrer, Motorräder, Touristen halt. In einigen Kurven liegt noch immer recht viel Schnee. Die Kühe sind aber schon auf der Weide und rupfen am spärlich wachsenden Gras. Am Top Mountain Crosspoint mache ich Mittagsrast. Ein beliebter Treffpunkt für motorisierte Alpenfreunde. Ein Mofa und Vesparoller-Club macht Pause und auch eine BMW Z8 Gruppe hat ihre an die 20 Exemplare hübsch auf dem Parkplatz aufgereiht.

Auf der Abfahrt nach Sölden fängt es an zu regnen und auch der schöne Teil der Fahrt geht zu Ende. Weiter Richtung Schweizer Grenze und Reschenpass. Kurz vor Scuol kommt das Problem mit den Gängen zurück und ich kann mich gerade noch so auf den Parkplatz vor unserem Haus retten, welches wir für drei Tage gemietet haben. Die Kumpels sind schon da, haben den Grill angeschmissen und es sich gemütlich gemacht. Ich lade das Auto aus und trinke dann erstmal ein Bierchen.

Am Abend schaut Nicklas nochmal nach meinem Auto und forscht nach der Ursache. Ich bin froh, dass er dabei ist, denn er kennt sich super aus. Wir stellen das Seil nochmals nach, dann geht es wieder. Hoffentlich…

Tag 3 (Freitag). Scuol- Stilfser Joch- Scuol

8h Frühstück, 9:30h Start. Nach gemütlichen Fahrt geht es zum Reschenpass (1507m). Auf Parkplatz am Stausee bei der versunkenen Kirche, die als einziges Gebäude vor der Flutung des Dorfes nicht abgerissen wurde,  machen wir erste Pipipause.

Dann weiter hinauf zum Stilfser Joch, mit 2757 dem zweithöchstem asphaltierten Gebirgspass der Alpen. Hier sind wir leider nicht die einzigen. Der Verkehr ist brutal, fast wie im Himalaya bei der Besteigung des Mt Everest. Mein erster Gang kratzt wieder heftig und der Aufstieg wird zur Tortur. So wenig wie möglich schalten. Gut gesagt bei engsten Haarnadelkurven, Radfahrern und Gegenverkehr. An Stoppen und Fotos machen ist nicht zu denken. Oben angekommen erstmal auf den großen Parkplatz. Nicklas legt sich wieder unters Auto und dreht etwas am Seil. Ewig geht das nicht so weiter. Aber was will ich machen. Wir finden die Ursache nicht.

Auch die anderen bleiben nicht von Problemchen verschont. Mal streikt der Anlasser, die Batterie oder die Höhe macht den Vergasern zu schaffen und der Motor geht aus.  Alte Autos halt…

Die Mittagspause entstammt dem Kofferraum von Moritz und Kerstins 65er. Leckere Hirschwurst, Käse, Obst, Brot. Eine super Jause!

Bei der Abfahrt machen wir einen kurzen Schlenker zum Fotografieren, dann wieder zurück in die Schweiz.

Am späten Nachmittag sind wir zurück in Scuol und ich fahre kurz in eine Werkstatt, in welcher wir mal auf die Hebebühne können, um genauer nach der Ursache für das Problem zu forschen. Die Typen dort haben nicht so viel Ahnung. Eigentlich gar keine. Nicklas dafür um so mehr. Die Führung des Kupplungsseils könnte Teil des Problems sein, auch schiebt die Hülse an der es befestigt ist nicht ganz bis nach hinten. Wir stellen das Seil wieder nach. Zum vierten Mal nun schon. Ohje…

Am Haus angekommen ist erstmal Pause angesagt und wir haben noch Zeit ein Glas Wein am Brunnen zu trinken, bevor wir mit dem Bus ins Nachbardorf zum Essen fahren. Die Engardiner haben lustige Gerichte: Capuns, Pizzoccheri, Gerstensuppe!  Alles seeehr schmackhaft und nicht für Schlankschlemmer.

Am späten Abend kommt Susana pünktlich aus Zürich mit dem Zug an. Auf die Schweizer Bahn ist Verlass! Sie wird mich für den Rest der Tour begleiten.

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Tag 4 (Samstag): Scuol- Silvretta Hochalpenstrasse- Scuol


Heute geht es Richtung Osten nach Österreich, zur Silvretta Hochalpenstraße

Die Fahrt zieht sich etwas über Land und Tunnels, aber ab Ischgl wird es hübscher. Etwas weiter oben biegen wir rechts ab zum Kopssee, wo auch ein Gasthaus ist, um eine Tasse Kaffee zu trinken. 

Als wir los fahren komme ich nur bis vom Parkplatz runter, als es einen lauten Schlag macht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Kupplungsseil gerissen ist. Das ist mir nämlich schon mal passiert. „Das war’s“ denke ich. Die Reise geht hier zu Ende. Die ganze Gruppe macht wegen mir Zwangspause. Zu alle dem fängt es auch noch an zu regnen. Nicklas legt sich wieder unters Auto, um die Ursache zu prüfen. Tatsächlich ist es nicht das Seil, sondern ein gebrochener Spannstift am Kupplungspedal. Ein kleines simples Teil für 2 Euro hat sich soweit verbogen, bis es letztlich gebrochen ist. Das erklärt auch das Nachspannen des Seiles. Eine Reparatur ist hier oben nicht möglich. Also schwinge ich mich ans Telefon, um erstmal den ADAC anzurufen und den Abschleppwagen zu bestellen. Aber wohin sollen wir fahren? Es ist Samstag Mittag, aber vielleicht hat noch irgendwo eine Werkstatt auf. Ich freue mich sehr über die Hilfe aus der ganzen Gruppe, manche fragen im Gasthaus nach, fahren ins Tal zu einer Metallwerkstatt oder telefonieren mit Freunden, die helfen könnten. Das war wirklich super, vielen Dank an alle! 

Irgendwie war es mal wieder Glück im Unglück, dass wir hier am Rasthaus gestrandet sind. So konnte man die Wartezeit zumindest gut mit Kaffeetrinken überbrücken. Wenn das irgendwo am Berg gewesen wäre, eieiei.

Als der Regen aufhört kommt auch der Abschleppwagen. Er bringt uns in die Porsche Werkstatt nach Schruns. Das scheint die beste Adresse in der Nähe zu sein. Mit dem gelben Engel kommen wir in den Genuss die Silvrettastraße komplett zu fahren, noch dazu mit super Blick aus dem LKW Cockpit. Der Rest der Gruppe darf auf eigener Achse fahren und holt uns auch bald mit großem Hallo ein. 

Unser Porsche wird auf dem Gelände der Werkstatt abgeladen und bleibt hier bis Montag stehen. Erst dann werden wir erfahren, wie es weitergeht. Hoffentlich dauert die Reparatur nicht allzu lange.

Vom ADAC bekommen wir einen Leihwagen, den wir in Dornbirn abholen. Ein Dacia Duster Stepway. Was für ein Ersatz! Egal, er fährt. Und er fährt uns auch pünktlich zum Abendessen zurück nach Scuol. Bis auf das kleines Detail verläuft die Tour also nach Plan! 🙂 

Tag 5 (Sonntag): Scuol – Julierpass- Sankt Moritz. Die Tour geht weiter im Sandero…

Wir lassen den Morgen gemütlich angehen. Gestern ist es noch spät geworden. Die Gruppe teilt sich heute, die meisten reisen zurück nach Deutschland. Susana und ich hatten für heute noch eine schöne Tour geplant, die wir nun hat mit dem Sandero fahren. Über den Flüelapass nach Davos. Dann weiter über den Julierpass. Das Wetter ist fantastisch und die Strecke traumhaft schön. Auch kommen wir am Juliertheater vorbei. Ein 35m hohen Holzturm, der für drei Jahre in die Bergwelt gebaut wurde, um im Sommer Tanz- und Balletvorführungen zu zeigen. Kultur à la Swizerland. Das Ding steht wie ein Raumschiff in der Landschaft, wirklich ein besonderes Erlebnis es zu sehen. Man kann auch reingehen und die Blick von der obersten Etage aus jedem der Fenster in die Landschaft schweifen lassen. 

Weiter nach Silvaplana und Sankt Moritz. Hier fahren wir kurz mal durch, um su schauen, wo wir heute nicht einkaufen gehen. Bulgari, Gucci und Co. Unser Duster fällt gar nicht unangenehm auf! Weiter vorbei am Cresta Run und dann hinunter in Richtung Bernina Pass (2235 m). Hier, wo Europas höcht gelegene Alpenüberquerungsstrecke ist, ist heute nichts los und so haben wir die Strasse und den Blick auf den Gletscher fast für uns alleine. Im September werden hier wieder die alten Rennwagen beim Bernina Classic Weekend die Kurven kratzen. 

Am Nachmittag kommen wir in Zuoz, etwas nördlich von Sankt Moritz an. Das Hotel Castell ist von 1914 und wurde vor einigen Jahren grundlegend renoviert. Die Zimmer sind von zwei verschiedenen Architekten minimal gestaltet und die Hotelarchitektur wird von Kunstinstallationen bespielt, die eigens für die Örtlichkeiten geschaffen wurden.  Die Sammlung der Besitzerfamilie Bechtler, die das Hotel 1994 übernommen hat. Eine ganz besondere Kombination aus Tradition und Moderne. Vor dem Haus steht ein Turm von James Turrell, in dessen Innerem bunte Farben den nach oben hin offenen Raum beleuchten. Die Sitzbänke sind sogar beheitzt, um ihn auch im Winter zu besichtigen und beim Sternegucken nicht zu frieren.

Nach einem Schluck Gekühltem auf der Terrasse, haben wir noch Zeit für eine Runde im Hamam. Da kaum Gäste im Hotel sind, sind wir mal wieder komplett alleine und könne die orientalische Baseoase in Ruhe ausprobieren, bevor wir zum Abendessen gehen. 

Ein ganz besonders schöner Ort ist auch das kleine Suanahäusschen neben einem Teich, welches man hinter dem Haus findet. Man kann es zu jeder Tages- oder Nachtzeit buchen, muss nur 90 Minuten vorher Bescheid geben, damit es aufgeheizt werden kann. 

Tag 6 (Montag): Zuoz- Schruns. Wird der Porsche wieder fit??

Um 7:30h rufe ich in der Werkstatt an. Der Meister hat mein Auto schon stehen sehen und will sich die Sache mal anschauen. Um 10 Uhr rufe ich nochmal an. Es soll bis Mittag fertig sein. Das sind gute Nachrichten! Aber ob wir es noch bis am Abend nach Frankfurt schaffen, von wo Susanas Flieger geht ist fraglich. Wir müssen einen Plan B ausarbeiten. 

Als wir in Schruns ankommen, ist das Kupplungspedal repariert, jedoch muss das Seil noch weniger Spannung bekommen, um richtig kuppeln zu können. Also  noch mal auf die Hebebühne. Um 15h ist alles fertig. Allergrössten Dank an die Porsche Werkstatt von Rudi Lins für die tolle und rasche Hilfe!!!

Weil das Wetter gar so schön ist und wir es nicht mehr rechtzeitig bis nach Frankfurt schaffen können, entscheiden wir uns, den ganzen Tag im Montafon zu verbringen, buchen ein Hotel in Gaschurn und genießen den Tag. Und wie!

Nach einer Stärkung ist auch die größte Hitze vorbei und wir fahren rauf zur Mautstation der Silvretta Strasse auf 1051m. Wo wir zwei Tage zuvor mit dem Abschleppwagen runter gefahren sind, zwirbeln wir nun die knapp 1000 Höhenmeter hinauf zum Stausee auf 2032m und genießen den Blick auf den Piz Buin. Es ist unglaublich leer hier. Klar ist es schon Nachmittag, aber ich verstehe nicht, wieso manche Pässe total überlaufen sind, andere total verlassen. Das war übrigens schon am Samstag so.

Zurück am Hotel und haben den genialen Plan am späten Abend noch mal die Silvretta hochzufahren, um ein paar Fotos zu machen.  Es ist ja noch lange hell und die Strasse ist immer geöffnet. 

Silvretta bei Nacht…

Die Stimmung ist einzigartig. Hier oben ist jetzt niemand mehr. Nur noch ein paar Kühe überqueren in der Dämmerung schlaftrunken die Strasse und wir haben genügend Zeit zum fotografieren. Bis 22 Uhr bleiben wir und machen uns dann wieder auf ins Tal, um im Dorf noch eine Pizza zu essen. Im einzigen Restaurant, welches noch geöffnet hat. 

Tag 7: Schruns- Mainz. Die Heimreise

Heute reisen wir endgültig ab. Schade eigentlich, denn uns gefällt es prima. Wir machen noch einen Schlenker durch das Silbertal, über Sankt Bartholomäberg und dann ins Tal auf die Autobahn.

In brütender Hitze und mit offenem Fenster geht es Richtung Frankfurt. Durchgeschwitzt, aber pünktlich setze ich Susana am Flughafen ab und fahre weiter nach Mainz, wo der Porsche jetzt erstmal wieder Pause hat. 

Fotos: Susana de Val & Markus Haub

CREWSN Pop Up Frankfurt__Fotoshooting

Es ist Pfingstsonntag und das Wetter ist so lala. Also muss was Spontanes her. Ich hatte mich lose mit Moritz (flat6high5) in Frankfurt verabredet, um ein paar neue Ecken der Stadt zu erkunden. Er kennt sich ja bestens aus.

Am Nachmittag mache ich mich auf den Weg, nicht ohne eine Runde über den Feldberg zu drehen. Hier bin ich freilich nicht alleine. Motorradfahrer, Wanderer, Radfahrer. Man muss schon ziemlich aufpassen beim Kurvennehmen. 

Unterhalb des Gipfels auf einem Parkplatz mache ich einen kurzen Stopp zum fotografieren, als ein Rennradler seine Bergabfahrt unterbricht. Ich dachte schon, er fängt an zu mösern. Die meisten sind ja auf die Autofahrer nicht so gut zu sprechen. Schon garnicht auf die im Porsche mit forscher Gangart. Er aber schon. “Was denn das für ein Seitenfenster sei? Das habe er ja noch nie gesehen.” Ein „Eigenbau“ entgegnete ich und erkläre ihm kurz die Geschichte dazu. „Ah, und auch das Kennzeichen: GO. Wie die Porsche Presseautos und mit dem 901… Alles wirklich toll und sehr stimmig. Glückwunsch! Wirklich schön!“ sagt er und fährt weiter.  Ich freue mich und mache auch weiter.

Gegen halb fünf dann trudle ich in der Klassikstadt ein. Da war heute beim Sonntagstreff  „Big in Japan“ angesagt. Also standen die japanischen Autos im Rampenlicht, das war aber um diese Uhrzeit schon ausgeknipst und ich konnte in Ruhe parkieren und ein Stück gedeckten Apfelkuchen essen.  Habe übrigens nie verstanden, warum so Oldtimerveranstaltungen immer früh am Morgen beginnen und dann am Nachmittag-zur besten Tageszeit- zu Ende gehen. Da wird es doch gerade erst gemütlich!

Dann kommt Moritz vorbei, wir quatschen ne Weile und fahren dann zu einem leerstehenden Parkhaus in der Nähe, welches ich noch nicht kenne. Ein ziemliches Highlight eigentlich! Über eine schneckenförmige Rampe fährt man hinauf bis aufs Dach. Sie erinnert entfernt an das Guggenheim in New York.  Alles ist ziemlich verlassen, nur oben stehen eine ganze Reihe Nissan Geländewagen auf Halde. Man hat einen prima Blick auf die Skyline von Frankfurt und die Fotos gelingen auch. 

Für den Abend hat Moritz ein spontanes CREWSN Treffen im Forum angekündigt. Ein Pop Up CREWSN sozusagen. Vorher müssen wir noch Autotauschen fahren. Sein 964er muss dem 1965er Hotrod weichen. 

Gegen 20h ist Treffpunkt bei Morgen Interiors, quasi der Möbel Martin für gehobene Ansprüche. Dort, wo vor zwei Jahren schon mal ein größeres Meeting statt fand, kann man den Blick über das Hafenbecken, Container und Kiesverladeplatz mit Kränen und Baggern schweifen lassen. Perfekt also. Im Laufe des Abends kommen einige 911er Fans mit teilweise sehr spannenden Karren vorbei und trinken eine Pilsette mit. Einige sind bekannte Gesichter der Gruppe, andere sind dem Aufruf spontan über die WA Gruppe. Ein schöner 911 S von 1969, einige 964er (mit gaaaaanz wenig Kilometern!!!), G-Targa, undsoweiterundsofort..

“Contenance motherfuckers” lese ich auf einem der Aufkleber an Moritz Seitenfenster, als eine Gruppe junger Leute in komischen Verkleidungen auf uns zuläuft. Es waren nicht die einzigen an diesem Abend, den um die Ecke stieg eine Techno Party für die sie sich hübsch gemacht haben. Frohe Pfingsten aus dem Osten der Stadt! 

Ein gelungenes get together und nachdem die Dämmerung hereingebrochen ist, macht sich jeder glücklich und zufrieden wieder auf dem Heimweg. Nächste Woche geht es ja schon auf große Alpenfahrt, und da sehe ich einige Gesichter wieder…

70 Jahre Berliner Luftbrücke

Aus heutiger Sicht wäre es schlicht unmöglich. Und was wohl die Umweltschützer sagen würden? Man hatte damals tatsächlich 1,5 Millionen Tonnen Kohle nach Berlin geflogen. Mit dem Flieger!!! Durch die Luft!!! 

Aber was heute nach einem ökologischen Albtraum klingt, war zwischen 1948 und 1949 Realität und die größte humanitäre Hilfsaktion aller Zeiten. Die legendäre Berliner Luftbrücke. 

Unglaubliche 13 Monate lang versorgten Flugzeuge der Amerikaner und der Briten die von den Russen abgeriegelte Stadt mit Lebensmitteln und Steinkohle. Fast 280.000 Flüge waren nötig um die Stadt zu versorgen und am Leben zu halten. Eine logistische Meisterleistung. 

Die ersten Flüge gingen damals von der US-Base Wiesbaden-Erbenheim ab, wo am Pfingstmontag das 70 jährige Jubiläum des erfolgreichen Endes gefeiert wurde.  Aber auch an anderen Stützpunkten wird der Aktion noch bis zum 17.Juni gedacht. Die Maschinen der Typen DC3/C 47 , DC4 und JU 52 machen sich von den unterschiedlichsten Plätzen der Welt auf den Weg nach Berlin, um der heutige Generation zum ersten Mal die Geschichte der Luftbrücke sichtbar und erlebbar zu machen.

Die „Helden“ dieser weltweit einmaligen Solidaritäts-Aktion von damals waren die Flieger und Bodencrews der „Rosinenbomber“.  Der heute 98 jährige Gail Halvorsen war einer der Piloten und ist nochmals in einer alten Maschine angereist um von seinem ersten Flug1948 zu erzählen. Bevor er auf dem damals sich im US-Sektor befindlichen Flughafen Berlin Tempelhof landete, warf er Kindern die im Neukölner Stadtteil neugierig auf kleinen Trümmerbergen warteten, an kleinen Fallschirmen befestigte Süßigkeiten ab. Die Begegnung mit ihnen habe sein Leben verändert.

Von den damals beteiligten Flugzeugen existieren weltweit nur noch wenige Exemplare. Diese werden durch private Liebhaber, Stiftungen, Museen und Vereine mit großem Aufwand flugfähig gehalten. Ca 20 Stück konnte man am Sonntag in Erbenheim bestaunen und man wird eine solche Ansammlung wohl in naher Zukunft nicht mehr erleben können.

Auf dem normalerweise streng abgeriegeltem Gelände der Clay-Kaserne herrschte Volksfeststimmung. Seit mehr als 10 Jahren wurde sie nicht mehr für die Öffentlichkeit geöffnet. Sicherheit ging immer vor. Nun haben die Amerikaner eine Ausnahme gemacht und über 30000 Besucher kamen, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen. Konzerte im Hangar, Fressbuden, Infostände. In die meisten der Flugzeuge durfte man sogar einsteigen und sich von den engen Platzverhältnissen selbst überzeugen. Einige sind noch in der spartanischen Militärausführung , andere luxuriöser für Rundflüge ausgestatteten. Auch andere Flugzeuge konnte man bestaunen, auch Hubschrauber, riesige Feuerwehrautos und sogar ein Trabbi in Militärausführung war in der Ausstellungshalle neben historischen Fotos zu sehen. 

Die ersten „Rosinenbomber“ warfen Süssigkeiten, die an Fallschirmen befestigt waren über Berlin ab. Dies wiederholten sie am Sonntag symbolisch über dem Flugfeld und viele Kinder rannten ihnen entgegen. Freilich ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was dies damals nach dem Krieg für sie bedeutet haben könnte.

Fotoshooting Tour: Mit dem 308 GT4 in Frankfurts Osten

Es ist Sonntag Nachmittag und das Wetter ist schön. Eine gute Gelegenheit mal mit dem Ferrari eine Runde zu drehen und ein paar Fotos zu schießen. Der Frankfurter Osten bietet hierfür gute  Voraussetzungen. Das Industriegebiet, seine Containerterminals, die Hafenbecken und die Stahlbrücken sind eine schöne Kulisse. Hamburger Hafen in Miniaturformat. Dazu findet man immer neue Baustellen, Brache und Ecken in dem sich zum Hipster-Viertel wandelnden Stadtteil, um einen roten Italo-Flitzer in Szene zu setzten. Ich sollte nicht lange alleine bleiben, denn hier streunern einige Fotografen umher…Instagram ON!

Erster Stopp ist die Schmickbrücke von 1912. Wo unter der Woche die Brummis entlang donnern ist heute nichts los. Auch der kleine „Imbiß“ hat Ruhetag. Noch steht die Sonne recht hoch und ich beschließe, erstmal ein bisschen rumzufahren, um die Gegend zu erkunden. 

Vor der East-Garage steht eine kleine Tankstelle, ein Nachbau aus den 50er Jahren und die ist ein echtes Highlight! Ich wollte immer mal hin, habe es aber nie geschafft. Heute also endlich. Sie ist liebevoll bis hin zu kleinen Details im Büro ausgestattet und das rot und weiß passt prima zur Farbe des Ferrari. Es fehlt nur der Tankwart und die Sprit-Preise von damals und man hätte die perfekte Zeitreise vollzogen. 

Ich fahre weiter entlang der Bahnschienen am Hafenufer, wo vor zwei Jahren das erste Porsche CREWSN Event stattfand. In der Ferne sehe ich einen blauen 911er. Es ist Flo von 911garage_germany, der seinen Wagen ablichtet. Wir quatschen ne Weile und schon kommt auch noch sein Kumpel mit einem brandneuen AMG GTS dazu. Da hatten wir wohl alle die gleiche Idee! Unterschiedlicher könnten die Autos nicht sein. Wir machen ein paar Bilder, parken in den verschiedensten Formationen und ziehen irgendwann weiter. 

Es ist gegen halb acht und das Licht wird langsam besser. Also fahre ich wieder auf die andere Seite zurück zur Brücke. Mein Bruder hat seine Kinder im Bett und kommt mit seiner Pagode spontan dazu. Die wird dieses Jahr 50 und er will ein paar gescheite Bilder fürs Büro haben. Wie bestellt, kommt auch die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor. Der perfekte Sonnenuntergangs-Moment! 

Als wir so knipsen kommt ein Fotografenteam mit zwei Modells vorbei und fragt, ob er sie vor den Autos fotografieren kann. Klar, kann er! Da helfen wir doch gerne! ´Sieht auch ziemlich geil aus´, denke ich und mache ein paar „Making Of“ Schüsse. 

Zum Abschluss gehen wir nochmal auf den Containerparkplatz, wo jemand mit Pilonen einen Parcours aufgebaut hat. So interpretieren wir es zumindest und nutzten die Gelegenheit eiskalt aus, um ein paar flotte Runden zu drehen, die Motoren aufheulen zu lassen und uns wie Milchbubis mit ihren frisierten Mopeds zu fühlen. Zwischen den Containermauern hallen der Sechs- und der Acht-Zylinder ganz schön und weil wir ja nicht stören wollen, machen wir uns alsbald vom Acker und gehen noch gemütlich am Mainufer ein Wiener Schnitzel essen. Der perfekte Sonntag geht zu Ende!

31. Klassikertage Hattersheim

Hattersheim wird zu Knattersheim. Und das nun schon seit 31 Jahren. So lange nämlich treffen sich Klassiker-Freunde und invadieren das kleine Städtchen in der Nähe von Frankfurt. Im Park rund um den Weihersee sind die besten Plätze, die jedes Jahr von den selben Teilnehmern beschlagnahmt werden. Wie am Strand von Malle wird das Handtuch früh gelegt, bzw das Fahrzeug parkiert und es sich dann auf Campingstühlchen bequem gemacht.

Aber auch in den kleinen Gassen kann man sich hinstellen und nicht zuletzt auf der großen Zufahrtsstraße, die dieses Jahr besonders mit quer geparkten LKWs blockiert und gesichert sind. Eine pragmatische Lösung zur Terrorabwehr. 

Der Eintritt ist frei. Nicht zuletzt deshalb hat sich die Veranstaltung, die jedes Jahr Ende Mai stattfindet zu einer der größten seiner Art in Deutschland entwickelt. Finanziert wir das ganze meist durch Sponsoren und Spenden und auch durch den kostenlosen Einsatz der freiwilligen Helfer, die sich an allen Ecken um den reibungslosen Ablauf kümmern und jeden Teilnehmer nett mit einer Überraschungstüte empfangen. Meist Brot-und Butter Autos aus deutschen Landen der 60ern und 70ern findet man. Auch viele amerikanische Straßenkreuzer, die neben den europäischen Limousinen jener Zeit, wie von einem anderen Stern erscheinen. 

Eine Sonderausstellung wurde im alten Posthof zum Thema “Von Messing zu Carbon“ auf die Beine gestellt. Vielfältige Exponate von der Kutsche bis hin zum High-Tech Sportwagen stehen hier aufgereiht. Trabant, De Lorean, Porsche 914, Matra Murena oder Renault Alpine … Wer es dieses Jahr nicht geschafft hat, kann es ja nächstes Jahr versuchen. Und wer keine alten Autos mag, kann ja einfach nur zum Eisessen nach Hattersheim fahren.

Klassikertage Hattersheim

Zylinderwallfahrt 3

Schon seit drei Jahren organisiert Sebastian (@asphalt_kultur) die Zylinderwallfahrt. Eine Tour durch die Alpen mit Freunde, coolen Karren und viel guter Laune! Für dieses Jahr hat er uns eingeladen, was uns sehr gefreut hat. Und wir würden gerne wiederkommen.

Tag 1: Auf nach Italien!

Um 8:00 war zum Sammeln gerufen worden. Als wir um viertel nach acht auf das Gelände des ehemaligen Schlachthofs fahren, stehen fast alle Teilnehmer schon hübsch aufgereiht auf dem Parkplatz. „Morgenstund hat Gold im Mund“, denke ich ..und alle hatten wahrscheinlich schon mächtig Hummeln im Arsch oder wollten noch unbedingt einen Kaffee und ne Brezel verzehren, bevor es losging. An die 20 Autos sind dabei und die Sonne scheint aus allen Rohren. Es verspricht ein schöner Tag zu werden. Aufkleber aufs Auto und los!

Es geht in Richtung Süden. Ein Pipipause am Walchensee, dann Mittagspause im Schauerhof in Sterzing bei lecker Wiener Schnitzel. Ich ahne es schon, es wird eine Reise für alle Sinne. Und nichts für Schlankschlemmer! Meinen Vorsatz, mal etwas weniger zu essen verschiebe ich besser auf die kommende Woche.

Penser Joch

In Österreich tanken wir noch mal billig, bevor wir über die Grenze nach Italien fahren. Das Penser Jochist der erste Pass und er ist offen. Eigentlich. Dann aber doch nicht. Aber für uns schon. Also, aehh…wir fahren einfach an der Schranke vorbei und schlängeln uns die kurvige vom Schnee umsäumte Straße hinauf bis an die Anhöhe in 2211 Meter. Ganz schön frisch, aber ein paar Fotos muss man trotzdem schießen, die Kulisse ist zu schön. Auch werden einige Aufkleber auf dem Pass-Schild verteilt. Revier markieren nennt man das bei den Tieren. 

Hinunter nach Bozen und dann auf die Autostrada, bei Trient biegen wir ab in Richtung Roncegno Terme , wo unser Hotel ist. Genauer gesagt ist es eine Hotelfachschule mit Namen HTC (Hotel Tourism Campus) an welcher die Schüler drei Jahre lang lernen. Wir fühlen uns wie die Könige, denn sie sind alle super nett. Auch der Chef begrüßt uns freudig in perfektem deutsch und heißt uns willkommen. Wir hätten das Hotel exklusiv für uns und können und ausbreiten und ganz wie zu Hause fühlen. Am Balkon wird erstmal ein Banner mit Titel der Ausfahrt gehisst. 

Am Abend erklärt und der Chef noch mal alles und die Schüler kochen uns ein feines Vier-Gang-Menü. Knödel mit Käsesauce, Hirsch mit Polenta, Apfelstrudel… und Weine aus der Region. 

Auf der Terrasse könne wir auch noch sitzen und uns an der Bar bedienen. Wie im Urlaub…

Tag 2: An den Gardasee 

Am nächsten Morgen geht es mit etwas Verspätung los. Die eine oder andere Reparatur muss noch erfolgen. Das Wetter ist wiedermal deutlich besser als die Vorhersage. Das gefällt.

Es geht Richtung Gardasee, wo wir am Mittag ankommen und am Hafen von Riva del Garda parken. Das Essen ist mal wieder vom Leckersten, aber das will ich hier jetzt nicht noch mal ausschmücken. Es geht ja um das Fahren. 

Über kleinste Nebenstrassen toller Streckenführung geht es zurück in Richtung Trient und dann ins Hotel zum verschnaufen. Die gut 200 Kilometer wollten ja gefahren sein.

Als Empfang organisieren die Schüler für uns einen Aperitif und danach wieder ein leckeres Dinner. Bis spät quatschen wir auf der Terrasse über Tiger-Folierungen auf dem 911 oder andere wichtige Themen.

Tag 3: Hinauf zum Monte Grappa

Die schlechte Wettervorhersage hat und nun doch eingeholt. Es ist mäßig mit dem Hang zum Regen. Die Laune ist aber bombig und heute stehen schwierige Etappen auf dem Plan bzw. im Roadbook. Hauptziel am Mittag soll der legendäre Monte Grappa sein. Aber da muss man erstmal hinkommen. Viele Abzweigungen machen die Orientierung schwierig. Das Navi sendet und immermal andere Routenvorschläge, dranbleiben an der Gruppe ist nicht immer möglich und so kommen die einen oder anderen vom Pfad der Tugend ab. Die Passtraße hoch zum Gipfel ist der Knaller und wir geben ganz schön Gas. Das Kommunizieren mit den Walkie-Talkies macht das Fahren leichter, kann man doch vor entgegenkommenden Fahrzeugen warnen. Im Pulk macht das Fahren wahnsinnig viel Spaß. An einem Parkplatz machen wir nochmal ausgiebig Halt zum Fotografieren und um auf die anderen zu warten. Die dicken Holzstämme sind ein tolles Motiv. 

Ganz oben angekommen zieht sich das Wetter zu. Wir haben aber noch Zeit bis zum Mittagessen (waren wohl etwas zu flott) und steigen die Stufen zum Mahnmahl hinauf. Der Berg ist mit 1775 m die höchste Erhebung des Grappastocks, der südlichsten Gruppe der Dolomiten. Die Faschisten errichteten hier in den 30er Jahren ein unübersehbares monumentales Denkmal für die dort im ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten. An schönen Tagen kann man bis nach Venedig schauen. Heute leider nicht. Als es anfängt zu regnen gehen wir und Restaurant und schlagen uns mal wieder den Bauch voll. Bergab rollt es ja.

Im Nebel geht es wieder hinab, weiter Richtung Süden nach Romano d’Ezzelino, dann nach Pove del Grappa und nach wieder Norden. Das Ziel ist eine alte Bergrennstrecke, die eigentlich so gut wie niemand kennt. Sie führt von Valstagna über die SP73 hinauf nach Foza. Und hier, wo in den 70ern Sandro Munari im Lancia rennen fuhr, zirkeln wir nun die über 20 extrem engen Kehren und Kurven hinauf und bringen die Motoren auf Temperatur und halten so auch das Klima im Innenraum schön warm. Oben angekommen ist die Orientierung wieder mal schwierig und irgendwann stehen wir in einer Sackgasse bei einer alten Oma im Garten. Schnell drehen und weiter. Gut, dass nicht alle zusammengeblieben sind. Mit 20 Autos wäre das was geworden. In einem kleinen Kaff, dessen Namen ich vergessen habe, machen wir einen Stopp zum Sammeln und Espresso trinken. Nach reichlich Warten, funken und telefonieren, beschließen wir, dem anderen Teil der Gruppe entgegen zu fahren, um den letzten Teil der Strecke im Pulk zu verbringen.

Ein Pass steht noch an. Der hinauf zum Skigebiet Monte Bondone Vason. Er fordert noch mal strammes Kurvenkratzen und bringt die Differenzialsperre zum Einsatz, um durch die engen Kurven zu zwiebeln. Dann noch über den Col Perer und pünktlich zum Abendessen zurück ins Hotel, wo wir wieder ein Fest feiern und bis spät in Decken gehüllt auf der Terrasse sitzen.

Tag 4: Zurück nach München

Heute konnten wir etwas länger schlafen. Die Abreise steht auf dem Plan und wird individuell gestaltet. Einige müssen nach Stuttgart, Frankfurt oder nach Berlin. Die meisten nach München. So auch wir, den wir müssen erst am Sonntag zurück nach Mainz. In einer kleineren Gruppe fahren wir gegen 11:30 los. Claudia will unbedingt noch Wein kaufen und kennt ein schönes Weingut auf dem Weg. Bei Alois Lageder Paradeis machen wir im idyllischen Innenhof also einen Kaffee-Stopp und Kaufen Nudeln oder Wein. 

Der weitere Weg geht durch Kaltern und die grüne mit Wein bewachsene Landschaft. Dann weiter zurück, wieder über das Penser Joch. Diesmal unter anderen Wetterbedingungen. Es ist wieder gesperrt, aber nicht für uns. Bei Schneefall fahren wir die Passstraße hoch, oben ist es saukalt und wir fahren gleich weiter. Spätes Mittagessen dann in Sterzing, wo wir schon vor drei Tagen nett bewirtet wurden. Um 16h gibt es nur noch kalt. Zwei riesige Schinken/Wurst/Käse Platten werden fix für uns gezaubert, welche unsere Mägen wieder höher hängen. Bei Innsbruck wird die Orientierung noch mal schwierig. Wir verlieren einen nach dem anderen aus der Gruppe und Lorenz darf nicht mit auf die Autobahn, weil er immer noch keine Vignette hat. Irgendwie finden wir uns an einer Tankstelle wieder zusammen und fahren Richtung München. Da es schon halb neun ist, als wir in Grünwald ankommen, beschließen wir im verbliebenen Kreis noch gemeinsam zu Abend zu essen, um die Fahrt gebührend abzuschließen. 

Todmüde fahren wir ins Hotel und gehen dann früh schlafen.

Tag 5: Rückreise nach Mainz

Auch für uns ist heute Rückreise. Da wir aber noch den Vormittag etwas Zeit haben entschieden wir uns noch spontan ins nahegelegenen BMW Museum zu fahren. Autos gucken macht ja immer Spaß. Danach machen wir uns auf die Rückfahrt, die ohne Probleme verläuft. Wir bleiben von weiteren Reifenpannen, wie bei der Hinfahrt verschont…zu lesen HIER.

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Fotos: Susana de Val & Markus Haub

100 years Barcelona Motor Show__Automobile Barcelona

Die goldenen Zeiten der Automessen sind vorbei. Das weiß man in Barcelona schon lange, denn in den letzten Jahren wurde es immer mühsamer die Show irgendwie zusammenzubringen und mit Inhalt zu füllen. Von Weltpremieren will man gar nicht spechen. Die gibt es sowieso nicht und deshalb ist auch am Pressetag nichts los. 

Eine handvoll Leute schlendert durch die Hallen. Hier und da wird noch aufgebaut, für die Hostessen ist noch Gelegenheit, eingewiesen zu werden und einzig die Halle des Volkswagenkonzerns ist gut gefüllt. Besonders die Bar in der Mitte. Liegt wohl am Kaffee und Wein, der gratis ausgeschenkt wird. Drumrum stehen die Elektroneuheiten der verschiedenen Marken. Vom Seat El-Born, bis zum Audi Q4 e-tron. 

Zum 100. Jubiläum haben die Veranstalter aber trotzdem eine ansehnlichen Auftritt vorbereitet, der den am Wochenende kommenden Publikum gefallen dürfte. 45 Autohersteller sind gekommen (50% mehr als 2017), auch gibt es genügend Sportwagen zu sehen, die ja immer gut bei den jungen Burschen ankommen. Lotus, Ferrari, Aston Martin, Bentley oder Lamborginis stehen hinter den Absperrungen. Hispano Suiza glänzt mit einem riesigen Stand und ansonsten kann man sich über die Zukunft mit Elektroantrieb, autonomen Fahren oder Connectivity informieren.  Dazu kommt der spanische König höchstpersönlich, um die Messe , die nun offiziell „Automobile Barcelona“ heißt zu eröffnen. Wo gibt’s den schon so was? 

Auch wird eine große Sonderausstellung mit 29 Fahrzeugen zur 100 jährigen Geschichte aufgebaut. Diese war noch in der Mache, als ich heute mal durchgelaufen bin. Rasch werden noch Teppiche verlegt und Plakate aufgehängt. Zu sehen gibt es Ford T, Cord 8/12, Willys Jeep, Pegaso Z-102 Rabassada, Maserati Mexico, Seat 1500, Jaguar XK-8 bis hin zum Ferrari Testarossa und man kann in der Vergangenheit schwelgen. Die Sondershow wird am 11.Main eröffnet.

Automobile Barcelona

Urlaubsfahrt mit Hindernissen__ Hotel Nidum/Mösern___München

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So auch bei uns.

Vor dem Start der Zylinderwallfahrt Tour mit Freunden aus München am 1.Mai wollten wir noch ein paar Tage Urlaub in Seefeld verbringen und machten uns deshalb schon am Samstag auf den Weg in Richtung Alpen. Mit dem 9110101621er, denn der war ja wieder fit, nachdem die Schaltungsproblematik endlich gelöst worden war.  Wir fahren also extra zeitig in Mainz los, um am Nachmittag im Hotel zu sein. Bissi relaxen, bissi wandern vielleicht. 

Aber sehr weit sind wir nicht gekommen Auf der Autobahn bei Pforzheim zog das Auto plötzlich zum Fahrbahnrand und ich konnte mich noch auf den nahegelegenen Parkplatz retten. Ein platter Reifen vorne rechts. Scheiße, denn es ist Freitag Mittag UND ich habe nur ein Not-Faltrad Marke Continental aus den 80ern im Kofferraum. Das montiere ich und merke schon beim Aufpumpen mit dem Kompressor, dass es am Ventil Luft verliert. Weit kommen wir damit also nicht. Währenddessen telefoniere ich die Gegend nach einem Reifenhändler ab. Einer ist schließlich willig sich unserem Problem anzunehmen, macht aber um 11:30 dicht. Es ist 11:10h und wir das wird knapp. 20 Minuten später sind wir da und ein Mitarbeiter schaut sich unsere Sache an.

Problem eins: unser Format mit 15 Zoll hat er natürlich nicht. Ist etwas exotisch. Der Reifen ist durch die kurze Weiterfahrt auch nicht zu retten. Problem zwei: einen passenden Schlauch, der da reingehört, hat er auch nicht. (Schläuche sind heutzutage nicht mehr so gefragt, glaube ich…) Aber er will uns wirklich helfen, was ich ihn ausgesprochen hoch anrechne, denn wir wären sonst komplett am Arsch gewesen und hätten nicht weiterfahren können. Er holt aus dem Lager drei verschiedene Reifen, die ungefähr passen können. Einen alten Käfer-Reifen, den er aber gleich wieder aussortiert. Die Wahl fällt auf einen M+S Winterreifen, 15“ und ähnlich groß vom Umfang. Das Loch im alten Schlauch wird kurzerhand vom Gesellen mit zwei riesigen Flicken geflickt. Alles wieder zusammengebaut und montiert und wir können weiterfahren. Zumindest bis nach Österreich und nicht allzu schnell. Herzlichen Dank nochmals an die Firma Pneuhage Reifendienste!!!

Der Rest der Reise verläuft problemlos, aber ich fahre wie auf rohen Eiern und mit spitzen Ohren. Man weiß ja nie. An einer Tankstelle merke ich, dass der neue (alte) Reifen ebenfalls leicht Luft verliert und fülle nochmal auf. Eine Lösung für die ab Mittwoch startende Zylinderwallfahrt ist das also nicht. Da muss ein neuer Reifen her. Am Montag werde ich mich kümmern.

Endlich angekommen. Im NIDUM.

Gegen 18h kommen wir an unserem Hotel an. Das NIDUM liegt in Mösern bei Seefeld und man hat einen tollen Blick in die gegenüberliegenden Berge. Wir werden nett mit Prosecco empfangen und parken den Porsche in der Garage. Der hat bis Montag Pause. Das Hotel ist gut gefüllt, erstaunlicherweise mit recht jungen Gästen, die den Service und das Wellness-Angebot wohl zu schätzen wissen. Viele Alternativen gibt es aber auch nicht, denn um diese Jahreszeit machen die meisten Hoteliers auch mal Urlaub und haben dicht. 

Wir machen uns auf in den Spa-Bereich, der um 20h schließt. Vom mollig warmen Außenpool hat man einen super Blick ins Grüne. Nach all dem Stress mit dem Reifen können wir endlich durchatmen und uns hängen lassen. Der perfekte Ort dafür. Sehr schön ist auch das kleine Saunahäuschen, welches über eine Hängebrücke zu erreichen ist und von wo man ebenfalls einen schönen Ausblick auf die umliegenden Berge hat. Schwitzen mit Panorama. Wir erhaschen noch die letzten Sonnenstrahlen, planschen im Jakuzzi und dösen noch etwas auf den Liegen auf der Terrasse. 

Nach dem Abendessen gehen wir noch auf einen Absacken (Österreichischer Gin mit Rosmarin) an die Bar, wo sich ein Gesangsduo um die Stimmung kümmert.

Der nächste Tag

Am nächsten Tag wollten wir eine kleine Wanderung machen. Das Wetter ist nicht so dolle, es regnet leicht und ist saukalt, aber das schreckt uns nicht ab. Die Rezeptionistin empfiehlt uns eine schöne Route vorbei an drei Seen hin zur Wildmoosalm und dann runter nach Seefeld. 3-4 Stunden. Das machen wir. Unterwegs lässt der Regen nach und wandelt sich manchmal in Schnee, der auch noch hier und da am Wegesrand liegt. Nach ein paar Stunden kommen wir auf der Alm an und lassen und Bratkartoffeln mit Spiegelei kommen. So gestärkt gehts weiter nach Seefeld und dann zurück nach Mösern. Es fängt immer stärker an zu schneien und wir sind etwas durchgefroren, als wir ankommen und wärmen uns gleich mal im heißen Wasser auf, genießen den Wintereinbruch und fühlen uns wie die Affen, die in Japan im Winter in den heißen Quellen baden. 

Montag, auf nach München!

Es ist Montag und heute wollen wir in Richtung München aufbrechen. Über Nacht hat es weiter geschneit und alles ist weiß. Glücklicherweise sind die Straßen aber frei. Ich telefoniere mit einem Reifenhändler wegen des zu ersetzenden Pirellis. Er hat in auf Lager und ich kann gegen 14h vorbeikommen. Zuvor muss ich den in den letzten Tagen wieder platt gewordenen Reifen mit dem Kompressor aufpumpen. Das kenne ich ja schon…

Schloss Linderhof

Wir haben also den Vormittag noch Zeit und können am Schloss Linderhof vorbeifahren. Das liegt fast auf dem Weg. Eigentlich ein Traumziel, doch bei dem Schneewetter eher nicht so ideal für einen Besuch.

Wir machen eine Führung mit und bekommen alles haarklein von der Mitarbeiterin in einer Mischung aus Bayerisch und Englisch erzählt. Linderhof wurde in mehreren Bauabschnitten von 1869 bis 1886 nach dem Vorbild von Versailles errichtet. Es ist das kleinste der drei Königsschlösser und gilt als Lieblingsschloss des Märchenkönigs. Schon damals war es mit Elektrizität ausgestattet, konnte über ein durchdachtes Kaminsystem beheizt werden und hatte sogar ein Tischleindeckdich. Der Esstisch konnte durch eine Mechanik nach unten in die Küche gelassen werden, wurde gedeckt und wieder nach oben gefahren, so dass der König alleine speisen konnte. Im Park ließer die riesige Venusgrotte erbauen, die jedoch seit Jahren renoviert und die Arbeiten werden wohl auch noch fünf weitere Jahre dauern. 

Sie ist je nach Beleuchtung durch die elektrische Lichtanlage der Blauen Grotte auf Capri oder der Venusgrotte im Hörselberg aus Wagners Oper Tannhäuser nachempfunden und konnte mit sieben Öfen auf angenehme 20 Grad beheizt werden. Es gab einen Regenbogen-Projektions Apparat und eine Wellenmaschine um die Illusion perfekt werden zu lassen, wenn sich Ludwig auf dem See herumrudern ließ.

Der Reifen… 

Beim Reifenhändler angekommen erfahren wir, daß er den Pneu nicht montieren kann. Also packe ich den Reifen ein und muss wieder rumtelefonieren (danke für die vielen Tipps aus der Community!). Manche haben keine Zeit oder keine Lust oder der Mitarbeiter ist im Urlaub und überhaupt ist übermorgen Feiertag und alle schlafen schon. Schlußendlich findet sich ein Montagebetrieb im Umland, der uns hilft und den Schlappen endlich auf die Felge wuchtet. Mir fällt ein Stein vom Herzen, denn ich sah schon wieder die geplante Ausfahrt ins Trentino in Gefahr. 

München

Am Abend kommen wir endlich in München an und haben uns zum „Ersten Münchner Designer Stammtisch“ verabredet. Was für ein Spaß, was für eine Sauferei! Die, die dabei waren, wissen wovon ich spreche-soweit sie sich erinnern können .(Die auf dem Foto abgebildete Gruppe entspricht nur ungefähr der originären Stammtisch Besetzung. Im Laufe des Abends änderte sich dass immer mal. Und wo ist eigentlich Sebastian???) 

In München tut sich einiges in Sachen Autodesign. Die Chinesen sind schwer engagiert und rekrutieren gutes Personal für ihre Start-Ups, die hoffentlich nicht zu Close-Ups werden. Wilde Zeiten also. Abwarten…  

Touri-Tour durch die Stadt

Mit etwas Kater geht der Dienstag gemütlich los. Das Frühstück lassen wir sausen und widmen und gleich dem Kaffee und Mittagessen. So gestärkt erkunden wir die nahe gelegene Münchner Innenstadt zu Fuß. Frauenkirche, Rathaus, Maximilianstrasse, Hofbräuhaus. Wo man so als Tourist halt hingeht.

Wir enden in der Pinakothek der Moderne. Eigentlich wegen der Autos. Hier stehen einige Design Ikonen. Ein Porsche 911 (G), ein Tatra 87, NSU RO80, Citroen DS 21, Käfer Typ 11, ein Steyr 55 Baby, ein Adler Typ10 oder auch der Autonova Fam von 1965 von Pio Manzù und Michael Conradt. Er ist nur 3,50 Meter lang und bietet eine optimale Raumausstattung und Platz für fünf Personen.  Schlaues Ding.

Aber auch die Kunst kommt nicht zu kurz. Matisse, Picasso, Dali, Miro, Kirchner, Nolde, Delaunay, Kandinsky, Magritte, Schlemmer, Baselitz und Beuys… in den 35 Sälen hängt einfach alles was Rang und Namen und Bedeutung in der Kunstgeschichte hat. Die Sammlung ist wirklich riesig und absolut sehenswert! Und der Rhabarberkuchen in der Cafeteria ist auch sehr lecker…

Der Abend gehört Freunden, von denen wir einige jahrelang nicht mehr gesehen hatten. Es wird aber nicht so spät und auch nicht so feucht. Denn am nächsten Tag müssen wir früh raus und fit sein. Es geht zur Zylinderwallfahrt. Eine viertägige organisierte Ausfahrt nach Italien und darauf freuen wir uns sehr, denn es ist der eigentliche Grund unserer Reise nach München. Aber davon erzählen wir im nächsten Post…

Fotos: Susana de Val & Markus Haub

Hockenheim Historic__ Das Jim Clark Revival

Zugegeben, das Wetter war nicht so der Hit. Regnerisch und frisch war es am Freitag, als ich mich auf zum Hockenheimring aufmachte. Aber man wurde nicht entäuscht, denn es waren wieder mal fantastische Autos in den verschiedensten Klassen am Start.

Historische Formel 2, FIA Lurani Trophy, BOSS GP, Can Am oder Tourenwagen. Premiere feierte “A Gentle Drivers Trophy” mit GT Fahrzeugen und Tourenwagen der Periode bis 1965. Lotus Cortina, Porsche 356 oder ein Mercedes-Benz 300SL mit reichlich Patina. Das 50 jährige Jubiläum des Porsche 917 wurde ebenfalls gebührend mit zwei Exemplaren gefeiert. Einer der ersten Generation mit 540 PS und ein anderer der letzten- aus der CanAM-Serie stammenden- mit 1200 Turbo-PS.

Hot Wheels 9110101621

Mattel hat schätzungsweise mehr als 3 Milliarden Hotwheel Fahrzeuge hergestellt und jedes Kind im Alter von drei bis zehn besitzt durchschnittlich 50 Stück davon. Ich habe nun eins mehr, denn Dennis hat mir meinen 911er in klein gebaut. Inklusive Verpackung und allem. Der Wahnsinn!!!

Fotos: Dennis Christian Börner___#photoburner

Espíritu de Montjuïc 2019 Barcelona

Peter Auto startet seine Rennsaison mit dem Espiritu de Montjuic Festival. 

Als vor 15 Jahren die Classic Endurance Racing Serie gegründet wurde, konnte man den Erfolg noch nicht absehen.  Inzwischen ist die Eventreihe ziemlich gewachsen und um weitere Gruppen mit klangvollen Namen „The Greatest Trophy“, „Sixties’Endurance“ oder „Group C Racing“ergänzt worden. Ganz neu dazugekommen ist der Porsche 911 „2,0l Cup“, in welchem nur 1965er Autos zugelassen sind.

Seit zwei Jahren ist das Espiritu de Montjuic Festival auf dem Circuit de Barcelona Teil der Reihe und so ist eine hohe Qualität von Teilnehmerfahrzeuhen garantiert. An die 300 Rennwagen versammelten sich um richtig Gas zu geben und um die Siege zu kämpfen.

Espíritu de Montjuic 2018 

Espiritu de Montjuïc Website

SEAT Tragaluz__Diplomprojekt FH Pforzheim 1996/97__Design Center Europe

Für mich ging damals ein Traum in Erfüllung, als ich 1993 die Aufnahmeprüfung für das Transportation Design Studium an der (ehemals) FH für Gestaltung in Pforzheim bestanden hatte und anfangen konnte zu studieren. Auch fand ich endlich Gleichgesinnte, die genauso verrückt waren wie ich und sich die Nächte in der Werkstatt um die Ohren hauten, um zu zeichnen oder an ihrem Clay-Modell zu formen.

Es war eine wunderbare Zeit, damals, Mitte der 90er Jahre. Alles war noch analog. Die Skizzen, die Renderings und auch die Modelle wurden von Hand gemacht. Digitales Modellieren mit Alias kamen gegen 1994, als BMW uns zwei Stationen zur Verfügung gestellt hat. Das Angebot wurde jedoch nur sehr zögerlich angenommen. Erst gegen Ende der Dekade kamen einige Studenten im Praktikum mit Photoshop in Berührung und peppten Ihre Präsentationen mit großen Prints auf.

Wintersemester 1996/97

Im Wintersemester 1996/97 stand meine Diplomarbeit an. In den Jahren zuvor hatte ich Kontakt zu Audi geknüpft, war mal in deren Münchner Studio zum Praktikum und durfte im Folgejahr wieder kommen. Dann jedoch nach Spanien, in das neu gebaute Design Center Europe (Volkswagen) in Sitges, südlich von Barcelona.

Das gesamte Münchener Team war dorthin gegangen und bildete die Stammmannschaft, die in der Folgezeit durch einige talentierte Leute erweitert werden sollte. Dorthin zog es mich auch wieder im Sommer 1996, um meine Diplomarbeit vorzubereiten. Drei Monate habe ich dort verbracht und die Zeichnungen für das Projekt erstellt. Das Modell wollte ich im Anschluss in Pforzheim bauen. Nach dem Abschluss wurde mir dort auch ein Job angeboten, den ich gerne annahm. Ich arbeitete dort bis zum Sommer 2000…

Das Konzept für mein Projekt war damals schnell gefunden und Barcelona diente mit seiner Architektur und Lifestyle als Inspiration.

Mein Ziel war es, ein Seat Coupé mit Freizeitcharakter für den spanischen Markt zu schaffen. Ein Projekt, welches ein Pick-up mit einem Coupe verbindet und dabei die klimatischen Bedingungen berücksichtigt.

Wo einst Picasso, Miro und die restlicher künstlerische Avantgarde wirkten, streifte nun auch ich umher, genoss die Stadt in vollen Zügen und suchte Inspiration. Diese fand ich besonders in der Architektur Antonio Gaudis mit seinem Jugendstilgebäuden und Formen, die an Drachen oder andere Fabelwesen erinnern.

Barcelona

Die 90er waren in Barcelona eine spannende Zeit. Zu den Olympischen Spielen 1992 hat sich die Stadt so krass erneuert und herausgeputzt, aus einem trostlosen Industriekoloss wurde eine strahlende Metropole. Die Entwicklung begann schon nach Francos Tod, Junge Designer und Architekten wurden gefördert und ganze Stadtviertel erneuert. Unter die Erde verbannte  Autobahnringe und neue Sportstädten wurden geschaffen und die Stadt modernisiert. Auch schwamm Barcelona ab Ender der 80er Jahre auf einer riesigen Design-Welle, besonders im Interior Bereich. Es gab die wildesten Bars und Restaurant mit extravaganter Beleuchtung, Materialien und vor allem die Toiletten waren immer ein Highlight!

Legendär war das Velvet, Nick Havana, Up & Down, Universal, Rosebud oder das Otto Zutz. Auch das Gambrinus, welches vom Olympia-Maskottchen Gestalter Javier Mariscal entworfen wurde. Tanzclubs wie das Apolo oder La Paloma verbanden Tradition mit Moderne. Wenn die Tanzkapelle um Mitternacht ging, legte der DJ auf und das Publikum verjüngte sich allmählich. Aber zurück zum Entwurf:

Der Entwurf:

Ganz am Anfang meiner Skizzenphase überwog noch ein offenes Fahrzeug. Im Laufe der Recherche wandelte sich diese Konfiguration hin zu einer Anordnung mit geschlossenem Lamellendach-Mechanismus. Dieser ergab sich aus den klimatischen Bedingungen in Spanien und hat sich aus dem Studium der Architektur in Barcelona herauskristallisiert. So findet man eine ganze Reihe von schattenspendenden Überdachungen an öffentlichen Plätzen, einige zudem noch recht dekorativ- wie der „Pergola Peix“ von Frank Gehry. So entstand die Idee eines Daches, welches als Sonnenschutz oder Baldachin gedacht ist. Als Verlängerung der A-Säule überspannen zwei Aluminiumbügel die Fahrgastzelle. In diesen sind sechs Kunststofflamellen drehbar angeordnet. Der Bügel wird im hinteren Bereich über einen Seilzug unter Spannung gehalten und hebt das gesamte Dach bei Lockerung des Seils und sorgt so für eine verstärkte Luftzirkulation. Die Lamellen können in verschiedene Positionen gestellt werden oder auch ganz nach hinten geschoben werden.  Auch kann das Dach komplett abgenommen werden. 

Auf der bis unter das Dach reichenden Ladefläche kann man allerlei Freizeitkrempel verstauen oder zwei Personen notdürftig unterbringen. Abgedeckt wird der Laderaum von einer aufblasbaren Plastikplane, die auch als Luftmatratze dient. 

Die Seitenscheiben stehen fast senkrecht, um der Sonne wenig Angriffsfläche zu bieten und das Aufheizen des Innenraums so zu minimieren.

Der Innenraum ist spartanisch gehalten. Sitze im Liegestuhldesign und nur die nötigsten Instrumente. Das Material- und Farbkonzept -vor allem das der Luftmatratze, welche am Modell sichtbare ist- hatte sich damals mit Silke Weltkopp von der FH in Hannover entwickelt. 

Damals beschrieb ich den Entwurf so: “Ein Auto für den täglichen Gebrauch oder Ausflüge am Wochenende. Der Entwurf steht ganz in Verwandschaft mit dem Citroen 2CV. Seine Persönlichkeit erwächst aus den Attributen, die ihm fehlen: Leistung, Schnelligkeit, Status, Luxus, Aggressivität.  Währen der Franzose jedoch in einer Zeit der Not geboren wurde, bedient sich der Tragaluz eher modischen Einflüssen, die sich in Material und Farbe widerspiegeln. Diese machen ihn gerade nicht zeitlos und lassen ihn als Spiegelbild seiner Zeit erscheinen. Das Utility Design wird zeitgemäß interpretiert. Kratzer oder matter Lack können den Charakter des Coupés nicht verändern. Sie unterstreichen ihn noch! Die Gebrauchsstabilität machen das Objekt sehr persönlich, so wie eine Ente oder ein Méhari in verschlissenem Zustand erst richtig authentisch wirken.”

Noch einige andere Modelle hatte ich damals zum Vergleich herangezogen. Sei es wegen des Konzepts oder der Ästhetik. Ford Ghia Saetta (1996), der Fioravanti Nyce (1996), Renault Fifty (1996), Hyundai HCDIII (1995), Pininfarina Ethos (1992), Citroen Berlingo Coupe de Plage (1996) oder der Irmscher Pick-up auf Opel Tigra Basis von 1996.

Vergleichsmodelle

Der Modellbau

Ab Oktober ging ich dann zurück nach Pforzheim und baute mein Modell, um es im Februar zu präsentieren. Der Entwurf wurde vom Tape in das Clay-Modell übertragen. Dann mühselig die Symmetrie erstellt. Ich erinnere mich noch, wie ich eines Vormittags in die Schule kam und der Werkstattleiter Herr Häuser mir sagte: „ Markus, Ihr Modell isch ja garned symmedrisch!!!“ Er hatte oft früh am Morgen nichts zu tun und hatte es einfach mal vermessen. Es war an einigen Stellen ca 15mm aus der Form geraten….egal.

Zu unserer Zeit wurden meist die Clay-Modelle direkt lackiert. Um eine bessere Qualität zu erreichen, vor allem es aber haltbarere und leichter für den Transport zu machen, konnte man eine Form aus glasfaserverstärktem Kunststoff erstellen. Das war aufwendig, lohnte sich aber, denn auch die Oberflächen lassen sich besser glätten und Details leichter einarbeiten. Gesagt getan wurde erst eine Negativ-Gipsform erstellet, in welche dann die Glasfasermatten eingelegt wurden. Alles eine ziemliche Sauerei, aber ein Mordsspaß.

Die Präsentation

Im Januar 1997 war Abgabe und Kolloquium. Das ist immer ein großer Bahnhof, denn neben den Professoren und Dozenten, kommen auch immer jede Menge Studenten, um sich die Präsentationen anzuhören.  Meine Betreuer waren Mike Ani vom Design Center Europe und Prof. James Kelly von der FH.

Die eigentliche Präsentation war dann im Februar und wir hatten zusätzlich noch eine kleine Party in einem Kellerraum veranstaltet. Mit Band, Würstel, Spätzle und Linsen und allerlei Prominenz. Die erste Designers Night Pforzheim (DNP)sozusagen…

Zum Abschluss hatten mein Semesterkollege Thomas und ich noch Fotos von unseren Modellen auf dem Parkplatz vor dem Gebäude des Kfz-Designs gemacht. Der Seat “Tragaluz” zusammen mit dem Fiat “Poncho”. In den Wochen danach sind dann noch allerlei Artikel dazu in deutschen, japanischen oder italienischen Zeitschriften erschienen, was uns sehr gefreut hat. 🙂

Heute steht das Modell bei mir im Wohnzimmer. 

Garage X CAR WEEK

Es kommt nicht oft vor, innerhalb von einer Woche den ganzen GARAGE X Fuhrpark intensiv zu bewegen. Mal ist irgendwas kaputt, mal passt es einfach nicht. Letzte Woche aber schon! Das Wetter versprach endlich schön zu werden und so durften alle Karren mal aus dem Stall, um die eine oder andere schöne Tour alleine oder mit Freunden zu machen.

Montag: Porsche 964

Mit dem C4 war ich ja im März noch in Frankreich und der Schweiz zum Skifahren und auf dem Genfer Autosalon und da hat er noch mal richtig Kilometer und auch Winterwetter abbekommen. Nun war der TÜV fällig. Das tue ich mir seit langem schon nicht mehr selber an, deshalb habe ich ihn am Montag in die Werkstatt gefahren. Da gab es noch nie Probleme. Allerdings kam heraus, dass auch die Bremsen runter sind. Und der Auspuff würde es wohl auch nicht mehr lange machen. Der war schon schlimm geschweißt, als ich das Auto vor 15 Jahren gekauft habe. Da er aber nie wirklich kaputt ging, blieb er all die Jahre  und 130000 weitere Kilometer drin. Bis heute. Er wird also ersetzt und auch mit einem Cup-Rohr bestückt.  Klingt besser…

Dienstag: 9110101621

Am Dienstag habe ich den steingrauen Porsche aus der Werkstatt in Erkrath abgeholt. Er stand dort über den Winter, um das Getriebeproblem endlich und dauerhaft zu lösen. Der erste Gang krachte oft beim Einlegen und wir konnten die Ursache über Monate nicht finden. Am Ende war es eine um 1mm zu dicke Kupplungsscheibe! Außerdem mussten die GFK-Kotflügel neu lackiert werden, Der Lack hat sich wohl nicht mit den Ausdünstungen des Kunststoffes vertragen und wurde wellig.

Nach zwei Stunden Autobahnfahrt, drehe ich am Abend noch eine Runde um den Block und mache ein paar Fotos. 

Mittwoch: 9110101621 und der Fury

Heute darf der Porsche noch mal raus. Mit einem exotischen Spielkameraden: Ein Fury Kit Car mit fettem V8 Motor. Der macht ganz schön Krach und geht auch mächtig vorwärts. Ein Motor mit zwei Sitzen eigentlich. Kein Kofferraum, ein Tank mit 20 Litern Fassungsvermögen. Gerade richtig, um eine kleine Abend-Runde durch Rheinhessen zu drehen. Sonnenuntergangs-Stopp inklusive.

Donnerstag: 9110101621 und 964

Ich treffe mich mit Lars und seinem 964 C4 am Airfield in Finthen, um ein bisschen durch die Gegend zu cruisen. Bis nach Sprendlingen zum Napoleon-Turm und zurück. In Finten auf dem Parkplatz kommt durch Zufall noch ein 964 Turbo vorbei und komplettiert das geile Trio…

Freitag: Mini 850 Van

Am Freitag darf der Mini mal wieder aus der Garage. Ich hatte ihn schon am Vorabend geweckt, er wollte jedoch nicht anspringen und musste mit dem Jump-Starter angeschmissen werden. Das Ladegerät erledigte dann über Nacht den Rest. Am nächsten Tag war die Batterie wieder voll und wir tuckerten durch die Dörfer im Rheinhessischen. Mit dem Mini läuft man eher selten Gefahr zu schnell unterwegs zu sein. Er entschleunigt wunderbar. Außerdem freuen sich die Passanten wenn sie den Sympathikus aus England sehen. 

Samstag: Porsche ’68 vs ’73

Das Wetter ist noch immer schön und so plane ich mit Judith und Lars eine Ausfahrt in den Rheingau. Mit dem sandbeige SWB und dem silbernen F-Modell von 1973 geht die Reise über die Strassen des Rheingaus. Durchs Wispertal, dann über Presberg und Johannisberg, schließlich machen wir einen Stopp im Schloss Vollrads, um ein Gläschen Wein zu trinken.

Und am Abend mit dem GT4

Am Abend hole ich noch den GT4 aus der Garage und drehe eine Runde durch Rheinhessen. Es ist etwas diesig und die untergehende Sonne zaubert ein wundervolles Licht auf die noch kahlen Felder. Es ist kaum jemand unterwegs und ich lasse die Pferde mal richtig laufen…

Sonntag: GT4 Tour am Vormittag und dann noch mal Rheingau… heute zusammen mit der Pagode

Am Vormittag gehe ich mit dem Dino auf eine gut einstündige Tour in Richtung Wörrstadt, dann weiter nach Oberhilbersheim und Appenheim nach Ingelheim und zurück nach Mainz. Diese Strecke bin ich so noch nie gefahren, die Fahrt durch wenige Dörfer und die Strassen sind wunderbar menschenleer, es macht richtig Spass!

Mein Bruder kommt am Mittag mit seinem 280SL vorbei und wir fahren abermals in den Rheingau. Manche Strassen kann man nicht oft genug fahren und die hinauf nach Hausen v.d Höhe und zurück durchs Wispertal gehört dazu.  Ein Stopp im Schloss Johannisberg zum Picknicken und danach zum Vollrads auf einen Kaffee. So geht die Car Woche zu Ende…

Retro Classics Stuttgart 2019

Die Retro Classics ist DIE Messe im Süden der Republik. Die Hersteller Porsche und Mercedes-Benz, haben sich zwar etwas  zurückgezogen und konzentrieren sich auf den Auftritt bei der Techno Classica und auch das Angebot der Aussteller bleibt meist regional. Dennoch kann man als Besucher das eine oder andere Highlight ausfindig machen.  Wir mischten uns mal unters meist  schwäbische Publikum und schauen uns um…

Einige Hallen wurden diese Jahr nach Marken oder Themen benannt. Nummer 1 heisst  “Porsche”. Eigentlich. Denn auch andere Marken tummeln sich auf der hauptsächlich von Premium Händlern bespielten Fläche. Auch die Zuffenhausener selbst haben hier ihren Stand. Er ist nicht groß, hat aber ein paar sehr feine Stücke zu bieten: das Highlight ist der 917 Rennwagen mit der Seriennummer 001, welcher genau vor 50 Jahren auf dem Genfer Autosalon der Weltöffentlichkit vorgestellt wurde. Er wurde vor kurzem in über 3500 Stunden frisch restauriert und erstrahlt jetzt in den Farben von damals. Weiss und grün! Beim Members Meeting im April in Goodwood wird er in Aktion zu sehen sein und anschliessend krönt er die 917 Sonderausstellung “Colors of Speed” im Museum.

Ein anderes Fahrzeug ist der 910/8 Bergspyder mit dem Porsche 1967 und 1968 die Europa-Bergmeisterschaft gewonnen hat. Er ist ein Paradebeispiel für den Leichtbau, wiegt nur unglaubliche 440kg. Auch sehr schön ist das 356/2 Gmünd Cabriolet von 1949 und ein blauer 914.

Das Angebot der Händler an 911ern ist riesig. Alle  Farben und Baujahre sind zu finden. Bei Boxer Motor und Andre Votteler kommt man aus dem Staunen garnicht mehr raus. Bei Arthur Bechtel steht ein weiterer 917 (Kurzheck) und auch eine AMG Rote Sau, ein 300SEL 6,3. Bei der Gallery Aaldering entdecke ich einen klasse Karmann Ghia in “ravennagrün” von 1974 mit gerade mal 4268 Meilen auf den Tacho! Auch ein Hingucker ist der ziemlich exotische, winzig kleine Panhard X86 Dolomites Pichon &Parat von 1954, ein Teilnehmer der Tour de France. 

Ich gehe weiter zu Halle 5. Hier stehen die “Neo Classics”, also alles , was weg muss. Neuer Lambo, alter Benz. Ein wildes Sammelsorium. American Lifestyle und US Cars, aber auch einige Clubs sind auch hier versammelt. Ford Capri oder Opel Manta Freunde zeigen ihre Schäzchen und geben sich viel Mühe bei der Präsentation. Nichts ahnend stehe ich jedoch irgendwann vor einem Whirlpool Anbieter mit seinem blubbernden Becken und schwimmender Sekt-Insel steht. Und weiter vorne baut sich die ganze Palette der Jeep Neuwagen auf.  Muss das auf einer Oldtimermesse sein?

Halle 7 verspricht Besserung: Passione Italiana, “eine ganze Halle italienischer Autos und der italienischen Lebensart gewidmet” steht auf einem Schild zu lesen. Gleich am Eingang hat Alfa Romeo ein paar wunderbare Exponate ausgestellt und direkt gegenüber brachte das Museo Enzo Ferrari einen 126CK Formel 1 Renner mit. Er war der erste Turbo Motor Ferrari und der Kanadier Gilles Villeneuve erreichte den ein oder anderen Sieg mit ihm. Bei den Händlern sehen einige schöne Dino Coupes oder Spider, auch der ein oder andere GT4. Am Stand des Automobil Club Storico Italiano und der FIVA ein fantastischer Fiat 500 N America von 1959. Weiter hinten in der Halle wird es dann allerdings weniger mit “Bella Italia”, hier parken andere Fabrikate. Auch einige Clubs von Porsche 914-6 , Saab, Alpine, und Renault 4, sowie die Zuffenhausener Sportwagenfreunde haben ihren Stand.

Halle 9 mit grossem Teilemarkt ist noch geschlossen und so schlendere ich zu den gegenüberliegenden Hallen mit den geraden Nummern. Hier ist Mercedes angesagt und man findet alles, was das Herz mit dem Stern begehrt. Der Hersteller Stand ist mit einem Trio von Rennwagen bestückt. Ein “Blitzen Benz” von 1909, ein W196 R von 1955 und ein CLK GTR AMG von 1997. 

Auch sehr schön war ein Alfa Romeo Disco Volante und die Exponate bei BMW. Im Rahmen des Themas “100 Jahre Rekorde und Siege” ist der einzige BMW Kompressor Rennwagen KR6, dessen Geschichte über 83 Jahre lang im Verborgenen geblieben ist, ausgestellt. Letztes Jahr wurde er mit dem Preis “Goldener Klassiker” für den Fund des Jahres ausgezeichent. Daneben steht einer von nur zwei je gebauten 328 “Fachsenfeld” Coupes von 1937. 

Es gab noch einige andere Highlights zu entdecken. Ein Porsche 356B, z.B., der von 1963-89 in der DDR zugelassen war. Mit nur 2441km auf dem Tacho dürfte er aber nicht oft aus der Garage gelassen worden sein und fuhr den Stasi-Spitzeln wohl nur selten vor die Kameras. Zwei meiner persönlichen Favoriten waren aber der 280SL (R107) von 1979 am Stand von Mercedes-Benz in brilliant-rot mit Karo-Stoff in der Farbe “bambus”. Er steht sieht aus wie neu und ist nur 20000km gelaufen. Der andere ist ein silberner Porsche 924 mit ebenfalls nur sehr wenig Kilometern (33410) und tollem Zustand. 

Man findet sie also, die ganz bsesonderen Stücke, die einen zum Staunen oder Träumen bringen. Man muss sie nur suchen auf der “weltweit grössten Oldtimermesse”, die nun unter dem neuen Untertitel “Messe für Fahrkultur” an den Start geht… also los! Bis Sonntag Abend ist noch auf.

Autosalon Genf 2019__GIMS

Geneva International Motorshow 

Bang! Aston Martin hat den anderen mal ganz schön die Butter vom Brot genommen. Gleich mehrere Neuheiten wurden rausgehauen. Nach dem Valkyrie und dem Valkyrie AMR Pro feiert mit dem Aston Martin AM-RB 003 auf dem Genfer Autosalon 2019 der dritte Supersportwagen der Marke mit Mittelmotor Premiere. Als „daily Supercar“ sozusagen mit einem Biturbo-V6 Motor. Ihm zur Seite gestellt wird der neue Vanquish, der als Vision Concept die 2022 kommende Serienversion mit Verbundaluminium Struktur zeigt. „Beautyful is fearless“ sagt Andy Palmer und beschreibt die Tochtermarke Lagonda als eine 120 Jahre alte „Start-up-Tech-Company“. Sie gibt mit dem All-Terrain Concept einen Ausblick auf ein Elektro SUV. Eine Art Superyacht auf Rädern.

Selten hat mir eine Automesse in jüngster Vergangenheit so viel Spaß gemacht. Die durch die fehlenden Hersteller Hyundai, Ford, Volvo, Opel und Jaguar/Landrover entstandenen Löcher konnten anderweitig mit Exoten oder Chinesen aufgefüllt werden. Manch einer gönnte sich einfach auch mal einen größeren Stand.

Supersportler und Bugattis Käsereibe

Traditionell stehen in Genf viele Sportwagen. Mit großer Spannung wurde der vom Piech Sohn Anton angekündigte Elektroflitzer Mark Zero erwartet. Ein eher klassisch gezeichnetes Coupe, welches mit Batterien des chinesischen Herstellers Desten Group bestückt ist und in sage und schreibe vier Minuten vierzig Sekunden zu 80% aufgeladen werden kann. Ab 2020 geht es los, danach soll ein SUV und ein Viersitzer folgen. 

Gleich in der Nähe hat Bugatti sich einen großen Stand gegönnt. Neben dem Divo und einem Chiron Sport 110 ans steht der neue, mit seinen vielen Löchern an eine Käsereibe erinnernde „La Voiture Noire“. Er ist ein 12 Millionen teures, von Hand gefertigtes Einzelstück, welches den verschollenen, vierten gebauten Typ 57SC Atlantic zitieren soll. Leider kann man die Form der schwarzen Karosserie kaum erkennen. Die Farbe ist halt immer etwas unglücklich auf Automessen. Vielleicht lässt der neue Besitzer ihn ja umlackieren. Man  munkelt, Ferdinand Piech soll ihn gekauft haben. 

Pininfarina hat das stärkste jemals in Italien gebaute Supercar entwickelt. Die vier Elektromotoren steuert Rimac bei und sie leisten zusammen 1900PS und katapultieren den Battista in zwei Sekunden von null auf 100. Na dann mal los!

Brot und Butter, klein und pfiffig…

Und was machen die großen so? Mercedes-Benzund BMW fusionieren. Ach nein, sie kooperieren nur! Und zwar auf dem Gebiet des autonomen Fahrens. Genauer geht es um die Entwicklung einer skalierbaren Plattform, später wohl auch um Getriebe oder Batterien. Auch wurden die beiden eigenen Carsharing Anbieter DriveNow und Car2Go zusammengelegt. Auf dem Genfer Salon wird jedoch nur Hausmannskost serviert, die sich nahtlos in die aktuelle Produktpalette einfügt. Fallen quasi überhaupt nicht auf und tun nicht weh. Der GLC und der CLA Shooting Brake werden aufgefrischt. Einzig der Smart Speedster forease+ ist ganz pfiffig… BMW zeigt den neuen 7er mit Riesennase und setzt die Elektrifizierung der Palette fort: X3 xDrive30e, 330e und X5 xDrive45e.

Etwas dünn ist auch der Auftritt bei Renault. Wo sonst die Zukunft in Form von spektakulären Concept Cars entworfen wurde, steht nur Gegenwart. Der Clio war immerhin hinter dem Golf das meistverkaufte Auto in Europa und  fügt sich nun -völlig neu entwickelt- unspektakulär ins Modellprogramm ein. Hier hätte man mal ein Schippchen Style drauflegen können. Wie das geht zeigt Peugeot mit dem neuen 208. Der ist mal ein Brummer. Innen und außen wie aus dem Ei gepellt und erstmals auch als vollelektische Variante. 

Audi stellt den Q4 e-tron concept auf die Bühne. Er ist etwas rundlicher als seine Markenkollegen, was mir ganz gut gefällt. Immer diese scharfen Bügelfalten kann man einfach nicht mehr sehen. Der e-tron GT geht in selbige Richtung. Einzig im Interior muss man auch mal mit dem Glätteisen drüber, damit man sich die zarten Finger beim vielen „touchen“ auf den Displays nicht verletzt. Warum aber alle Modelle nun dieses durchgezogene Leuchtenband am Heck bekommen müssen ist mir ein Rätsel. Die SEATs haben das auch (Revival des Telefonhörers?). Mal abgesehen vom bescheuerten Namen „el Born“- der Name eines hippen Stadtviertels in Barcelona- und der unnötig komplizierten C-Säulen-Lösung ist der Wagen ganz ok und als erstes Elektroauto wohl ein Meilenstein für die Marke. Auch interessant ist der Minimo, der schon auf der MWC letzte Woche vorgestellt wurde. Knapp 10 Jahre nach dem Twizy entdeckt SEAT das Konzept und hat es weiterentwickelt. Mit Batterien zum Austauschen und vollvernetzt soll der Stadtflitzer für Car Sharing Anbieter interessant sein. Auch hat er richtige Türen und ist somit wetterfest.

Auch originell geht es bei Citroen zu. Der AMI One ist wie Ritter Sport: quadratisch, praktisch , gut! Der 2,50m kurze Würfel auf Rädern soll dein Freund sein, wird mit dem Smartphone gestartet, hat 100km Reichweite und man darf ihn ohne Führerschein fahren, weil er nur maximale 45 km/h schafft. Das reicht, um die Champs-Élysées rauf und runter zu düsen und einmal um die Pigalle.

Und klar: PORSCHE!

Vor 70 Jahren wagte sich Porsche zum ersten Mal auf den Genfer Autosalon. Und so steht als Nostalgieblickfang ein blauer 1965er 911 mit (verkehrt herum) montierten Ski auf dem Dach am Stand. Neuheiten? Bis zur Enthüllung des Taycan später in diesem Jahr, wird man mit Derivaten abgespeist. Das 911 Cabriolet zum Beispiel. Außerdem den 718T und den Macan S.

Richtig Freude kommt erst auf, als ich am Michelin Stand den Singer DLS entdecke. Was man aus einem 964er alles machen kann! Die „Dynamics and Lightweight Study“  wird mit einem Vierliter Boxer, der in Zusammenarbeit mit Hans Mezger und Williams entwickelt wurde, bestückt. Ergebnis sind 500 PS bei 9000 Touren. Abgespeckt auf 990 Kilo leer ergibt sich so jede Menge Fahrspaß. Den gibt es auch bei RUF. Die Firma wird 80 Jahre alt und feiert sich mit der Serienversion des CTR Anniversary und dem GT auf Basis des 991.2.

…und dann stehen da noch ganz komische Sachen rum…

Auch wegen der Kuriositäten kommt man nach Genf. Ein unglaubliches Auto steht bei Goodyear. Der Golden Sahara II aus den 50er Jahren. Das Unikat war eines der ersten Konzepte zum autonomen Fahren, neue elektronische Systeme wurden getestet, es verfügt über ein Steuersystem mit einem vom Flugzeug inspirierten Bedienhebel. Ein automatisches Bremssystem erkannte mithilfe von Sensoren Objekte auf der Fahrbahn. Die Reifen bestanden aus Neothane, einem lichtdurchlässigen, synthetischen Kautschuk und waren von innen beleuchtet! Das Ding ist der Hammer! 

Nicht ganz so ausschweifend war der Entwurf „Linea Diamante“ des Designers Gio Ponte. Der Entwurf stammte von 1953, wurde jedoch nie in 1:1 realisiert. Sein architektonisch durchdachter Wagenaufbau sollte die funktionalen Aspekte des Autos unterstreichen und einen Gegenpol zu den damals bauchigen Formen mit kleinen Fensterflächen setzten. Auf der Grand Basel wurde das Modell im letzten Jahr erstmals gezeigt, nun steht es auch in Genf.

Und das gab es sonst noch…

Der im Innenraum mit unzähligen Smartphones-Displays bestückte Kia Imagine , der elektrische, auf den Tesla 3 zielende Polestar 2, der Ferrari F8 Tribute, Fiat an die besseren ZeitenvonPanda & Co erinnernde Centoventi, der Mini SUV Kamin  und der Vision iV von Skoda, den knuffigen Honda e-Prototyp, der Subaru Viziv Adrenaline, den Mitsubishi Engelberg Tourer (Oh Gott, diese Namen!!!!),oder der VW ID Buggy. Der einem grünen Gummiboot nicht unähnliche Elektrospasswagen ist eine weitere Variation des Themas. Neu ist die Ankündigung, dass VW die Plattform (MEB genannt) auch anderen Herstellern zur Verfügung stellen will,  um so für deren ungehemmte Verbreitung zu sorgen. Stilistisch gesehen fand ich den 2011 auf UP-Basis gezeigten Standwagen deutlich gelungener.

Zu guter letzt möchte ich den Nissan iMq erwähnen. Er ist für mich eines der interessantesten Autos der Messe. Es verwirrt und fasziniert mich gleichermassen durch seine scharfen Kanten, Lamellentexturen und weichen Flächen, die wild über die Karosserie zu fliegen scheinen und ist so ein Verwandter im Geiste des Peugeot e-Legend, der ebenfalls eine so noch nie gesehene Formensprache zeigte. 

First Drive 2019

Alle Jahre wieder, nur dieses Jahr recht früh: Der ROLL OUT nach nur drei Monaten Winterpause! Spannend ist es immer. Ist die Batterie noch voll? Springt der Motor an? Ist genug Öl im Motor? Wie ist der Reifendruck? 

Beim GT4 ist alles prima und ich fahre den Nachmittag durch die Rheinhessische Schweiz. Kriegsfeld, Kalkofen, Alsenz…Wunderbar, den 8-Zylinder nach dem Warmfahren hochzudrehen und über die leeren Landstrassen zu brummen. 🙂 

Costa Rica: Urwald, Strand und wilde Tiere

Dieses Jahr im Februar ging auf große Reise nach Costa Rica. Ein grünes Paradies mit einer unglaublichen Pflanzen- und Tiervielfalt. Das Land hat keine Armee, stattdessen wird in Bildung, Gesundheit und die Natur investiert. Es erzeugt fast 100 % des Stromes regenerativ, ca 27% der Landesfläche stehen unter Naturschutz, es gibt 26 Nationalparks und über 160 Schutzgebiete. Man trennt den Müll und schmeißt nichts einfach weg. Es ist beängstigend sauber, fast schon wie in der Schweiz. Überhaupt kann man sich in vielerlei Hinsicht eine Scheibe von Costa Rica abschneiden. 

Das machen wir auch und sind in insgesamt drei Wochen ca 2500 Kilometer unterwegs.

#1: Von San Jose an den Pazifik

Wir landen in San Jose am Abend, holen unseren koreanischen Mietwagen ab und bleiben für die erste Nacht in einem Hotel in der Nähe des Flughafens um nicht mehr weit fahren zu müssen. Gut ausgeschlafen geht es am nächsten Tag nach Frühstück mit Saft, Kaffee, Früchten, Rührei und gebratenen Bananen in Richtung Westen und dann an die Pazifikküste vorbei an Quepos hinunter nach Uvita, unserer ersten Station. Hier wollen wir den Nationalpark Marino Ballena besuchen. Das Thermometer zeigt 36 Grad und es ist feucht. Was für ein Kontrast zum Februar in Europa. Am Mittag erreichen wir das Hotel Uvita Bali Bosque, welches ausserhalb des Ortes liegt. Man muss ein ganzes Stück die staubige Strasse zu den Wasserfällen entlangfahren, dann wird die Strasse steiler und steiniger. Gut, dass wir einen 4×4 gebucht haben. Will nicht wissen, wie das hier in der Regenzeit ist, wenn alles unter Wasser steht… 

Das Hotel besteht aus dem Clubhaus und 4 verschieden großen Bungalows im balinesischen Stil. In Indonesien lebte die holländische Familie zuvor, bevor sie nach Costa Rica kam und während 10 Jahren das Projekt mit viel Liebe zum Detail aufgebaut hat. Es liegt am Hang mitten im Regenwald und man hat einen tollen Blick. Wir haben den kleinsten Bungalow mit einer Schiebetür, wie bei einem Tempel. Dieser war eigentlich als Küche im Garten geplant war, dann aber mit einem Bett bestückt wurde und als vollwertiges Häuschen gilt. Man muss sich etwas organisieren beim Auspacken, hat aber eine große Terrasse, um sich auszubreiten. 

Hier wird es gegen 18h dunkel und wir haben für den späten Nachmittag eine Sonnenuntergangs-Pferdetour zum Strand gebucht. Mit 7 Pferden machen wir uns auf den Weg, zunächst eine Stück durch den Urwald, wo uns eine Eule von oben aus den Baumwipfeln zuschaut. Nach einer halben Stunde erreichen wir die menschenleere Playa Hermosa und lassen die Pferde durchs Wasser laufen. Der Strand scheint endlos, aber irgendwann mahnt uns der Guide zum umkehren, denn es wird dunkel. Untenrum etwas nass aber sehr glücklich kommen wir im Stall an, gehen noch was essen und entspannen noch etwas bei Grillen zirpen vor unserem Bungalow. 

Für den nächsten Tag bekommen wir von unserer Vermieterin den Tipp, einen nahegelegenen Wasserfall zu besuchen. Die Fahrt führt durch einen riesigen Bambuswald und durch einen Fluss. Eigentlich ist es verboten, mit dem Mietwagen Flüsse zu durchqueren. Aber egal… Dort angekommen, klettern wir hinauf zum Wasserfall und sind eine ganze Weile alleine zum Baden und Duschen. Am Nachmittag fahren wir zum Nationalpark Bahia Ballena. Hier formen sich zwei Strände an deren Ende zu einem, der nur bei Ebbe zu begehen ist und die Form der Schwanzflosse eines Wales hat. Wir chillen etwas im Schatten und schnorcheln am Riff entlang. Die Unterwasserwelt ist eher steinig und grau, es gibt bessere Tauchreviere, dennoch sehe ich eine ganze Anzahl von verschiednen Fischen. Snapper, Kofferfisch, klein groß, gelb-schwarz, Tigermuster oder einen mit leuchtend blauen Punkten. 

#2: Manuel Antonio

Am nächsten Morgen frühstücken wir gemütlich im Haupthaus bei Monique und Hans, den wunderbaren Gastgebern und unterhalten uns noch eine ganze Weile bei selbstgebackenem Brot und Marmelade. Der nächste Stopp ist der Nationalpark Manuel Antonio, der ca 1 Stunde entfernt Richtung Norden liegt. Kurz vorher stoppen wir in unserem nächsten Hotel, dem La Foresta, um unser Gepäck auszuladen. Man sollte nichts im Kofferraum lassen, wenn man das Auto verlässt. Das Hotel ist eher eine pragmatische Lösung, weil es verkehrsgünstig für uns liegt. Es entpuppt sich aber als richtig gut. Auch weil es wunderschöne Wanderwege durch den Urwald direkt vom Hotel aus hat. Und die sind spannender als die im Nationalpark, wie wir lernen sollten…

Im Nationalpark führt ein breiter Steg durch den dichten Wald. Er macht das Begehen für die zahlreichen Besucher sicher einfacher, ist aber etwas unnatürlich. Wir sehen ein kleines Reh, Totenkopfäffchen, Leguane und halten auch einem Faultier Ausschau, die normalerweise tagsüber schlafen und entsprechend schwer zu finden sind. Es gibt verschiedenen Wege zu Aussichtspunkten und Stränden und wir laufen so ziemlich alles ab und haben schon fast Halsstarre, als wir endlich ein Fellknäul im Baum entdecken. Ein echtes, schlafendes Faultier! Besonders schön ist der Strand Manuel Antonio mit warmem Wasser. Zum Tauchen ist es aber zu aufgewühlt. Um 16h schliesst der Park und wir werden von der Trillerpfeife der Wächters hinausgebeten. 

Auf dem Rückweg zum Hotel fahren wir noch in einem Restaurant/Bar vorbei. Es heißt El Avion und man hat hier auf den Berg eine C-123 Fairchild Transportmaschine verfrachtet und sie zu einer Bar ausgebaut Ein echter Hingucker!

Am Morgen haben wir noch etwas Zeit und gehen durch den Wald hinter unserem Hotel. Ein echter Geheimtipp! Wir sehen Kapuzieneraffen, Totenkopfäffchen und einen riesigen blauen Schmetterling und auch eine Strasse mit Blattschneiderameisen. Man kann hier richtig viel entdecken und das ist gratis noch dazu. Überhaupt kann man in Costa Rica viel am Wegesrand entdecken. Die Natur ist überall.

#3: Nächste Station: Santa Juana Lodge

Gegen 11 Uhr brechen wir auf zur Santa Juana Lodge, unserer nächsten Station für eine Nacht. Es sind eigentlich nur 30 Kilometer, aber die letzten zehn haben es in sich. Wir müssen über eine steinige Strasse und ein Flussbett Mehrmahls durchqueren. Auch sind wir gar nicht sicher, ob das überhaupt der richtige Weg ist. Manche Orte liegen sehr abgelegen und man hat oft Zweifel, wo man landen wird. Gerade noch rechtzeitig zum Mittagessen kommen wir an. Es gibt Fisch oder Rind mit Reis und Bohnen. Reis und Bohnen gibt es fast immer, auch zum Frühstück wenn man mag. Die Lodge besteht aus viel geräumigen Bungalows, die auf Pfählen im Hang stehen. Unserer hat den Namen „Paz“ (Frieden). Der Ausblick von der Veranda in die Berglandschaft und bis hinunter nach Manuel Antonio ist unbeschreiblich. Die Fenster haben keine Scheiben, nur ein Mückennetz und so hört man die ganze Nacht die Grillen zirpen, die Affen brüllen und andere Geräusche, die wir nicht zuordnen können.

#4: Auf nach Monte Verde

Langsam versuche ich mich an den Tages-Rhythmus zu gewöhnen. Man steht meist mit Sonnenaufgang um 6:30 Uhr auf und geht auch früh schlafen. Um 18 ist es dunkel. Heute fahren wir in Richtung Norden nach Monte Verde. Es sind ca 160 Kilometer, aber der Weg zieht sich wieder mal. Die Schnellstraße an der Küste ist zwar gut ausgebaut, aber stark befahren. In Rancho Grande biegen wir ab und fahren auf Nebenstraße weiter, die letzten 20 Klometer auf unbefestigter Schotterpiste. Die Straße soll seit Urzeiten ausgebaut werden, aber die Arbeiten ziehen sich bis heute. Unser Auto sieht aus wie ein paniertes Schnitzel.

Das Hotel ist das Green Tree B&B. Etwas speziell und auch schwer zu finden. Es liegt am Ortsrand im Wald und besteht drei Baumhäuschen, jedes mit Bett, Bad und einer Terrasse ausgestattet. Melanie, die Tochter der Betreiber, empfängt uns sehr nett und zeigt uns auch gleich ein schlafendes Faultier am Grundstücksrand zu den Nachbarn. Für den Abend buchen wir eine Nachtwanderung durch den angrenzenden Urwald mit dem Schwiegersohn der Familie. Sein Schwiegervater Don Rodolfo ist vor einigen Jahren an Krebs gestorben und es war sein Lebenstraum, die Natur zu bewahren, aufzuforsten und sie den Besuchern auf behutsame Weise zu zeigen. Wir ziehen also mit Taschenlampen ausgestattet los und sehen gleich am Haus einen minikleinen grünen Frosch. Gerade mal einen cm groß. Auf dem Weg sehen wir Ameisen, schlafende Vögel, einen im Schwarzlicht blau leuchtenden Skorpion und auch das Faultier, welches inzwischen aufgewacht ist und sich recht flott im Baum bewegt. Es gibt zwei Arten in Costa Rica. Das Zwei-Finger und das Drei -Finger Faultier. 

Am nächsten Tag gibt’s mehr Aktion. Wir machen Seilrutschen und am Nachmittag eine Hängebrücken Wanderung über den Urwaldbäumen. Für 70 Dollar kann man das zusammen buchen, obwohl es eigentlich zwei verschiedenen Anbieter sind. Touren und Aktivitäten sind in Costa Rica allgemein sehr teuer, was und immer wieder wundert. Der Eintritt in die Nationalparks kostet meist 15-20 Dollar, für irgendwelche Ausflüge muss man mindestens 40 Dollar hinlegen. 

Wir werden am Hostel abgeholt und Vorort mit Gurten, Helm, Karabinern und Handschuhen ausgestattet. mit mehreren Guides zur Sicherheit geht es los. Gleich zu Anfang zum „Tarzan Swing“. Und das ist schon ganz schön krass!!!  Von einem ca 10 Meter hohen Podest stürzt man sich an einem riesigen Baum befestigtem Seil in die Tiefe… und schreit. Ob man will oder nicht…Dann zu den Seilrutschen, die teils durch den dichten Wald führen, teils über den Baumwipfeln. Einmal landen wir auf einem Podest in einem riesigen Baum. Von dort werden wir im freien Fall 45 Meter abgeseilt, um dann wieder hinauf zu steigen. Und zwar im Innern des Baumes. es ist ein sogenanter „Hollow Tree“. Er entsteht, wenn eine Würger-Rebe ihn im Lauf der Jahre umschlingt und ihn schliesslich tötet. So belibt nur die äussere Hülle stehen.Die längste Rutsche ist 800 Meter lang und führt über ein Tal. Die Tour ist wirklich Klasse und sehr zu empfehlen! 

Am Nachmittag geht es zu den Hängebrücken in den Bosques Nubosos, den Nebelwäldern. Der Rundweg ist vier Kilometer lang und führt über acht Brücken. Der Blick über die Baumwipfel ist atemberaubend. Man könnte stundenlang verharren und die Natur beobachten.

#5: Zum Vulkan Arenal nach La Fortuna

Wir verabschieden uns von Mutter und Tochter Melanie und fahren in Richtung Norden, nach La Fortuna. Die  Straßen sind mal wieder ziemlich schlecht und staubig, nach fünf Stunden erreichen wir unser Ziel und können den Vulkan auch gut sehen. Oft ist er von Wolken verhüllt und die Spitze bleibt im Verborgenen. Unsere Unterkunft für die nächsten zwei Tage ist das Hotel Tangara am Ortsrand. Wir haben hier einen von zwei kleinen Häuschen, die direkt am riesigen Garten liegen. Nach einem Hüpfer in den Pool, besuchen wir noch den Eco Zoo für Reptilien. Der hat zwar eigentlich schon geschlossen, aber manchmal werden Nacht-Touren angeboten. Eine Biologiestudentin zeigt uns im Dunkeldie Gehege mit Schlangen, Fröschen oder Spinnen. Einige sind nachtaktiv. Highlight der eigentlich etwas mickrigen Tour (für 20 Dollar), war der kleine Rotaugen-Laubfrosch im Tümpel des Teiches. 

Am nächsten Morgen  fahren wir zum Nationalpark El Arenal am Fuße des Vulkans. Zu ihm hinaufsteigen kann man nicht. Zu gefährlich. Also bleiben wir im Tal und stöbern durch den Urwald und sehen wieder viele Tiere. Eine gelbe Otter, fasanenartige Vögel, Affen, Eichhörnchen, Schmetterlinge. Unglaublich ist ein ca 400 Jahre alter riesiger Baum mit fächerförmigen Wurzeln, die ihm Stabilität verleihen.

Um den Vulkan herum gibt es viele heiße Quellen, die einige der Hotels sich zu Nutze machen, um gigantische Badelanschaften zu bauen. Wir entscheiden und für die des Baldi Hotsprings ***** etwas außerhalb von La Fortuna, sie besteht aus 25 Becken mit verschiedenen Wassertemperaturen von ca 45 Grad bis kalt. Wasserfall, Rutschen und alles eingebettet in Urwaldvegetation. Es ist Montag und nicht viel los. Gegen Abend wird es noch weniger und wir haben mal wieder alles fast für uns alleine. 

#6: Zurück zur Westküste: Tamarindo

Über Nacht hatte es geregnet und so schwirren besonders viele Vögel durch den Garten unseres Hotels. Kolibris und andere gefiederte Freunde. Gelbe, blaue und ein schwarzer mit leuchtrote Rücken. Die heutige Route führt uns nach Westen auf die Halbinsel Nicoya. Ziel für die nächsten drei Tage ist Tamarindo an der Küste, welches Teil des Nationalparks „Marino Las Baulas“ ist. Dort ist einer der wenigen weltweiten Nistplätze der riesigen Lederschildkröten, welche normalerweise im Herbst zur Eiablage an Land kommen.

Nach ca 5 Stunden Fahrt kommen wir an. Unser Haus liegt etwas außerhalb, im Stadtteil Playa Langosta. Hier ist es etwas ruhiger. Die Villa Ethir steht in einer Privatsiedlung, der Pförtner weiß, dass wir kommen und empfängt uns freundlich. Ebenso Haushälterin Maria und der Besitzer Bert, ein Belgier, der vor einigen Jahren ausgewandert ist. Unser Appartement ist eines von zweien gegenüber des Haupthauses. Der Pool liegt dazwischen. Gleich in der Nähe liegen die beiden Strände Langosta und Tamarindo, zu welchen wir über eine Tür mit Zahlencode Zugang haben. Am Abend machen wir einen Spaziergang und genießen den Sonnenuntergang im Beach Club Langosta, für welchen Bert eine Mitgliedschaft für seine Gäste erworben hat. Als Kompensation für die beginnenden Bauarbeiten und den damit verbundenen Lärm auf dem Nachbargrundstück, der uns jedoch nicht weiter belästigt hat.